Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/89/
Liechtensteinische 
Zweiter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Nr. 23. 
den 5. Juni 1874. 
Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig % fl., halbjährig l fl. sammt 
Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für OesterreD ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig l fl. 25 fr.; für das 
übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 kr. ohne Postversendftng. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. Einrückungsgebühr für die zgespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Vaduz, 1. Juni. (Viehseu chen) (Correfp. v. 21. 
Mai.) Das Bulletin über den Stand der Viehseuchen in der 
Schweiz auf den 16. Mai zeigt folgende Rekapitulation: Lwn- 
genseuche in 2 Ställen in Wallis, Maul- und Klauenseuche 
in den Kantonen Zürich 5, Bern 14, Luzern 1, Schwyz 1, 
Freiburg 1, Solothurn 2, Appenzell A.'RH. 15, Appenzell I - 
Rh. 3, St. Gallen 2, Graubünden 68, Thurgau 5, 
Waadt 6 Ställen. 
Bemerkungen. Wir notiren heute zwei neue Ausbrüche der 
Lungenseuche in je einem Stalle der Gemeinden Sitten und 
AgetteS deö Kantons Wallis, deren Ursache auf die jüngst 
dort vorgekommenen Fälle zurückzuführen ist. v 
Maul- und Klauenseuche. Infolge neuer Einschlcppungen 
dieser Seuche hat sich die Zahl der insickrten' Ställe im Kan- 
ton Appenzell A.-Rh. um 10 vermehrt; dagegen hat die starke 
Vermehrung im Kanton Graubünden nichts Auffälliges, und 
erklärt sich dieselbe daraus, daß den Gemeinden Fläsch und 
Scheid die Aufhebung der Stallsperre gestattet, dafür aber 
strenge Ortösperre angeordnet wurde. Der Zweck deS Ver« 
fahrenS ist, nachdem die Seuche in den Gemeinden ohnedies 
schon allgemein geworden, dieselben noch vor der Alpfahrt voll- 
ständig durchseuchen zu lassen; ihre isolirte Lage läßt diese 
Maßregel, ohne Gefahr für andere, leicht durchführen. Der 
Kanton Graubünden steht demnach in Bezug auf die AuSbrei- 
tung der Seuche nicht schlimmer daran, als er bei unserm 
letzten Berichte eS gewesen ist. Größere Bedenken und Schwierige 
feiten verursacht nun aber der bevorstehende Viehauftrieb aus 
Italien auf die Bündner Alpen, und es bedarf der strengsten 
Handhabung der für diesen Fall besonders gesetzlich vorgeschrie- 
denen SicherheiitSmaßregeln, um Graubünden vor einer neuen 
Invasion der Seuche, wie sie letztes Jahr stattgefunden hat, 
sicher zu stellen Wie groß diese Aufgabe ist, läßt sich auS 
folgenden Ziffern ermessen. ES werden jährlich auS Italien 
nach Bündten eingeführt, um auf den dortigen Alpweiden ge- 
sommert zu werden: 4000—7000 Stück Rindvieh, 40,000^— 
45,000 Schafe, 1000—2000 Ziegen, 500—1000 Schweine 
und einige Hunderte Pferde und Esel. Für alles dieses Vieh 
werden jahrlich Fr. 40,000 Pachtzins bezahlt. 
AuS dem neuesten Wochenberichte über den Stand der 
Rinderpest in Oesterreich entnehmen wir, daß die Seuche in 
Galizien, in dem gegenwärtig einzig noch verseuchten Krön lande, 
ganz stationär geblieben ist, indem weder das Erlöschen dersel- 
ben an irgend einem der betreffenden Orte, noch neue Ausbrüche 
zu melden sind. Das nämliche gilt auch für die ungarischen 
Kronländer. 
Politische Rundschau. 
In Deutschland ist die Geschäftssaison vorläufig geschlos- 
sen und man beginnt sich'wieder um die Badereisen der hohen 
Herrschaften zu kümmern. Der Kaiser von Rußland ist be- 
reitS in EmS angelangt und von der Bevölkerung mit Jubel 
empfangen worden. In Berlin ist am 26. Mai der Führer 
der deutschen CentrumSpartei, Herr v. Mallinckrodt gestorben. 
Die A. A. Zeitz, widmet ihrem politischen Gegner folgenden 
ehrenvollen Nachruf: 
Unerwartet, nach kurzem Leiden, man darf wohl sagen auf 
der Wahlstatt, ist gestern Morgen in der elften Stunde Her- 
mann v. Mallinckrodt einer Lungen« und Rippenfellentzündung 
erlßgM In wenigen Tagen hatte die lang verhaltene Krank- 
heit seine Kraft erschöpft; er entschlief mit der einen Hand die 
Rechte seiner jungen Gattin, mit der andern das Kreuz fest 
umfassend. Auch wir, seine Gegner, werden aufrichtig seinen 
Tod beklagen. Da er eS verstand in seltener Weise ein gro- 
ßeS Talent mit festem Charakter zu verbinden, wird ihm das 
Mitgefühl auch von denen nicht versagt werden die seine Ueber- 
zeugungen bekämpfen mußten. Die Gewalt der Rede war ihm 
vor allen anderen Primipilen seiner Partei gegeben, an Schlag- 
fertigkeit wich er vielleicht nur Windthorst; waS ihn aber über 
diesen erhob, war die männliche Kraft und der männliche Haß 
gegen alles was er für Unrecht erkannte. Ihm war die Sache 
die er bis in den Tod vertrat, nicht ein Tummelplatz geist- 
reichen Witzes oder verbissenen Ingrimms, eS war die Kraft 
der Ueberzeugung die ihn beseelte, die den Gegner nie ver- 
gessen ließ, daß er einen ganzen Mann vor sich hatte. ES lag 
etwaS antikes in seiner Art und Weise, und etwaS tragisches 
in seinem Tode, wie in dem eines jeden, der, wann auch immer, 
eS unternahm dem gewaltigen Geist der Zeit sich in die Räder 
zu werfen. Aber er hat ehrlich gekämpft, und das Beispiel 
mannhafter und selbstloser UeberzeugungStreue, daS er gegeben, 
wird auch für feine politischen Feinde ein dauerndes Muster 
fem. Hermann v. Mallinckrodt war am 5. Febr. 1821 in 
Minden geboren; nach Vollendung seiner Studien in Berlin 
und Bonn arbeitete er beim Stadt- und Obergericht in Bonn, 
sowie bei den Regierungen zu Münster und Erfurt; als Re- 
gierungSassessor gehörte er den Regierungskollegien zu Minden, 
Erfurt, Stralsund und Frankfurt a. O. an; er war zeitweise 
kommissarischer Bürgermeister von Erfurt, und wurde vom 
Grafen Schwerin als HülfSarbeiter ins Ministerium deS 
Innern berufen. Während der Reaktionsjahre hatte Mallin- 
ckrodt in der zweiten Kammer und im Abgeordneten Hause (denen 
er von 1352 bis 1863 angehörte) an der Seite der Altlibe- 
ralen muthig für die Verfassung gekämpft. Als RegierungS- 
rath in Düsseldorf (feit 1860) erschien er, als nach dem Krieg
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.