Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/127/
eigniß bezeichnet. Nicht nur die Gelehrten Frankreichs, sondern 
auch seine StaajHyHoM schönen diesen geygraphischen Kon- 
greß alS ein erwünschtes Mittel zu betrachten, die längst de- 
stehenden freundschaftlichen Verbindungen ihres LandeS mit den 
meisten Kulturvölkern zu erweitern M zu festigen. zugleich 
aber auch mit Deutschland, zunächst auf wissenschaftlichem 
Pyden, einen etwas friedfameren und freundschaftlicheren Ver- 
kehr qnjubahyen, als er seit dem für Frankreich so verhäng- 
«ußvyllen Jahr 1870 bestanden hat. 
Tpa«ie«. Ueber die letzten Vorgänge auf den spanischen 
Kn'egSschauptätzen und die jetzige Situation der Carlisten schreibt 
der spanische Korrespondent der „Bossischen Zeitung" vom 21. 
Juli auS St. Jean Pied de Port mit anerkennenSwerther Un- 
befangenheit: 
^ES dürfte wohl nicht zu weit gegriffen sein, wenn ich 
behaupte, daß kein Krieg der neuern Zeit einen solchen raschen 
Wechsel ver Erfotge, einen so häufigen und rapiden Umschwung 
deö Glücks auszuweisen bat, wie ste unS in diesem entsetzlichen 
Bürgerkriege entgegentreten. Noch zwei Tage vor der Ein- 
nähme von CaWviqq jjuttz tzen SchjgchW b?i Miranda waren 
die Carlisten in der Lage, von einem- Vörbrechen gegen Ma 
drid zu sprechen» eine gänzliche Besiegung der RegierungS- 
truppen in baldige Aussicht zu stallen, und Niemand, der den 
Gang der Ereignisse aufmerksam verfolgt hat., konnte einen 
triftigen Grund zur Widerlegung finden. Seit Wochen, ja 
seit Monaten waren die Heere des Prätendenten aus allen 
Punkten siegreich vorgedrungen; ein Ort nach dem andern 
war von ihnen erobert worden und enger und enger schlössen 
sie den eisernen Zirkfl um die belagerten Hauptstädte, deren 
haldige Einnahme kaum noch zweifelhaft war. Da endlich 
gelang eS der Regierung, in dem Kriegsminister Jovellar den 
rechten Mann zu finden, der den Operationen neues Leben 
und neuen Geist gab, der nach den vielen Mißerfolgen end- 
lich einmal einen Sieg errang und nicht, wie seine Vorgänger, 
dabei stehen blieb, sondern auch die Früchte desselben erntete und 
die eingeschlagene Straße mit Energie verfolgte. Zwar ist eö 
nicht zu leugnen, daß jene Gefechte und Erfolge in der Ge 
gend von Valencia und Saragossa nicht die Tragweite haben, 
wie ein entscheidender Sieg bier im Norden, denn man wmpft 
dort mit den Gliedern, während das eigentliche Herz deö Auf- 
standeS die baskischen Provinzen find; nichtsdestoweniger sind 
fte in ihren Eonsequenzen unangenehm genug für Don Carlos 
und seinen Anhang, weil eS sein bester General ist, den man 
dort geschlagen hat, und der in den nächsten Tagen gezwun- 
gen sein wird, den EntscheidungSkampf zu fechten. ÄlS eS 
Dorregaray nicht gelang, längs der französischen Grenze die 
Hochgebirge von Navarra zu erreichen und sich mit dem Heere 
PerulaS zu vereinigen, machte er Kehrt und richtete seinen 
Marsch gegen Catalonien, wo er an SaballS eine mächtige 
Gtütze zu finden hoffte. Diese Bewegung geschah so unver- 
muthet, so unerwartet, daß er seinen Verfolgern Jovellar und 
Weyler unter den Händen entschlüpfte, die ihn am l5. d. MtS. 
in der Siera Bora fest zu haben glaubten, und die nächsten 
Tage verhstltnißmäßig unbelästigt blieb. Sein Marsch wandte 
fich zunächst gegen Seo de Urgel, und eS hat den Anschein, 
als ob dieser Ort ein zweites Sedan werden sollte. Wohl 
einsehend, daß der einzige Zweck dieses Unternehmens eine Ver- 
einigung mit SaballS sein konnte, richtete Jovellar sein Augen- 
merk vorzugsweise darauf, diesen Plan zu vereiteln und schob 
Kch in acht anstrengenden Märschen zwischen beide feindlichen 
Heere, während er seinen Untergebenen Weyler zur direkten 
Verfolgung absandte. Beinahe gleichzeitig kamen alle drei 
Armeen auf den verschiedenen Wegen bei besagtem Orte an; 
ein Umstand, den die Sorglosigkeit Dorregaray'S verschuldet 
hatte, der, als er in den ersten drei Tagen sich nicht vom 
* Gegner beunruhigt sah, glaubte, man habe die Verfolgung 
aufgegeben, und seinen Truppen einen Ruhetag gönnte. Ohne 
diesen Aufenthalt wäre eS ihm bei seinem Vorsprung und der 
ganz unglaublichen Marschleistung der haSftschen Regimenter 
ohne Zweifel gelungen, zu entwischen; eine Annahme, dse um 
so meyr Wahrscheinlichkeit hat, wenn man bedenkt, daß seine 
Gegner durch die bedeutenden Anstrengungen der setzten Tage 
bereits ermüdet waren und eS ihnen also doppelt schwer we*i 
den mußte, die verlorenen 44 Stunden wieder einzubringen, 
Noch am Tage yeS Eintreffens vor Seo de Urgel vereinigten 
sich die beiden Flügel der Regierungsarmeen und schloffen so 
einen Kreis, der vorläufig den Gegner fest hält und ihn wohj 
voraussichtlich in seiner Umarmung ersticken wird; die einzige 
Hoffnung, die dem Carlisteygeneral bleibt, ist- nur die Aussicht 
auf das etwaige Eintreffen SaballS, dessen rücksichtsloser 
Energie eS vielleicht gelingen könnte, den Kreif> zu sprengen 
und seinen Kameraden zu befreien. (Er hq4 bereits einen de- 
deutende Sieg errungen. Die Red.) 
Während derselben Tage, in deren Lauf sich das Schicksal 
dieser Armee entschieden hat, ist eS noch dem General Sala- 
manea gelungen, den Carlisten die Festung Callado in der 
Provinz Castellon zu entreißen. Am 19. d. MtS. zog dieselbe 
die Flagge und kam mit 12 Offizieren, 300 Mann und 5 
Geschützen in die Gewalt der Belagerer, die ste sofort besetze 
- tev. An her Geringfügigkeit d?r Besatzung und Arnumng 
sieht man, daß der Ort von keiner großen Bedeutung ist, und 
wenn ich eben von einer „Festung" gesprochen habe, so bin ich 
darin offiziellen Angaben gefolgt, die Callado als eine solch* 
bezeichnen; in WirkliMeit hat er nicht mehr Ähnlichkeit mit 
einer Festung, wie etwa Treuenbrietzen oder Köpenik. Das 
ist die Lage des Krieges im Osten und Süden." 
China. Der „Englishman" schreibt über die chinesischen 
! Kriegsvorbereitungen.' Schon im Mai 1873 verkündigte die 
! chinesische Regierung: der Kaiser habe eine europaisch organi- 
sirte Armee von 300,000 Mann auf den Beinen, die mit 
modernen Gewehren und gezogenen Kanonen bewehrt fmh. 
Die erste That. dieser neuen Armee war die Bewältigung dech 
mohammedanischen Reiches in Zunnan, welches 16 Jahre den 
Anstrengungen der kaiserlichen Truppen widerstanden hatte. 
Während deS ConstiktS mit Japan bezog die chinesische Regie- 
rung viele Krupp'sche Kanonen auS Europa. engagirte einen 
gewesenen preußischen Artillerie-Offizier als Instrukteur it. 
Den letzten Berichten zufolge zählt die heutige chinesische Armee 
850,000 Mann; fie hat fremde Offiziere, Remington-Gewehre, 
gezogene Kanonen, Mitrailleufen K. (Bin Krieg gegen China 
wäre heute, wo Frankreich schwerlich wieder den Engländern 
helfen würde, eine bedenkliche Aufgabe für daS ifolirte Eng- 
lanv. 
Verschiedenes. 
* Ein heiteres Mißverständnis welches die letzten Regen- 
güsse zu Tage gefördert haben, wird vom „Rational Suisse" 
erzählt Ein Bewohner von Eouvet, welcher fürchtete, daß die 
Areuse durch die plötzliche Anschwellung deS BergbacheS Sucre 
gefährliche Dimensionen annehmen könnte, telegrafirte an einen 
Gemeindebeamten von Bsudry: „ksussv subito «Zu Sucre (plötz 
liches Steigen deS Sucre), treffen Sie Ihre Vorkehrungen." 
Der Gemeindebeamte von Boudry, welcher wahrscheinlich keine 
Kenntniß von der Existenz deS gefährlichen Baches mit dem 
j süßen Namen Sucre hatte, glaubte, daß eS sich um eine Spe- 
j kulation im Zuckergeschäft handle, u. telegrafirte zurück: „Bin 
! nicht Käufer, habe Ihre Depesche an Confiseur Porret und 
; andere Interessenten geschickt." 
* Türkei. Ueber.die furchtbaren Wirkungen der HungerS- 
noth in Kleinasien sendet ein Reisender der „Times" folgende 
| Einzelnheiten unterm 14. Juni: Die Reichen sind arm gewor- 
: den und die Armen sind gestorben oder ausgewandert, wenige 
nur schleichen noch um ihre alten Mohnungen und leben von 
der HKlfe Ttndexer. ^TqHnde jiyd zu Grunde. geMHen, well
        

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