Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/83/
zwischen Kirche und Staat zu vermeiden, aber bei einem Un- 
gehorsam der Bischöfe gegen die StaatSgesetze, werde sie letz- 
teren Nachachtung zu verschaffen wissen. 
In Antwort aus die Interpellation über die Beziehungen 
Oesterreichs zu den auswärtigen Staaten sprach sich Andrassy 
über die europäische Lage ähnlich auS wie Lord Derby im 
englischen Parlament. Er läugnete durchaus, daß gegenwar- 
tig irgend eine Gefahr drohe, denn eS sei keine Regierung vor- 
Händen, welche den Frieden stören wolle. Ohne Zweifel, fügte 
er indeß hiezu, besteht zwischen gewissen Völkern ein Antago 
nismus, hervorgerufen durch ihre Gefühle und ihre Interessen, 
und der Friede kann nicht für lange als gesichert betrachtet 
werden. Inzwischen habe Oesterreich viel zur Aufrechterhaltung 
deS Friedens beigetragen und werde es noch ferner thun. DaS 
Mittel biefür sei vor Allem, Oesterreich so stark alS möglich zu 
Wachen, um auf jeden Fall den Frieden zu erhalten und feine 
eigenen Interessen wahrzunehmen. Die Zusammenkünfte der 
Fürsten hätten ausschließlich einen friedlichen Zweck gehabt unv 
AlleS, was über politische Pläne, wie die Theilung deS OriemS 
u. 21.' gesagt sei, könne als erfunden bezeichnet werden. Einige 
Worte widmete Andrassy sodann noch der Vertretung beim 
heiligen Stuhl. 
Frankreich. Die Würfel deS Kampfes zwischen der 
französischen Nationalversammlung unddem bisherigen Ministerium 
find gefallen. Broglie mit seinen Mitkollegen mußte zurücktreten. 
Goulard ist mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauf 
lagt. Die Präsidentschaft Mac MabonS ist intakt geblieben. 
Holland. Am 11. und 12. Mai schwamm ganz Holland 
in Festjubel, denn eS galt, die 25 jährige Feier der Thronbe 
steigung König Wilhelm III, welcher im Jahre 1849 seinem 
Vater König Wilhelm II. vom Hause Oranien auf dem Thron 
gefolgt war, würdig zu begehen. Was Amsterdam an Kran- 
zen, weißen Festjungfrauen, Festdichtern auftreiben konnte, wett- 
eiferte, daS Seine zur Verherrlichung deS Festes beizutragen. 
Am Morgen wurden die Delegationen der verschiedenen Städte 
empfangen und der König dankte warm für die ihm bewiesenen 
Sympathieen. Die Gabe, welche ihm der Bürgermeister von 
Amsterdam als Resultat einer allgemeinen Nationalsubskription 
überreichen wollte, bestimmte der König großmüthig den Bete- 
ranen und Invaliden der holländischen und indischen Armee 
Was dem Tage einen besondern Glanz verlieh, war die An- 
kunft deS Kaisers von Rußland, welcher am Mittag in der 
Hauptstadt der Niederlande eintraf und den Jubilar am Bahn- 
Hofe unter den Klängen der russischen Nationalhymne mehrere 
Male umarmte. Die Majestäten betrachteten sodann vom Bal 
kon deS Schlosses den zu ihren Ehren veranstalteten historisch- 
allegorischen Zug, der sich trotz des Regens unter Begleitung 
einer unabsehbaren Menge durch die Hauptstraßen bewegte. 
Am Abend wurden sämmtliche Häuser glänzend illuminirt In 
den fünfundzwanzig Jahren der Regierung Wilhelm III ist 
Holland kaum von den Wellen der Weltgeschichte bespült wor- 
den und konnte seine Zeit und Kraft ganz der friedlichen 
Entwicklung deS Landes zuwenden, wenn eS auch an kleinen 
Stürmen im Innern und an einigen Verdrießlichkeiten in den 
Kolonien nicht gefehlt hat. 
Der Kaiser von Rußland reiste am nämlichen Abend 
noch ab, und ist seitdem nach einem kleinen Seeabenteuer 
glücklich in London angelangt. 
Spanien. Die Madrider „Epoca" bespricht die gesamm- 
ten militärischen Operationen in den spanischen Provinzen, und 
kommt mit Bedauern zu dem Schluß, daß der Krieg mit dem 
Siege der Nordarmee vor Bilbao noch nicht beendigt sei. 
„Die Truppen deS Prätendenten," sagt das Blatt, „haben ihre 
Ausrüstung und ihre Munition gerettet und schickest sich, den 
uns vorliegenden Briefen zufolge, an, neue VertheidigungSlinien 
in Guipuzeoa und im Innern der baSkischen Berge zu errich- 
ten. Der Krieg wird demzufolge bis zur vollständigen Auf- 
löfung dieser Streitkräfte und der Pacisizirung der Provinzen, 
die daS Haupt und Herz des Aufstande? bilden, fortgesetzt 
werden müssen. Wir hoffen jedoch, daß die kritische Periode 
des Krieges vorübergegangen ist, und daß die Karlisten so nie- 
dergeschlagen sind, daß sie keine Armee mehr bilden die den 
föverirten Truppen einen erheblichen Widerstand entgegenstellen 
kann. Nicht ohne Grund hegen wir diese Ansicht, denn die 
moralische Kraft der Karlisten hat durch die letzten Ereignisse 
wesentlich gelitten. Sie haben weder über eine Regierung noch 
über Minister zu verfügen, noch werden sie als kriegführende 
Macht von den auswärtigen Staaten anerkannt, noch fließen 
ihnen Subsidien zu. Dagegen hat daS Zutrauen der RegierungS- 
truppen gewonnen." Im weitern Verfolg deS Artikels giebt 
sich aber die Epoca keinen Illusionen hin. Sie kennt den 
ikwern Zwiespalt und die politische Agitation im Innern, und 
empfiehlt angelegentlich der Bevölkerung den Feind nicht zu 
gering zu schätzen, ihn nicht zu fürchten, aber immerhin eine 
Gefahr in ihm zu sehen die beseitigt werden müsse. 
Vermischtes. 
•Woolwich. Ein Correspondent der „Köln. Ztg." be- 
richtet: Der kaiserliche Prinz sei im Examen in Woolwich 
durchgefallen. Er habe bei der Prüfung die Nummer 27 er- 
halten, und da nur die 20 ersten Nummern deS LieutenantS- 
rangeS für würdig erklärt werden, so müßte er jetzt alS ein- 
facher Cadett die Schule verlassen oder ein Jahr „nachochsen". 
Wenn daS wahr ist, so wird der junge Don Alfons, der ja 
auch in Woolwich Studien zu machen beabsichtigt, gewiß un- 
terlassen, bei den unhöflichen Engländern in die Schule zu 
gehen. 
Amtliche Anzeigen. 
NechnungsGrgebnisse ict landschaftlichen Sparkasse 
im Jahre 187 3. 
RechnungSrest vom Vorjahre, exklusive deS RefervefondeS per 4835 fl 4 kr. hat betragen . 
Neuer Empfang. 
Von 215 Parteien wurden neu angelegt ........ 
Auf versicherte Kapitalien wurde abgezahlt ........ 
Auf Kreditdarlehen wurde abgezahlt . . . . . . 
An Werth der Obligationen wurden empfangen . . . . . . . 
An Werth der Obligationen gegen Bürgschaft wurden empfangen . . . . 
An Interessen wurden den Einlegern zugewiesen . . . 
Für die Einleger die laufenden Interessen kapitalistrt ...... 
Summa deS Empfangs 
Einzeln, 
fl. kr. 
Zusammen. 
fl. kr. 
116674 10y 2 
38302 64 
1296 25 
13810 — 
6728 88 
34155 41% 
4900 >2% 
4365 331/2 103559 29% 
220233 40
        

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