Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/96/
„Die Eisenbahnbefestigung, welche sich bekanntlich in Nord- 
deutschland namentlich in Betreff wichtiger Flußübergänge schon 
vielfach ausgeführt findet, scheint jetzt auch in Süddeutschland, 
dort jedoch in der Bedeutung von SperrfortS für wichtige 
Eisenbahnknotenpunkte, Platz greifen zu sollen. NeuerdingS ist 
nämlich süddeutfcherseitS die Wiederbefestigung von Hohentwiel 
alS Sperrfort für den nur eine Viertelstunde von diesem ein- 
stigen schwäbischen FürstenKtz entfernten Eisenbahnknotenpunkt 
Singen in Vorschlag gebracht worden, in welchem drei der vier von 
der Schweiz nach Stuttgart, Ulm und überhaupt nach Süd- 
deutschland führenden Eisenbahnen stch kreuzen. Die Möglich- 
keit einer französischen Angriffsbewegung durch die Schweiz 
unmittelbar mit der Richtung auf Ulm kann allerdings unter 
gewissen Vorausbedingungen namentlich jetzt angenommen und 
vorausgesetzt werden, wo sich durch die Erwerbung und Neu- 
befetzung von Breifach und Straßburg den Franzosen die in 
den letzten beiden Jahrhunderten so oft zum Einbruch in Deutsch- 
land benutzten Straßen durch den Schwarzwald versperrt finden, 
und eS würde für den bezeichneten Fall, wie ein Blick auf die 
Karte zeigt, das mit Leichtigkeit zu einer fast uneinnehmbaren 
Feste auszubauende Hohentwiel eine überaus große Bedeutung 
besitzen. Eine Benutzung der sämmtlichen in Singen stch kreu- 
zenven Bahnen wäre für die feindlichen Nachschubs- und son- 
stiegen Transporte unter dem Feuer dieser Position einfach un- 
möglich, und selbst die Anlage einer Umgehungsbahn dürfte 
stch wegen der Schwierigkeit deS umliegenden TerrainS 
kaum ausführen lassen oder mindestens eine so lange Zeit in 
Anspruch nehmen, um schwerlich je im Ernst in Betracht ge- 
zogen werden zu können. Ein hiemit in Verbindung stehender 
fernerer Vorschlag zielt jedoch noch dahin, zur Beherrschung 
sowohl der Bodenseegürtelbahn wie der Bahn Radolszell-Ulm und 
selbst der nach Stockach führenden Bahn eine deutsche Panzer- 
Kanonen-Flotille auf dem Bodensee mit dem befestigten StationS- 
ort Kloster Reichenau zu schaffen. In der That würden mit Ersül- 
lung dieser beiden Forderungen jeder durch die Schweiz nach Süd- 
deutschland geplanten französischen Angriffsbewegung fast un- 
übersteigliche Schwierigkeiten entgegengestellt werden. Daneben 
bleibt der Kostenaufwand behufs Ausführung dieser beiden 
Sicherungsmaßregeln als ein so mäßiger anzusehen, daß ge- 
genüber den erzielten Vortheilen der Geldpunkt kaum ins Ge 
wicht zu fallen vermöchte. 
Amerika. Die New-Aorker Zeitungen enthalten noch 
immer fpaltenlange Berichte über die furchtbaren Verheerungen, 
welche die Fluthen im ganzen Distrikt, durch den der Mississippi 
und seine Nebenflüsse fließen, verursacht haben. Wahrend die- 
feS Jahrhunderts, sagen die Blätter, ist nichts derartiges vor- 
gekommen, und der bereits angerichtete Schaden muß die Ver 
heerung der Brände von Chicago und Boston mindestens 
zehnmal übersteigen. Hunderte von Quadratmeilen des frucht- 
barsten und am besten kultivirten Landes in Amerika wurden 
durch die starke Strömung weggeschwemmt; die Städte New- 
Orleans und NaShdille und viele kleinere Städte stehen halb 
unter Wasser; Vieh ist massenhaft ertrunken, viele Häuser und 
Farmen sind weggeschwemmt und den Dämmen des Mississippi 
ist großer Schaden zugefügt worden. In Boston und ander- 
wärtS werden Subskribtionen für die Notleidenden eröffnet. 
DaS Hilfskomite in Lousiana vertheilt täglich 50,000 Ratio- 
nen unter die von den Fluthen Heimgesuchten. 
Verantwortlicher Redakteur «.Herausgeber: vr.RudolfSchädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Kalkausruf. 
Vom Dienstag den 16. Juni an wird bei der Ziegelhütte 
am Hohlenweg wieder frischgebrannter Kalk auSgemessen. 
Sevelen, den 12. Juni 1874. 
Nothgedrungene Erklärung. 
Vor mehreren Wochen wurde in offenbar böswilliger Ab 
sicht das absurde Gerücht verbreitet, daß in meinem Geschäfte 
der Wein mit Ochsenblut gemischt werde. Anfangs beachtete 
ich das Gerede nicht. Dasselbe nahm jedoch immer größere 
Ausdehnung an; so wurde z. B. auf dem Lande herum er- 
zählt, ich sei wegen Verfälschung deS WeineS mit Blut um 
500 fl., nach Andern um 1500 fl. bestraft worden, weiter 
wurde gesagt, „die Schäflewirthin von Feldkirch sei wegen 
Mischung des WeineS mit Blut in Arrest gekommen, man 
habe ihr mehrere Fässer Wein auf Anordnung der Behörde 
auslaufen lassen u. s. w." 
Um diesem böswilligen ganz grundlosen Gerede, daS unter 
Umständen der Ehre und dem Rufe meines Geschäftes von 
großem Nachtheile werden könnte, ein Ende zu machen, wen- 
dete ich mich an die löbl. k. k. BezirkShauptmannfchast in 
Feldkirch und an den löbl. Magistrat der Stadt Feldkirch, 
welche mir die nachstehenden Atteste auSgefertiget haben: 
„ES wird hiemit ämtlich bestätiget, daß gegen Frau 
Theres Weinzierl, Wirthin zum Schäfle in Feldkirch, weder 
in gewerblicher noch in sanitärer Beziehung eine AmlShand- 
lung vorgenommen worden sei, und daß waS immer für ein 
Wein stch mit Blut nicht mischen lasse, ohne augenblicklich 
von Jedermann bemerkt zu werden. 
Alle darüber herumgehenden boshaften Nachreden sind 
daher grundfalsch. 
Feldkirch, am 7. Juni 1374. 
Der k. k. Bezirkshauptmann Neuner. 
(Amtssiegel.) Dr. Höfel, k. k. Bezirksarzt."- 
„An Frau Theres Weinzierl, Wirthin zum Schäfle in 
Feldkirch. 
Der Stadtmagiftrat bestätiget hiemit, daß ihm von einem 
gegen Sie eingeleiteten Strafverfahren wegen angeblicher 
Mischung des WeineS mit Blut durchaus Nichts bekannt ist. 
Stadtmagistrat 
Feldkirch den 9. Juni 1874. 
Der Bürgermeister 
(Amtssiegel.) Tschavoll." 
Indem ich diese Erklärungen der beiden Behörden zur all- 
gemeinen Kenntniß bringe, setze ich zugleich 
Hundert Gulden Belohnung 
Demjenigen aus, welcher mir den Urheber der oben bezeichne- 
ten verleumderischen Gerüchte namhaft machen oder wenigstens 
Daten an die Hand geben kann, welche dessen Auestndigmach- 
ung resp. Bestrafung bei Gericht ermöglichen. 
Feldkirch, 9. Juni 1874. 
Theres Wittwe Weinzierl, 
Schäflewirthin. 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juni 
3 
+13 
+24 
+21 % 
hell, sanft Föhn 
n 
4. 
+15 
+23 
+22 
tt tt if 
n 
5. 
+16% 
+20»/, 

halb hell 
ff 
6. 
+12% 
+20% 
+19% 
hell 
W 
7. 
+13 
+23 V 2 
+ 18% 
halbhell; etw.Reg. 
ff 
8 
+14 
+23 y, 
+20 
fasth.A.Gw.etwR. 
ff 
9. 
+16% 
+23 
+15 
halbhell; etw.Reg. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
10. Juni Silber 105.75 
20-Frankenstücke 8.94 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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