Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/95/
Gegenstand nicht als einen ernsthaften, wohl aber glaubt sie, 
tS wäre möglich, daß der Graf Hatzfeld eine besondere Mis- 
sion hatte, um die Sympathieen der spanischen Rkgiierung für 
Deutschland zu gewinnen, vielleicht Zusicherungen der Anerken 
nung deS neuen Regiments unter gewissen Bedingungen. Bei 
diesem Anlaß macht der „Temps" der französischen Regierung 
Borwürfe, daß fte in offenbarer Weise den Aufstand deS Don 
Carlos begünstigt habe. 
Die Lauenburger sehnen sich danach, in Preußen liebevoll 
aufzugehen Wirklich ist der gegenwärtige Zustand deS Land- 
chenS ein durchaus unhaltbarer und Verfassung, Finanzen und 
Militärlasten drücken die Leute viel starker, alS die übrigen 
ieutschen Staaten. Im Prinzip ist die Einverleibung eine be 
schlossene Sache, aber man scheint bei der Ausführung auf 
allerlei praktische Schwierigkeiten gestoßen zu sein, welche Ver- 
zögerungen herbeiführten und die Ungeduld der Lauenburger 
wach riefen. 
In Brüssel soll in nächster Zeit zum Zweck der Festigung 
einiger Sätze des KriegsVölkerrechtS ein Kongreß stattfinden. 
„Seit einer Reihe von Jahren — schreibt ein offiziöses Blatt, 
die „Prov.-Korresp." — hat die öffentliche Aufmerksamkeit wie 
daS Wohlwollen der Regierungen jtch den Bestrebungen zuge 
wendet , welche sich die Aufgabe stellen, durch völkerrechtliche 
Vereinbarungen den Geboten der Menschenliebe auch inmitten 
deS Krieges nach Möglichkeit Achtung zu verschaffen und den 
Schrecknissen der Vötkerkämpfe so weit Grenzen zu setzen, als 
eS mit den Zwecken der Kriegführung überhaupt vereinbar er- 
scheint. Wie man sich über gewisse Normen für die Pstege 
der Verwundeten verständigt hat, so ist neuerdingS besonders 
der Plan angeregt worden, gemeinsame Grundsätze für die 
Behandlung der Kriegsgefangenen aufzustellen. Man hat in 
politischen Kreisen anerkannt, daß die Regierungen sich nicht 
der Pflicht entziehen dürfen, in gründliche Erwägung der Frage 
einzutreten: inwieweit der Gedanke sich verwirklichen lasse und 
eine Milderung der Härten deS Krieges in Aussicht stelle, 
Mit besonders warmer Theilnahme hat de* Kaiser Alexander 
von Rußlalid, wie alle Aufgaben und Werke edler Humani- 
tat, auch die Reformbestrebungen auf dem Gebiete deS Völker- 
rechts unter seinen Schutz genommen und zur Förderung der- 
selben seinen wirksamen Einfluß geltend gemacht. Auf Grund 
einer von Seiten des russischen KabinelS ergangenen Einladung 
soll am 27. Juli d. I. zu Brüssel ein Kongreß von Regie- 
rungSabgeordneten zusammentreten, um eine Verständigung über 
die vorzugsweise' angeregten FiäKen^'HeS .KrkegssKMrechtS an« 
zubahnen. Von Seiten der meisten Regierungen soll auf die 
Einladung bereits eine zusagende Antwort erlheilt worden fein. 
Es unterliegt keinem Zweifel, daß dem Kongreß auch die Be- 
theiligung des Deutschen Reiches gesichert ist." 
Italien. Nach den neueren Zeitungsberichten ist der hl. 
Vater in Rom seit einiger Zeit nicht unbedenklich am „Fieber" 
erkrankt. 
Von Zeit zu Zeit geht der „Karlsr. Ztg." von befreunde- 
ter Hand aus Wien die Mittheilung zu, daß sich die Mächte 
für eine eventuelle Papstwahl verständiget hätten. Oester schon 
wurde diese Behauptung widerlegt, aber das beharrliche Wie- 
decauftauchen der Nachricht in einem sonst gut unterrichteten 
Blatte läßt vermuthen, daß doch etwas an der Sache sei. 
Bekanntlich hat sich Bismarck dahin ausgesprochen, daß er sich 
jeder direkten Einmischung in die Papstwahl enthalten werde 
und eS ist dieS auch das Wahrscheinlichere. Oesterreich und 
Frankreich haben in dieser Frage eine andere Stellung, da 
ihnen ein Veto bei der Papstwahl eingeräumt ist 
Frankreich. Alles, was gegenwärtig aus Versailles 
berichtet wird, trägt das Gepräge der Schwache und Ohnmacht. 
Ohnmacht in der Regierung, die es zu keinen destimmten An- 
ttägtn in Bezug auf die Konstitution bringt und nur ihre 
Lieblingömarotte, die Verkümmerung des Wahlrechtes bei po 
litischen und Gemeindewahlen, verfolgt; Ohnmacht in der Na- 
tionalversammlung. eine Verfassung zu Stande zu bringen und 
dabei ein hartnackiges Zurückschrecken vor der Auflösung; Ohn- 
macht in den einzelnen Parteikreisen, die vergebliche Anstreng- 
ungen machen, sich auf ein Programm zu einigen. Man fühlt 
wohl, eS sollte etwas geschehen, aber man hat den Much nicht, 
einen entscheidenden Schritt zu thun. Alle Parteien sind in 
diesem Septennal wie in einer Schlinge gefangen, auS der.sie 
nicht heraus können. Man ersehnt und fürchtet zugleich den 
Mann, der diesen Knoten zerhauen wird. Oder wird dies 
vielleicht daS französische Volk lhun? 
Spanien. In Madrid scheint wieder eine KabinetS- 
krisis in der.Luft zu schweben Begegnete das sog. homogene, 
d. h. absolut reaktionäre Kabinet mit der Seele Sagafta einem 
weitverbreiteten Unwillen, so scheint seine Stellung vollends un- 
haltbar geworden, seit der General Pavia von der Stelle eines 
GeneralkapitänS von Madrid zurückgetreten ist und diesen 
Schritt öffentlich damit motivirt hat, daß daS sog homogene 
Kabinet eine Verleugnung der Revolution von 1863 sei. Seit- 
dem arbeiten der Admiral Topete, General Pavia und Ser- 
rano's Generalstabschef Lopez Dominguez gemeinschaftlich da- 
ran, den Chef deS Staates zur Entlassung des sog. homoge- 
nen KabinetS zu bewegen und wieder ein Versöhnungsmim- 
sterium an's Ruder zu bringen. 
Graf Hatzfeld, der neue deutsche Gesandte in Madrid, der 
einfach an die Stelle feines Vorgängers v. Canitz getreten, 
beobachtet eine ^roße Zurückhaltung, wohl um die Märchen 
von Hohenzollern'scher Thronkandidatur und Allianz gegen Frank- 
reich, welche bei seinem Erscheinen die orleanistischen und bour- 
bonischen Blätter aufgestört haben um so bälder in ihr Nichts 
verduften zu lassen. 
Auf dem spanischen Kriegsschauplatz ist wieder etwas ge- 
gangen, jedoch hat man Mühe, aus den beiderseitigen Berich- 
ten die Wahrheit herauszulesen. Karlistische Meldungen sagen, 
es habe am 24 Mai bei Vtllareal, südlich von den Bergen 
von Arlaban, nächst der Straße von Vittoria nach Guipuzcoü, 
ein Zusammenstoß stattgefunden, wobei Dorregaray den in drei 
Kolonnen herangerückten Eoncha zurückgeschlagen habe. Ja der 
Marschall soll sogar bis Estella zurückgegangen sein. WaiS 
diesen Sieg verdächtig macht, ist die gleichzeitige Meldung auS 
gleicher Quelle, Don Karloö habe! am 25 Mai sein Haupt- 
quartier nach Tolosa verlegt. Tolosa liegt bedeutend weit hinter 
dem angegebenen Schlachtfelde, auf der RückzugSlinie nach der 
französischen Grenze. Da nun gemeiniglich der Sieger sein 
Hauptquartier vorschiebt, nicht zurück verlegt, so ist man be- 
rechtigt, auS jenen Meldungen selber zu schließen, die Karlisten 
seien geschlagen worden Dieser Beschluß wird bestätigt durch 
Meldungen auS den Lagern der RegierungStruppen, welche 
sagen, Eoncha habe die D6stl6S, welche von Alava nach WS- 
caya und Guipuzcoa führen, d h. eben jene Berge von Ar- 
laban, besetzt, und in Folge dessen habe Don KarloS sich ge- 
nöthigt gesehen, sein Hauptquartier in Dürango aufzugeben und 
sich nach Tolosa in Sicherheit zu begeben. ÜebrigenS ist auch 
Eoncha nach dieser Aktion auf Vittoria zurückgegangen. 
Alles zusammengehalten empfangen wir den Eindruck, die 
RegierungStruppen haben eine geglückte Vorwärtsbeweguyg ge- 
macht, die aber erst eine Vorbereitung zu weitern Aktionen 
bildet. Unzweifelhaft ist nur der Rückzug deS Don Karlos 
nach Tolosa, und dieS deutet auf entschieden schlechten Stand 
seiner Aktien; denn er ist auf dem Weg nach der Sackgaffe, 
auS welcher kein anderer Ausgang als nach Frankreich führt. 
Schweiz. Der große Rath des Kantons St. Gallen hat 
den Antrag der Regierung auf Aufhebung deS Knaben seminarS 
zu St. Georgen mit 91 gegen 52 Stimmen angenommen. 
Zur schweizerischen Neutralität. Unted den militärischen 
Mittheilungen preußischer Blätter finden sich folgende Anga- 
ben, welche für die Schweiz von besonderem Interesse sind:
        

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