Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/78/
ist durch einen langen Gebirgszug von Vorarlberg getrennt, 
Während die Schweiz, besonders seit die Rheinbrücken erstellt 
find, uns nah und bequem liegt. Hauptsachlich die obere Land- 
schaft muß viel schwieriger mit Vorarlberg verkehren, als sie 
eS mit der benachbarten Schweiz thun könnte. Ferner dürften 
unsere politischen VolkSsympathieen im Allgemeinen eben so wohl 
unserem natürlichen Grenzlande, der Schweiz, als Vorarlberg 
gelten. 
(Fortsetzung folgt.) 
Vaterländisches. 
Vaduz, den 12. Mai. DaS 30. „Bulletin über den 
Stand der Viehseuchen in der Schweiz" auf den 30. April 
erzeigt folgende Rekapitulation: 
Die Lungenseuche herrscht gegenwärtig im Kanton 
St. Gallen in einem Stall und im Kanton Wallis in 
3 Ställen. 
Die Maul- und Klauenseuche dagegen im Kanton Zürich 
in 9 Ställen, Bern in 13, Luzern in 1, Urt in 3, Freiburg 
in 1, Solothurn in 3, Appenzell A. Rh. in 5, St. Gallen 
in 3, Graubünden in 26 und Waadt in 12 Ställen. 
Zahl der infizirten Ställe auf 30. April 76, auf 16. April 
136. Verminderung 60. 
Bemerkungen. Neue Fälle von Lungenseuche sind zu ver- 
zeichnen in den Kantonen St. Gallen und Wallis. Im letzteren 
Kanton mußten in Folge dessen 14 Viehstücke gekeult werden, 
während im Kanton St. Gallen, woselbst die Krankheit in 
ihren ersten Anfängen in einem Stalle entdeckt wurde, man von 
der betreffenden Viehhabe, 11 Stück Großvieh, zu erhalten hofft. 
Die vorgeschriebenen SicherheitS-Maßregeln sind in beiden Fällen 
angeordnet und werden strenge gehandhabt. 
Die Maul- und Klauenseuche hat neuerdings einen ent» 
scheidenden Rückschritt gemacht, und eS ist die Zahl der Kan- 
tone, in welchen diese Seuche noch vorkommt, auf 10 herab- 
gesunken. In Graubünden dagegen weicht die Seuche nur 
langsam 
In Bezug auf andere Thierkrankheiten notiren wir einige 
Fälle von Milzbrand im Kanton St. Gallen. 
Der neueste Ausweis über den Stand der Rinderpest in 
Oesterreich konstatirt wiederum eine Abnahme der Seuche. Dal- 
matten ist entlich wieder seuchenfrei und herrscht die Seuche 
überhaupt nur noch in Galizien in° 9 Ortschaften. In den 
Ländern der ungarischen Krone, und zwar in Kroatien und 
Slavonien herrscht sie in 8, in der Militärgrenze dagegen noch 
in 20 Gemeinden. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Der Kaiser von Rußland hat am 1. Mai 
seine FrühlingSreise angetreten, die sich indessen bis in den 
Sommer hinein erstrecken wird. Sein nächstes Ziel war Ber- 
lin, von hier ist der Czar nach Stuttgart gereist, um einer 
Familienfeier, nämlich dem Hochzeitsfeste der Großfürstin Vera 
mit dem Herzog Eugen von Württemberg beizuwohnen. An- 
knüpfend an den Aufenthalt des russischen Kaisers in Berlin 
schreibt ein Korrespondent der A. A. Ztg.: Alle Untenedun- 
gen, welche hier in den letzten Tagen zwischen den beiden 
Kaisern und ihren Kanzlern gepflogen worden sind, gipfeln, 
wie versichert wird, in der Bekräftigung deS schon bei früheren 
Gelegenheiten wiederholt konstatirten gemeinsamen Willens, so- 
viel an ihnen liegt, dem Kontinent den Frieden zu erhalten. 
Eine starke Bürgschaft dafür gewährt allerdings die aufs neue 
besiegelte Freundschaft nicht bloS zwischen den Höfen, sondern 
auch zwischen den Kabineten von St Petersburg und Berlin, 
welche Freundschaft durch den anderthalbstündigen Besuch, mit 
welchem der russische Kaiser den deutschen Reichskanzler beehrt 
hat, sehr auffallend in die Erscheinung getreten ist. Aber wie 
geneigt auch unser Publikum ist die politische Bedeutung jener 
Auszeichnung und den Werth der russischen Freundschaft anzuer- 
kennen, so entspricht eS doch keineswegs den Gefühlen unserer 
Bevölkerung, wenn die „N. A. Ztg." diese darum zum Dank 
gegen den Beherrscher aller Neuffen für verpflichtet erklärt. 
Denn wohl nur wenige verhehlen sich, daß jene Sympathie- 
Bezeugungen des russischen HofeS und deS leitenden russischen 
Staatsmannes für Deutschland schließlich doch nur in der Er- 
kenntniß wurzeln, daß damit den eigenen Interessen Rußlands 
gedient sei. — 
Oesterreich. Auf eine Interpellation betreffs der KrisiS 
antwortete der Finanzminister im Abgeordnetenhaus: Der 
Regierung ist die Gelegenheit willkommen vor der Vertagung 
des ReichöratheS nochmals ihre Stellung zur KrisiS darzulegen. 
Die Abnahme der Konsumtion und die damit verbundene 
Stockung einzelner Produktionszweige sind theils die natürliche 
Rückwirkung der KrisiS deS Effektenmarktes, theils die Folge 
der wiederholten Mißernte, und stnd dadurch wesentlich ver- 
schärst worden, daß weite auswärtige VerkehrSgebiete daS Schick- 
fal gleich ungünstiger Wirthschaftsverhältnisse mit uns theilen. 
Unmöglich könnten die der Staatsgewalt zur Verfügung steh- 
enden Mittel einer Kriffs Stillstand gebieten, welche auS dem 
Zusammentreffen so verschiedenartiger Ursachen hervorging; in- 
soweit das Eingreifen deS Staates, besonders behufs Vermeh 
rung der Kreditgewährung und Förderung der Bauthätigkeit 
möglich war, fand dasselbe unter Mitwirkung deS Reichsraths 
statt. Die Regierung war unablässig besorgt die gesetzlich ge- 
nehmigten Eisenbahnbauten und Staatsbauten baldmöglichst 
auszuführen. Falls gegen Erwarten die Stockung der Arbeits- 
thätigkeit größere Dimensionen annehmen sollte, wird die Re- 
gierung alle durch die Umstände gebotenen Maßregeln einlei- 
ten. Wenn die Nachfrage nach Salinenscheinen nicht nam« 
Haft vernachlässigt wird, wird die Regierung eine weitere Er- 
Mäßigung deS Zinsfußes eintreten lassen. Auf Grund deS 
Dezember-Gesetzes stnd zunächst die 16 Vvtschußkassen mit 
einer Dotation von 10,600,000 fl errichtet, namhafte Beträge 
sind dadurch dem Handel und Gewerbe zugeführt worden; au- 
ßerdem wurden im Wege der Centralleitung weit bedeutendere 
Summen flüssig gemacht. Die Regierung begreife vollständig 
den Ernst der wirthschaftlichen Lage, könne sich aber auch nicht 
verhehlen, daß, wahrend früher durch Ueberschahung der Ka- 
pttalskraft und Anweisung aller Werthe auf die Leichtgläubig- 
keit des Publikums gesündigt wurde, nunmehr die Unterschätzung 
der wirthschaftlichen Kraft und ein ungerechtes Mißtrauen in 
die allgemeine Kreditwürdigkeit eingetreten stnd, welche von 
gewinnsüchtigen Spekulanten ausgebeutet werden. Die Re- 
gierung werde auch ferner die Entwicklung der ökonomischen 
Verhaltnisse offenen AugeS und warmen Herzens verfolgen, und 
wenn sie sich auch nicht berufen fühle Schäden, welche einzelne 
durch verfehlte Spekulationen erlitten, auf Kosten der Gefamml- 
heit zu heilen, so werde sie doch im Sinne deS kaiserlichen 
Handschreibens vom 18. Februar sich möglichst bestreben die 
wirthschaftlichen Bedrängnisse zu lindern. Die Ausführungen 
des KinanzministerS wurden beifällig aufgenommen. Der An- 
trag PlenerS über diese Beantwortung morgen die Debatte zu 
eröffnen, wurde mit 126 gegen 70 Stimmen abgelehnt. 
— Auf den 9. Mai ist der Jahrestag deS auch noch nicht. 
halbwegs überwundenen großen „Krachs" gefallen. Wie 
schrecklich die Nachwehen dieser Katastrophe jetzt noch wirken, 
mögen folgende Ziffern als Beweise dienen: Im Konkurs be- 
sinven sich gegenwärtig sechzehn verschiedene Aktiengesellschaften. 
44 Banken, 36 Jndustriegesellschasten, 18 Baubanken und je 
1 Versicherungsgesellschaft und Transportunternehmung sind 
mit einer Summe von 313^ Mill. in der Liquidation begrif- 
fen. Die Aktien der Kreditanstalt sind im Laufe deS Krach- 
jahrS von 316 auf 217 fl. gefallen, der Anglobank 262 auf
        

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