Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/1/
Liechtensteinische 
Dritter Jahrgang 
Badtlz, Freitag 
Er. 1. 
den 1. Jänner 1875. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fi. sammt 
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Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrückungSgebühr für die sgespaltene Zeile s kr. — Briefe und Gelder 
werden franeo erbeten an die Redaction in Vaduz. 
JVum Jahreswechsel. 
„Gin glückliches neues Iaht!" Dies unser kurzer und 
doch AlteS sagender SegenSgruß bei dem jetzt stattfindenden 
Jahreswechsel. 
Für das abgelaufene Jahr sind wir dem Himmel Dank, 
viel Dan? schuldig. Wir können von demselben mit zufriede 
nerem Blicke Abschied nehmen alS von seinen 2 letzten Bor- 
gängern. 
Unsere Gefammternte gestaltete sich im Allgemeinen viel 
günstiger, alS die grimmen Nachtfröste deS 28. und 29. April 
sowie deS 3. Mai zuerst erwarten ließen. Der Ertrag der 
Feldfrüchte ist als ein ziemlich günstiger zu bezeichnen. Die Obst- 
ernte war durchgehendS sehr ergiebig. Die Weinberge blieben 
von der gefürchteten Traubenkrankheit verschobt und haben 
qualitativ eine vortreffliche und quantitativ eine, wenn auch 
schwache, doch immerhin über Erwarten große Ernte ergeben. 
Der Heuertrag ist ziemlich schwacher als im Vorjahre auSge- 
fallen, jedoch ist die Qualität des HeueS eine bessere, indem 
daS diesjährige Heu, wie man allgemein hört, ergiebiger uno 
nahrhafter ist, als daS vom Vorjahre. Die Viehzucht hat 
durch die schwache Heuernte, sowie insbesondere durch die sehr 
gefallenen Viehpreise dieses Jahr Schaden gelitten. Angelockt 
durch die fast übermäßigen Viehpreife der letzten Jahre wurde 
die Viehzucht übertrieben gesteigert, der Viehstand hiedurch 
übersetzt, anderntheilS waren die durch den großen deutsch-franzö- 
fischen Krieg entstandenen großen Lücken in den entblößten 
Ländertheilen bereits wieder ausgefüllt, und so war eS kaum 
anders zu erwarten, als daß, insbesondere wenn noch Heu- 
Mangel dazu kam, die Viehpreife entschieden fallen mußten. 
Der jetzige große Weltmarkt liebt eS in den verschiedensten 
Gebieten, wie eS die letzten Jahre zur Genüge zeigten, fich 
durch eine KrifiS zu helfen, die wohl momentan entmuthigt, 
dann aber allmählig gemäßigtere und solidere Verhältnisse 
schafft. Eine KrifiS in den Viehpreisen war daher analog 
der übrigen Vorgänger nothwenvig und wird, wenn auch mo- 
mentan der Rückschlag für sehr viele stark empfindlich ist, auch 
in dieser Beziehung mäßigere und solidere Verhältnisse anbah- 
nen. Der nationale ökonomische Bestand eineS Landes gestal- 
tet fich unter gemäßigteren Zuständen auf wirtschaftlichem Ge 
biete günstiger. DaS Einken der Arbeitslöhne hat bei uns 
keine schlimmen Folgen, der Gelderwerb ist unter den jetzigen 
Verhältnissen solider, der Arbeiter wird eher genügsamer, u. 
daS Grsparniß bei öffentlichen Arbeiten, wie eS die so günstig 
abgeschlossenen Akkorde bei den Rheinbauten treffend illustriren, 
ist ein bedeutendes. Wir können daher trotz der KrifiS auf 
dem Gebiete der Arbeitslöhne und der Viehpreife das verflos- 
sene Jahr in seinem Gesammtergebniß als ein guteS bezeichnen. 
Der alte Vater Rhein hat sich, wie eS seinen Jahren 
geziemend ist, nämlich brav gehalten und nicht in jugendli- 
cher Gelbstvergessenheit „über die Schnur gehauen." Mit 
ungewöhnlicher Anstrengung und einer wahrhaft bewunderungS- 
würdigen Ausdauer hat unser thätigeS und rühriges Völkchen 
die letzten Jahre eine verhältnißmäßig enorme Arbeit geleistet. 
Die Gemeinden haben sich zweifelsohne zu viel Steuerkraft zu- 
qemuthet und besonders den mittleren Bürgersmann, der noch 
keine arbeitsfähige Familie besitzt, hart mitgenommen. Es ist 
in dieser Beziehung die neueste Berathung und Beschlußfassung 
für Zinsensubvention für die zu machenden Anlehen von 
Rheingemeinden sehr lebhaft zu begrüßen. Die Rhein steuer- 
Umlage wird dadurch ohne deshalb den raschen Fortbau im 
geringsten zu behindern, eine fast dnrchgängig 3 bis 4fach ge 
ringere, als man die vorigen Jahre gewohnt war. Zudem 
ermöglicht der sehr günstige Stand der LandeSkasse, die Dar- 
lehen für die laufende Baukampagne selbst hinlänglich geben 
zu können, waS für unseren national-ökonomischen Haushalt 
alS sehr vortheilhast zu bezeichnen ist. 
Um unser JahreSresume zu vervollständigen, haben wir 
noch kurz daS Gebiet unserer politischen Ereignisse zu be- 
rühren. Unser kleines Ländchen hat hierin den glückli- 
chen Vortheil, sich nur mit Angelegenheiten, die direkt 
unser volkswirtschaftliches Wohl betreffen, zu befassen, 
und kann daher fügUch auf auswärtige Politik oder auf 
diplomatische Notenwechsel verzichten. Außer den üblichen 
Prüfungen der Landes - FondSrechnungenj, sind folgende wich- 
tigere Vorlagen im Landtage zur verfassungsmäßigen BeHand- 
lung gekommen: der Niederlassung.Svertrag zwischen der Schweiz 
und Liechtenstein, eine Gesetzesvorlage betreffend die Alpen- 
wirthschaftS-Verbesserung, eine Gesetzesvorlage über daS Sani- 
tätSwesen ; dann Berathung und Beschlußfassung bezüglich 
Subvention (auf jeve Brücke 1000 fl.) wegen Hebung der 
Rheinbrücken und endlich die schon oben naher besprochene 
Beschlußfassung für Zinsensubvention für die noch zu machen- 
den Anlehen für Rheingemeinden. WaS den Zollvertrag an- 
betrifft, so ist mit Ende 1874 die Zollvertragskündigung resp. 
Antrag auf Revision erfolgt. Ob und wann dies der Fall, 
unter welchen neuen Bedingungen der Zollvertrag zu erneuern 
beziehungsweise abzuändern sei, wird Sache der kommenden 
LandtagSsaison sein. Die Borberathungen deS nun geschloffe- 
nen Landtages haben bis jetzt begreiflicherweise zu keinem andern 
Resultate führen können, als vorderhand die Kündigung resp. Re- 
Vision deS Vertrages zu beschließen. Die Regelung der Münz- 
Verhältnisse unseres Landes wirb ebenfalls auch erst mit der 
Lösung der ZollvertragSfrage erfolgen, da unser Münzwesen 
bekanntlich turch den Zollvertrag an daS österreichische Münz- 
system gebunden ist. Die kommende LandtagSsaison wird eS 
daher durch die Zollvertrags- und Münzfrage mit 2 für un-
        

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