Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/9/
Liechtensteinische 
Aweiter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Nr. 3. 
den 16. Männer 1874. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. sammt 
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werden franeo erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
20. Die Gräfes v. Montfort. 
(Fortsetzung.) 
Obgenannte Stiftung deS JohanniterhauseS durch den 
Grafen Hugo erinnert an einen überaus wichtigen Krieg, wel 
cher sich durch die 3 ersten hundert Jahre dieses Jahrtausends 
hindurchzog und der für Europa von den wichtigsten Folgen 
wurde. Es sind das die Kreuzzüge. Seitdem die seldschuki- 
schen Türken sich Palästinas bemächtigt hatten (1076), wurden 
die Christen daselbst verfolgt, die denselben gehörigen ehrwürdi- 
gen Stätten verwüstet und die längst üblichen Wallfahrten 
inS hl. Land mußten unterbleiben Das verursachte im gan 
zen Abendtande große Aufregung und auf die feurigen Pre? 
digten des Einsiedlers Peter von AmienS und die Aufforderung 
Papst Urban ll. hin, setzte sich 1096 ein christliches Heer nach 
dem Oriente in Bewegung. Diesem gelang eS wirklich, Pa- 
lästina mit dessen Hauptstadt Jerusalem zu erobern (1099). 
ES wurde nun dort ein christliches Königreich gegründet. Das- 
selbe war aber schwer zu halten und es fiel bald theilweise, 
später ganz in die Hände der Türken zurück. Es wurden da- 
her im Laufe deS 12 und 13. Jahrh. wiederholte Kreuzzüge 
unternommen, um das verlorene Terrain wieder zu gewinnen. 
Die erneuerten -großen Anstrengungen hatten aber nicht den 
erwünschten Erfolg, Palästina blieb in den Händen der Mu- 
hamedaner. Trotz dieses unglücklichen Resultates brachten die 
Kreuzzüge für das Abendland manigfache Vortheile, die Kirche 
erfreute sich durch dieselben einer religiösen Begeisterung, Han- 
del und Kunst erhielten durch sie neuen Aufschwung und An- 
regung. Tausende von abendländischen Rittern hatten während 
diesen Kriegen ihren Ruhm darin gesucht, gegen die Ungläu- 
bigen und für die Eroberung deS hl. Landes zu kämpfen und 
sehr viele derselben verloren im fernen Osten ihr Leben. Unter 
den Letztern befand sich auch Kaiser Friedrich Barbarossa. 
Manche Ritter kehrten aber auch wohldehalten auf ihre väter- 
lichen Burgen zurück, wo dann ihre erlebten Abenteuer Chro- 
nisten und Sängern erwünschten Stoff boten. Auch aus un- 
fern Gegenden werden sich viele Edle den Zügen nach dem 
Oriente angeschlossen haben, obgleich nur wenige Namen der- 
selben auf unS gekommen sind. Den ersten Kreuzzug machte 
Ulrich Bischof- von Ehur mit. Er übertrug dem frommen 
Möncke Gerold von PfäferS die Angelegenheiten seines Spren- 
gelS und begleitete das Heer als Felbprediger. 
Bald bildeten sich eigene Ritterordeu zum Kampfe gegen 
die Türken, so die Johanniter, für die Hugo I. daS erwähnte 
HauS in FelVkirch stiftete. 
Hugo mußte vor seinem Töde eine für ihn sehr schmerzliche 
grausame That erleben, Seine Tochter vermählte sich mit dem 
Grafen Friedrich von Toggenburg, der von seinem Vater die 
Stammburg Toggenburg erhalten hatte. Sein älterer Bruder 
Diethelm wurde dadurch gereizt und faßte den Entschluß, Fried- 
rich zu. ermorden. Er ließ ibn aus die Burg Rengerswil la- 
den, empfing und bewirthete ihn dort freundlich Aber in der 
dritten Nacht sah sich Friedrich von bestellten Meuchelmördern 
im Schlafgemach überfallen, er rief seinen Bruder vergeblich 
um Hilfe, denn dieser hatte ja die Mörder gesendet, unter 
deren Händen er sein junges Leben aushauchte. Groß war 
der Jammer seiner Gemahlin, die ihren blühenden Gatten so 
bald und auf so gräßliche Weise verlor (1226). Bald nachher 
starb Hugo I. Er hinterließ drei Söhne: Heinrich, Rudolf 
und Hugo. Heinrich trat in den Predigerorden und wurde 
spsKr Bischof von Chur. Rudolf wurde Stifter der Lims 
der Grafen von Montsort-Feldkirch, Hugo wurde Stifter der 
Linie der Grafen von Werdenberg und erhielt Werdenberg, 
Sargans, Vaduz, Rheineck und Jnner-Wallgau (Blumenegg, 
Bludenz und Sonnenberg). 
(Mit diesem schließt die Geschichte der Grafen von Mont- 
fort. Wir werden nach einer kleinen Pause die Bilder aus 
der vaterländischen Geschichte wieder fortführen.) 
Politische Rundschau. 
Zur Lage in Spanien. Die Zustände in Spanien find 
in Folge der neuesten Ereignisse in Madrid zum Hauptstoffe 
deS heutigen ZeitungSgefprächeS geworden. Deßhalb wag es 
am Platze sein, wenn wir an dieser Stelle in gesonderter Schil 
derung den Versuch machen, unseren Lesern die Entwicklung 
der jetzigen Wirren in Spanien anschaulich zu machen. 
Als König Amadeo den klugen Entschluß gefaßt hatte, dem 
spanischen Königsthrone zu entsagen, hatten die Republikaner 
ihr Endziel, die spanische Republik, erreicht. Doch zerfiel die 
bisher in ihrem Streben einige Partei der Republikaner bald 
über die Frage, welche Form der jungen Republik zu geben 
sei, ob eine einheitliche oder föderative. kantonale (nach dem 
Muster der Schweiz). Unterdessen durchzogen die mordbren- 
nenden Banden des Don Carlos unter berüchtigten Führern 
die nördlichen Provinzen Spaniens, um den Anrechten dieses 
Kronprätendenten Geltung zu verschaffen, während im Süden 
Spaniens die Kommunisten ihre seltsamen Begriffe von Frei- 
heit und EigenthumSrecht unter Petroleumszenen anschaulich 
machten. Mitten unter diesen Szenerien versuchte Pi y Mgr- 
gall das StaatSfchiff der jungen Republik flott zu erhalten, 
bis er nach vielen unglücklichen Versuchen die Leitung der Ge» 
schicke Spaniens den Händen SalmeronS und Castelars über- 
lassen mußte. Diese griffen zwar energisch ein und man durfte
        

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