Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/12/
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Zähle ich als psychologischer Jurist und angehender Kriminal- 
richter diese drei Punkte zusammen, so ergibt sich mir unzwei- 
felhaft, daß diese junge Dame neben dem Aerger Dir noch ei- 
ne Art Interesse erregt, und alS Freund sehe ich mit Vergnü- 
gen, daß dieser Aerger Dich nicht verhindert, zu jeder anderen 
Zeit in behaglichstem Humor umherzuwandeln." 
„Glaube daS nicht," erwiederte mein Freund etwas ernster 
als gewöhnlich; „die Person mit ihrem schwarzen Anzüge liegt 
mir wirklich höchst unangenehm im Sinne, und wenn ich jetzt 
wie aufgemuntert erschien, so war eS die Freude, Dich nach 
so vielen Iahren frisch und gesund wiederzusehen und Deine 
erheiternde Gesellschaft zu genießen. Zch bin sicher, trüge sie 
nicht daS verhaßte Schwarz und die noch verhaßteren gelben 
Kränze, ich wüßte gar nicht, daß sie auf der Welt wäre." 
„Kann schon sein — aber eben so fest bin ich überzeugt, 
daß Du sicher weißt, welch ein angenehmes Gesichtchen und 
welch allerliebste Gestalt sich unter diesem Dir so schrecklichen 
Schwarz verbirgt?"' 
„Ich weiß gar nichts," brach mein Freund daS Gespräch 
ab, „als daß mir die Frauensperson mein hübsches HauS un, 
leidlich macht, u. daß ich Alles versuchen werde, mich von dem 
unangenehmen Anblick zu befreien. Komm, wir wollen unsere 
Havanna rauchen. Halme hat schon daS Nöthige hergerichtet." 
Halme hatte in Wahrheit den Leinwandrahmen zum Schutz 
gegen die Sonne bei den Cypressen am Bächlein aufgestellt, 
zwei FauteuilS an einem Tischchen einladend gruppirt und ein 
Kistchen wirklicher Havannas auf dem Tischlein redeten eine 
Sprache, die nur Raucher und besonders solche, wie unbesol- 
dete Assessoren sind, ganz nach Gebübr zu würdigen wissen. 
DaS jetzt entstehende Zwiegespräch mit meiner Havanna 
mußte nun für mich so interessant geworden sein, daß ich den 
feineren Sinn für andere Außendinge gänzlich verloren zu 
haben schien, den plötzlich rief mein Freund auS: „Hörst Du 
— da kommt sie zurück. Ich kenne sogar, wie sie die Thüre 
inS Schloß wirft. — Siehst Du! — So läßt sie mir keine 
Ruhe. Nicht einmal meine Cigarre darf ich ungestört rauchen. " 
„Ich glaube fast, Laver, Du hörst mij dem Herzen, denn 
meine paßpolizeilich anatomisch richtigen Ohren haben auch 
nicht den geringsten Laut von alldem vernommen." 
„Nicht — ? die Gartenmauer stößt ja hier gerade an die 
Straße und man hört jeden Schritt von draußen." 
„DaS Beste war', Laver," — warf ich im Spaß ein — 
Du kauftest das HauS drüben und kündigtest sofort der schwar- 
zen Dame." 
„Wahrhastig, da triffst Du präzis meinen Gedanken! 
Wüßte ich nur, wie eS einfädeln? Zu einem Advokaten mag 
ich nicht deswegen gehen, und mich selbst bringen keine zehn 
Pferde hinüber vor diese Trauerweide." 
„Soll ich vielleicht unterhandeln —? 
„Willst Du, alter Junge?" rief er hocherfreut aus. 
„Ich glaube fast, Du meinst dies im Ernst?" 
„Vollständig im Ernst zweifelst Du daran?" 
„Sage jmal, wie viel Millionen besitzst Du denn, wenn 
Du für eine Narrheit so viel Geld wegwerfen kannst?" 
„Genug, um das HauS zu kaufen. Außerdem verstehe 
ich mich auf Häuser. Mit ein wenig Kapital für Verbesse- 
rungen steigt daS alte Ding um die Hälfte im Werthe." 
„Wirtlich? Ich trau wahrhastig wieder meinen Ohren 
nicht." 
_ (Fortsetzung folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vi-. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Bau-Ausschreibung. 
Die Gemeinden Vaduz-Sevelen und Wartau-BalzerS find 
gehalten, ihre Rheinbrücken um 5 Schweizerfuß zu heben; eS 
ergeht daher an Fachleute resp. UebernahmSlustige die Einla- 
dung, ihre Offerten bis längstens 25. dies Monats an die 
unterzeichnete Stelle einzugeben, wo Plan und Baubeschreibung 
zur Einsicht offen stehen. 
Vaduz, am 12. Jänner 1875. 
Im Namen der betheiligten Gemeinden: 
Der Borstand: Real. 
Spinnerei Weingarten 
fn Ravensburg 
auf der letzten "Wloxi.©:!* Weltausstellung 
durch die Fortschrittsmedaille ausgezeichnet, 
verarbeitet fortwährend gegen billigen Lohn 
Flachs, Hanf und Abwerg 
zu vortrefflichem Garne und vorzüglicher Leinwand. 
Vom 1. Oktober 1374 an bezahlt die Spinnerei 
die Eisenbahnfrachten her und hin und der Spinnlohn 
beträgt 12 Pfennige neues ReichSgeld für 1 Schneller 
von 1000 Metern Fadenlänge mit billiger Fehler- 
grenze. 
Die Weblöhne sind verschieden und richten sich nach 
Breite und Qualität der Webwaare. 
Nähere Auskunft ertheilen und besorgen 
Sendungen an obgenannte Spinnerei: 
I. Biedermann z. deutschen Rhein in Bendern. 
Ferd. Walser in Schaan. 
Andreas Nigg in BalzerS. 
Heinrich Rohrer, an der Bahnhofstraße in BuchS. 
Andr. Lehn he er zum Brau in GamS. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 8. Jänner. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

1 fr 
kr. 
st. 
kr- 
fr 
kr. 
Korn 
1 3 
40 
3 
15 
3 
05 
Roggen .... 
I 2 
80 
2 
60 
2 
50 
Gerste 
2 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken .... 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer 
1 1 
70 
1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Jänner 6 
+ t 
+ 3 
0 
fast hell 
„ 7. 
- 33/, 
0 
~ 1% 
Nebel 
8. 
- % 
+1 y 2 
- i% 
halb hell 
. 9 
— 3 
- % 
— 2 
hell 
. io. 
- 6% 
- 3% 
— 3 
Nebel 
.. U 
— 5 
- 1% 
— 3 
fast bedeckt 
. 12. 
+ V2 
+ 6 
+ % 
n „ 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
13. Jänner Silber 104.70 
20-Frankenstücke . 889 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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