Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/126/
digkeit vorwärts, immer eine über die ande« hinweg, Stiechen 
über Häuser, schwimmen über Flüsse, selbst «An entzündetes 
Feuer dämpfen durch Millionen iörff Leiber. Sobald in 
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dies nHM M. Niemand weigert sich; Nationalität und Con^ 
fession werden in solchen Fällen beiseite gesetzt. Man bildet 
einen großen Kreis in dessen Mitte ein entsprechend tiefer 
Graben aufgeworfen wird; so geschloffen als möglich, bewaff- 
net mit Besen, Lappen, Stöcken )c. rückt die Minschenschaar 
wie bei einem Sesseltreiben von allen Seiten gegen den Mit- 
tflpynkt vp.r, die AnsMn nach dem Graben hinscheuchetid In 
der Nähe desselben angekommen, ist der Jnseklenschwarm mit- 
unter (nach amtlichen Nachrichten) bis 12 Fuß Durchmesser, 
4 -5 Fuß hoch Ein Duzend hinter den Treibern bisher de- 
findlicher Männer springt nun hinzu, um mit S^qufeln u. 
Spaten das widrige Gewürm zu begraben. Junger Saat 
schadet dieses Verfahren wenig. Auf Brachland nimmt man 
die Werde zu Hülfe die vor schwere Dornenschleifen gespannt 
werden. Wird der Kreis enger, so tritt zeitweise das dritte, 
vierte Gespann aus. Eine Art großen Rechens, statt der 
Zinken mit federnden Holzschienen ausgestattet, welche nach rück- 
wärtS gerichtet sind, soll noch besser sein. Ist die Vegetation 
schon weiter fortgeschritten, der Getreidehalm oder die Kartof- 
felstaude schon einen.Fuß lang oder wohl gar darüber, so bedient 
man (ich deS HeuschreckenfängerS, erfunden von dem Kolonisten 
Bechtold in Freudenthal (Gouvernement Cherson). ES ist dieS 
ein breiter Leindwandsack, vorn in einen zum Zuklappen einge- 
richteten viereckigen Holzrahmen gespannt, hinten mit einer 
Handhabe zur Führung versehen und auf zwei seitwätts ange- 
brachten kleinen Blockrädern laufend. Der Fanger wird dabei 
so geführt, daß der untere Rahmen balken dicht an dem Boden 
liegt, während die Handhabe boch gerichtet/ gewöhnlich aus 
eine Schulter gelegt wird; alsdann beginnt der Mann, sein 
Geräth immer vor sich herschiebend, zu laufen, zuerst eine 
Strecke vorwärts, dann im Ring zurück zu der Anlaufsstelle; 
hier wird die Stange niedergelassen, der untere Rahmentheil Hehl 
stch und schließt die Oeffnung des mit Heuschrecken angefüllten 
Innern. Darauf werden die Gefangenen in Säcke gefüllt u. 
die Fahrt beginnt aufs neue Hierbei geschieht den Saaten 
wenig Abbruch, die niedergetretenen wenigen Halme erheben 
sich bald wieder. Nach einem Berichte des Liebenthaler Be- 
zhksamts im Gouvernement Cherson (stehe Dr. Hamms Reise 
durch südöstliche Steppen und Städte) wurden im Zahre 1857 
vom 4 bis 18 Juni in neun Kolonien nahe 11,000 Tschet- 
verikS Heuschreckenlarven auf diese Weise gesammelt, die einer 
Anzahl von 5000 Millionen entsprechen. Ebenso wurden etwa 
in derselben Zeit in der bessarabischen Bulgaren-Kolonie etwa 
3000 Millionen eingefangen. Die nach solcher Razzia noch 
übrig bleibenden Thiere sind durch menschliche Kräfte nicht 
mehr zu vertilgen,werden aber großenteils durch die stch als- 
bald einfindenden Krähen und Staare verspeist, so daß für 
die betreffende Gegend der Erfolg für einige Zeit dock immer 
ein sehr faßbarer ist. 
Vaduz, den 3. August. In der benachbarten Schweizer 
Alp Pfandboden (der Gemeinde Sevelen zugehörend) wurden 
während deS Gewitters vom letzten SamStag Nachmittag 5 
Kühe durch Blitzschlag getödtet. Zwei Alpknechte, welche zur 
gleichen Zeit bei den getroffenen Kühen mit Melken beschäftigt 
waren, wurden glücklicher und zufälliger Weise nur betäubt zu 
Boden geworfen, ohne weitern Schaden zu nehmen. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die bei Swinemünde abgehaltene Flotten- 
bestchtigung ist wohl geeignet, den Blick auf die Entwicklung 
und den Aufschwung zu lenken, welche die d e u t f ch e Seemacht 
in der neuesten Zeit erfahren hat. Gin Vergleich deS neuen, 
mit Einsetzung aller Kräfte ^förderten FlotteMsWeS mit tau 
des JabreS 1867 ergibt in Hezug aizf SchiWqu Me hM- 
I stchtiW WrmchMM lfm ? MmtMM ? ÄvifoS. 4 Mo- 
; nenbvM. ?8 ToWofqWMM Uo», WW bcßWy M 
f ® 4r % M» m W»« i I MMfreM» („$». W»MBur. 
! fW"), 2 Panzerboote, tz Panzereorvetten, außerdem von nicht 
gepanzerten Schiffen die Korvetten „ThuSnelda" und 4 ge» 
deckte Corvetten, 2 AvifoS, 3 Torpedoboote, 1 Kanonenboot. 
Zn der Fertigstellung begriffen find außerdem 3 Panzerfre- 
gatten („Friedrich der Große", „Deutschland", Preußen"), von 
uygepanzerten die Corvette ^Freya". Diese Zahlen repräsen- 
tiren im Ganzen einen Zuwachs von dreiundzMnzig Schiffen 
mit 143 Geschützen und Maschinen von 71,040 Pferdekraft. 
Hierzu treten noch sechs Fahrzeuge, welche für den Hafen-, 
Lootsen- und Verwaltungsdienst erforderlich find. Derselbe 
Impuls, welcher die SchiffskonstrMonen vorwärts geführt, 
hat auch auf anderen Gebieten fruchtbringend gewirkt, nament 
lich auf dem des Hafen- und Werftbaues und der Einrichtung 
der großen Werk- und Arbeitsstätten des Seekrieges. Zur 
weitern Vervollkommnung der ganzen Marineanlagen wurde 
der Bau einer Sternwarte in Angriff genommen zu Marine- 
ObseryqtionSzwecken, ebenso, die Aufrichtung zweier Leuchtthürme 
angeordnet und Vorkehrungen getroffen, um die im raschen 
Abtreiben begriffene Insel Wangerogge durch zweckentsprechende 
bauliche Anordnungen zu erhalten und um der drohenden Ver- 
schlechterung deS Fahrwassers zum Iadebusen entgegenzuwirken. 
Auch auf einem andern Felde, dem deS Torpedowesens, wur- 
den unter der jetzigen Verwaltung Reformen begonnen, welche 
in die Grundsätze deS modernen Seekrieges einzugreifen und 
die Kriegführung auf praktischere, dem Geiste der heutigen 
KampfeSweise entsprechendere Gesichtspunkte hinzuleiten geeig- 
net erscheinen, so namentlich durch die elektrischen Zündungen 
und durch elektrische Seeminen, Verwendung des Torpedotrie- 
geS auf offener See und im offensiven Sinne. 
Einer merkwürdigen Entwicklung geht gegenwärtig Kon- 
stanz entgegen. ES kann nachgewiesen werden, daß dort in 
den letzten zehn Jahren mehr gebaut wurde, als in drei Jahr- 
Hunderten vorher. Die Bevölkerung hat sich dem entsprechend 
auch innert den letzten zehn Jahren verdoppelt. 
Vesterreich. Die österreichische Armee wird schon dem- 
nächst die neue UchatiuS»Kanone erhalten und sehr wahrschein^- 
lich auch alSbald mit einer neuen Handfeuerwaffe, dem Krom- 
patschek'schen Repetirgewehr, ausgerüstet werden. ,Eine Wiener 
Korrespondenz der »Allg. Ztg." sagt diesfalls: Die mit diesem 
Gewehr im Brucker Lager angestellten Schießversuche haben 
außerordentliche Resultate geliefert, und seine.Einfachheit sowohl 
als seine zuverlässige Funktionirung bei einer fast unglaubli- 
chen Feuerschnelligkeit und bisher unerreichbarer Treffsicherheit 
prädestiniren eS als die Waffe der Zukunft. 
Italien. Am 1. Juli d. Js. betrug in Jalien die Zahl 
der Pensionen 91,231 mit dem enormen IahreSbetrage von 
53,937.000 Liren. Die Einnahmen deS MonatS Juni warer. 
um 6,700,000 Fr. geringer als im Mai und die deS ersten 
Semesters vermehrten sich trotz aller neuen Steuern und deS 
versprochenen BudgetauSgleicheS nur um 3,146,000 Fr. ge- 
gegenüber dem Vorjahr. Die Privativen (Tabak, Salz u. s. w.) 
waren für'S 1. Semester auf 83 Vz Millionen veranschlagt und 
ergaben nur 61^ Millionen; die Einnahmen deS ersten 
Halbjahres waren auf 668 Mill. angesetzt und ergaben nur 
599 Millionen. DaS sind sehr schlechte Aussichten zu einer 
Ausgleichung zwischen Einnahmen und Ausgaben. 
Frankreich. Der „internationale Kongreß der geographi- 
schen Wissenschaften", welcher am 1. August in Paris begann 
und mit einer großartigen Ausstellung von Landkarten, Samm 
lungen, Instrumenten, literarischen Prachtwerken u. s. w. ver 
bunden ist, wird nicht ohne Grund als ein bedeutsames Er- 
%
        

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