Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/91/
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Medina del Pomar habe ihnen nun die HauptbezugSquelle 
verstopft. Gewärtigen wir das Weitere. 
Ein Pariser Blatt meldet, man denke in Madrid wieder 
daran, den Fürsten von Hohenzollern oder irgend einen andern 
auswärtigen Prinzen auf den Thron zu berufen, und dem 
Projekte sollen namentlich Sagasta und Zabala, die einfluß- 
reichsten Mitglieder des Kabinets, ja die einzigen Minister von 
Einfluß, hold sein. Die Meldung hat just nichts Unwahr- 
scheinliches an sich, in hohem Grade aber muß bezweifelt wer- 
den, ob es noch irgend einen anständigen europäischen Prin- 
zen nach diesem Danaergeschenk gelüsten könnte, nachdem der 
Herzog v. Aosta so bittere Erfahrungen gemacht hat, und zwar 
namentlich mit jenem gleichen Hrn. Sagasta. Moglicherweise 
ist diese Kandidatur nur eine ftütte, um die Leute wieder an 
den monarchischen Gedanken zu gewöhnen, nnd es lauert im 
Hintergründe wohl nur Don AlphonS, der n Jsabella's. 
Man würde damit gewissermaßen auf den Sack schlagen, aber 
den Esel meinen. 
Centralamerika Ueber die an dem britischen Vize« 
konsul Magee in Guatemala verübte Rohheit wird der „New- 
Yorker St.-Ztg." aus San Jose, dem Hafenorte Guatemalas, 
unterm 25. April geschrieben: „Kurz nach Ankunft des Dam- 
pferS „Arizona" zu San Jos<5 de Guatevala am 24. April 
verbreitete sich an Bord des Schiffes die Nachricht, daß 
Herr Moncrieffe, Agent der Pazifiic Mail Steamship Comp., 
und der brittische Vize-Konjul John Magee auf Befehl des 
Militärkommandanten des Platzes, Oberst Gonzales, ver- 
haftet und Magee zu 40V Peitschenhieben verurtheilt wor- 
den sei,, die der Unglückliche um 4 Uhr am Nachmittage des 
selben TageS erhalten sollte. In Anbetracht der offiziellen 
Eigenschaft des Verurteilten schenkte man dem Gerüchte keinen 
Glauben, aber etwa zwei Stunden später kam Moncrieffe, der 
entlassen worden war, an Bord, bestätigte den Bericht und 
erzählte die Einzelheiten ihrer Verhaftung. Die einzige be- 
kannte Ursache, von einer starken persönlichen Abneigung ab- 
gesehen, welche zur Verhaftung Magees Veranlassung bot, war, 
daß derselbe einer Aufforderung vor dem Kommandanten zu 
erscheinen nicht Folge leistete und zwar weil ihn ein wunder 
Fuß am Gehen hinderte. Eine Wache wurde abgesandt, welche 
den Auftrag hatte, Magee todt oder lebendig nach der „Muella" 
zu bringen, und diese vollzog die Verhaftung und führte den 
Gefangenen in einem Wagen an den genannten Ort. AlS der 
Kommandant seiner ansichtig wurde, versuchte er ihn zu er- 
schießen, wurde jedoch durch Zureden seiner Freunde daran ver- 
hindert. Indessen schlug er ihn mit dem Kolben seiner Pistole 
und mehrmals mit den Fäusten ins Gesicht, sich dabei der ge- 
meinsten Schimpfworte .bedienend. Magee wurde eingesperrt 
und Vorbereitungen zur Vollziehung der angegebenen über ihn 
verhängten Strafe getroffen. Magee berief sich auf den 
Schutz seiner Flagge als britischer Vizekonsul, doch ohne Er- 
folg. Herr JameS, der Konsular-Agent der Vereinigten Staaten, 
bereitete im Namen seiner Regierung einen Protest gegen das 
Verfahren Gonzales vor, und überreichte denselben um die Zeit, 
welche zur Auspeitschung Magee's angesetzt war. Der Kom- 
Mandant verweigerte die Annahme des Protestes, und kün- 
digte an, daß er Magee nicht allein auspeitschen, sondern auch 
am nächsten Morgen um 8 Uhr erschießen lassen werde, und 
daß er dann dem Repräsentanten der Vereinigten Staaten und 
allen Fremden eine gleiche Behandlung angedeihen lassen wolle. 
Der Arzt wandte sich hieraus an den Kommandanten, und bat 
ihn zu erwägen, daß 400 Peitschenhiebe mehr seien, als ein 
Mensch ertragen könne und die Vollziehung der Strafe den 
Tod Magee's unbedingt zur Folge haben müßte. Die Vor- 
stellung erwies sich als vergebliche— „mag er dann sterben," 
entgegnete Gonzales und befahl den Soldaten die Strafe zu 
vollziehen. 
Magee wurde theilweife entkleidet, auf die Erde geworfen 
und während ein Dutzend Soldaten ihn festhielt, die AuS- 
peitschung begonnen. Vier Soldaten ertheilten ihm je 50 Hiebe, 
der würdige Kommandant hatte es übernommen, die Streiche 
zu zählen. Nachdem Magee 200 Hiebe erhalten hatte, war 
er besinnungslos geworden. Gonzales befahl hierauf, den Un- 
glücklichen in ein angrenzendes Zimmer auf's Bett zu legen 
und ihm am andern Morgen, wenn das Bewußtsein wieder- 
gekehrt sei, vor der zur Hinrichtung festgesetzten Stunde die 
andern 200 Hiebe zu ertheilen. Während der Nacht besuchte 
der Kommandant häufig Magee, hielt ihm jedesmal den Re- 
volver an die Schläfe und begleitete seine Drohungen mit Be- 
merkungen wie: „Glauben Sie nicht, lange genug gelebt zu 
haben? Würden Sie eS mir nicht danken, Sie von Ihrem 
Elend zu erlösen?' Ich habe mich zu Grunde gerichtet, aber- 
ich werde Sie unter die Erde bringen, ehe ich dahin komme." 
All der Zwischenzeit erbrach Gonzales unter Mithilfe seiner 
Soldaten das Geschäftslokal Magee's und raubte aus dem 
Geldschranke alles Geld und andere Werthgegenstände. AlSdann 
stattete die Bande der Agentur der Pacific Mail Steamship 
Komp. einen Besuch ab, und zwar in der Absicht, Moncrieffe 
zu verhaften. Dieser war jedoch mit seinen Kostbarkeiten in 
die Walver entflohen und eilte nach der Hauptstadt zu, in der 
Hoffnung, baldige Hilfe zu erlangen. Ein Privatkourier, welcher 
abgesandt worden war, begegnete gegen Tagesanbruch dem 
General Solano mit etwa 100 Mann, ungefähr 6 Meilen 
von San Jose entfernt. Alle mögliche Eile wurde angewandt, 
um frühzeitig genug in dem Hafenort einzutreffen und dm 
Kommandanten an der weiteren Ausführung seines Racheaktes 
zu hindern. 
Um 8 Wljr waren die nöthigen Vorbereitungen getroffen» 
um Magee die weiteren 200 Hiebe zu ertheilen, aber im selben 
Moment als der Befehl ertheilt war mit dem darbarischen Akte 
zu beginnen, entdeckte ein Soldat vom Balkon aus die Herannaben- 
de Eolonne des Generals Salano und gab dem Commandanten 
hievon Notiz. Magee, einen Hoffnungsstrahl erblickend, bat 
den Kommandanten von seinem Vorhaben abzustehen und an 
Bord des Dampfers „Arizona" zu fliehen, er wolle ihm Em- 
psehlungsbriefe mitgeben die ihm einen sicheren Aufenthalt in 
Salvador garantirten Hr. James, der Consulckt-Agent der 
Vereinigten Staaten, unterstützte Magee's Vorschlag und ver- 
sprach dem Kommandanten ihn an Bord des Schiffes zu brin 
gen. Gonzales willigte ein, Magee schrieb den Brief und 
überreichte ihn demselben; indeß hatte der Hallunke den Brief 
kaum in der Hand, als er den Soldaten befahl Magee zu- 
sammen zu schießen. Die Soldaten wohl wissend was dem 
Kommandanten bevorstehe, verweigerten den Gehorsam. Er 
beeilte sich nun an Bord des Dampfers „Arizona" zu kom- 
wen. und zur selben Zeit als er, von dem Vereinigten Staa 
ten Confular-Agenten begleitet, in einem kleinen Boote vom 
Ufer abstieß, betrat General Solano die Stadt. DaS Boot 
legte'an dem Dampfer an, James stieg zuerst hinauf, ihm 
folgte des Kommandant, welcher jedoch nur die Mitte der Lei- 
ter erreichte, als von unbekannter 'Hand auf ihn geschossen 
wurde und er eine tödtliche Wunde in den Unterleib erhielt. 
ES gelang ihm indeß wieder vaS Boot zu erreichen und nach 
dem Lande zu rudern Noch zwei Schüsse wurden auf ihn 
abgefeuert, von welchen einer ihn in die Schulter traf. Gon- 
zales feuerte ebenfalls einen oder zwei Schüsse ab, doch ohne 
Erfolg. Er erreichte daö Ufer und wurde dort gefangen ge- 
nommen. General Solano benachrichtigte den Capitän deö 
Dampfers „Arizona" daß er hoffe Gonzales werde von seinen 
Wunden genesen um für seine Verbrechen die wohlverdiente 
Strafe zu erhalten. Man zweifelt nicht daß Magee seine Ge- 
sundheit wieder erlangen werde."
        

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