Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/116/
sen stand das Waffer ellenhoch. AuS dem Smichower R«th- 
Haus wird das Wasser durch Feuerlöschpumpen entfernt. 
In Graubünden gingen am 7. und 8 Juli schwere Ha 
gelwetter nieder: besonders wurde betroffen das linke Rhein- 
ufer deS VorderrheinthaleS, daS Tawetscherthal, auch zum Theile 
die ^5 Dörfer" und „die Herrschaft". 
Eine seltene Gewittererscheinung wurde bei Lüneburg 
beobachtet. ES wurde nämlich dort gegen 12 Uhr NachtS qm 
29. Juni während eines heftigen und anhaltenden Gewitters 
auf einem Dachfirst in der Nähe des Michaelsklosters eine sehr 
ttgenthümliche Erscheinung gesehen 
Zwei blaue, je dreizüngige Flämmchen, fast in dev Form 
der alten französischen Wappenlilien, erschienen auf die Dauer 
von etwa zwölf Sekunden in wunderbarer Pracht auf dem 
von Blitzen grell erleuchteten Hintergrunde des Himmels. In 
den wenigen Momenten, in welchen das grelle elektrische Leuch 
ten nachließ, war die Erhellung der unheimlich finstern, wild 
zerklüfteten. Wolken durch die blauen Flämmchen eine wahrhaft 
magische, von unvergleichlicher Wirkung. Es ist wohl zwei 
fellos, daß man in dieser Erscheinung das DioSturen- oder 
St. Elmsfeuer vor sich hatte, welches sich bekanntlich zeigt, 
wenn die Atmosphäre ungewöhnlich stark mit Elektrizität ge> 
schwängert ist 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die preußische Hauptstadt Berlin trägt 
sich lebhaft mit dem Gedanken, die nächste W e l t a u S st e l - 
lung zu übernehmen. Es hat sich bereits ein Comite gebil- 
det, welches demnächst mit einem Programm an die Oeffent- 
lichteit treten will. Die Regierung soll daS Projekt lebhaft 
unterstützen. 
Die deutschen Hchutzzöllner bereiten eine lebhafte Agitation 
vor gegen das freihändlerische Programm der Minister Camp, 
hausen, Delbrück und Michaelis. Vorerst beabsichtigen sie das 
von der deutschen Reichspartei mit Vorliebe gerittene Stecken- 
pferd des TabakSmonopolS dem nächsten Reichstag wieder vor- 
zufübren. Wie bestimmt verlautet, soll in nächster Zeit daö 
so viel berüchtigte Pferdeausfuhrverbot wieder ausgehoben wer- 
den. Der Minister für Landwirthschast hat sich durch persön 
liche Anwesenheit in den durch daS Dekret schwer betroffenen 
Gegenden von den großen Verlusten und Unbequemlichkeiten 
desselben überzeugt. 
Im Uebngen herrscht in Deutschland gegenwärtig politi 
sche Windstille. -Die Blätter beschäftigen sich daher um so mehr 
mit der ReichSmünzfrage. ES ist in dieser Hinsicht vielfach die 
Ansicht verbreitet: daß daS ReichS-Münzgesetz überhaupt ein 
verfehltes und daß der Uebergang zur Goldwährung nicht an- 
derS als mit großen Opfern zu ermöglichen sei. Die fortschrtt- 
liche „Berliner VolkS-Ztg." berechnet d,e unmittelbaren Kosten 
des UebergangS zur Goldwährung auf nicht weniger als 40 
Millionen Thaler und empfiehlt, deßhalb — ohne Zweifel aus 
sichtslos — die Doppelwährung. Aufsehen erregen Artikel der 
„Kreuz-Ztg " über diese Angelegenheit. DaS Organ der Hoch- 
konservativen betrachtet die Durchführung der Goldwährung 
geradezu als unmöglich und glaubt damit die völlige Unfähig- 
keit der liberalen Partei auf dem wirtschaftlichen Gebiete zu 
konstatiren 
Oesterreich. DaS Leichenbegängniß des Kaisers Ferdinand 
gieng in Wien unter großem Pompe vor sich. Hinter dem 
Sarge schritten — so schreibt ein Berliner Blatt — in Wien 
der Erbe der deutschen Kaiserkrone, die Thronerben von Ruß- 
land und Italien. Ihre Gegenwart bei dieser Feier war ein 
unwitzerleglicheS Zeugniß für die Herzlichkeit der Beziehungen, 
welche zwischen Oestreich-Ungarn u. seinen Nachbarn obwalten. 
DaS HauS Havoyen, welches einst dem jungen König von 
Ungarn in der Tochter König Viktor Emanuels I. eine Gattin, 
Kaiser Ferdinand bis zu dessen letztem Augenblicke eine treue 
u. aufopferungsvolle Lebensgefährtin gab, ist an seinem Sarge 
durch den Erben jener königlichen Krone von Italien vertreten, 
welche nur in heißem Ringen gegen Oesterreich gewonnen und 
geschmiedet werden konnte. 
Der Enkel König Friedrich Wilhelms III, welcher letztere 
in Gemeinschaft m>t Kaiser Nikolaus im I 1833 zu Mün- 
chengrätz mit Kaiser Franz und dem damaligen Kronprinzen 
Ferdinand die bündigsten Versicherungen übet die Fortdauer 
der heiligen Allianz tauschte, erscheint heute als Erbe der deüu 
schert und einer ungleich mächtigeren Krone. 
Der Enkel des Kaisers Nikolaus endlich weiß, daß heute 
in Löien von den Jahrzehnten ernster Spannung zwischen Ruß- 
länd und Oesterreich kaum noch die Erinnerung vorhanden ist, 
u daß die Drei Kaiser-Zusammenkunft die »rei Nachbarmächte 
eng verbunden hat für die vielen ihnen gemeinsamen Interessen. 
Schwei) Die gewesene Kaiserin von Frankreich, Eugenie, 
ist zu einer Badekur in Ragaz angelangt. 
In Basel findet gegenwärtig daS eidgenössische Sängerfest 
statt. 77 Vereine mit 394 t Mitgliedern werden zu dem Feste 
erscheinen. Die 70 Ehrengäste, 50 Delegationen badischer 
Vereine, 90 Mann Orchester und die KomiteS steigerten die- 
Gesammtzahl der Festgäste aus 4360. 
Italien. Das „Secolo" von Mailand läßt sich aus Rom ; 
melden. Garibaldi werde schon nächstens HruScati, wo er eben 
die Sommerfrische genießt, verlassen und nach Civitavecchia 
gehen, um dort einige Zeit die Seebäder zu gebrauchen. Von 
Civitavecchia werde er dann direkt nach seinem Eilande Ca- 
preia zurückkehren, und zwar um die Hoffnung ärmer, seine 
mit so großer Vorliebe gehegten und entworfenen Projekte 
baldigst ausgeführt zu sehen, da er durchaus nicht gesonnen 
sei, die Modifikation derselben, wie sie von der mit der Prüfung 
dieser Projekte beauftragten parlamentarischen Kommission 
vorgeschlagen wurde, anzunehmen. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
■"W # | i i g & 
Frisch angekommener 
Tiroler Wein, 
weiß und rotb, sehr gut und billig, ist zu haben bei 
I. G. Eltensohn 
zum Feisenkeller 
22 Feldkirch. 
Thermometerstand nach Reaumnr in Vaduz. 
! Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juli 
7. 
4-t33/ 4 
+22 
+19 
halb hell 
w 
8. 
+13
    

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.