Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/70/
^Reichstage an. . DaS hervorragendste unter Ihrer Mitwirkung 
zu Stande gekommene Gesetz soll, nach den Absichten der ver- 
bündeten Regierungen, dem deutschen Heere diejenige Organisation 
dauernd sichern, in welcher die Gewähr für den Schutz unseres 
Vaterlandes und für den Frieden Europas beruht. Um die 
Stetigkeit der Entwicklung unserer Verfassung sicher zu stellen, 
und um für die Fortbildung unserer neu gewonnenen nationalen 
Einrichtungen die Grundlage allseitigen Verständnisses zu ge- 
Winnen, haben die verbündeten Regierungen eingewilligt, die 
von Ihnen vorgeschlagene und nach Ihrer Ueberzeugung noth- 
wendige definitive gesetzliche Regelung der Friedensstärke deS 
HeereS der Zukunft vorzubehalten; die Regierungen haben dieses 
Zugeständniß in der festen Zuversicht machen können: es werde 
die regelmäßige Berathung deS Militar-EtatS und die fort- 
schreitende Entwicklung des Verfassungslebens dem Lande und 
den künftigen Reichstagen die Ueberzeugung gewähren, daß die 
Sicherstellung der nachhaltigen gleichmäßigen Ausbildung der 
nationalen Wehrkraft und die Herstellung einer gesetzlichen 
Unterlage für die jährlichen Budgetberathungen nothwendig sei, 
um dem deutschen Heer eine seiner Bedeutung für das Reich 
entsprechende Festigkeit der Gestaltung zu sichern. Mit patriotischer 
Bereitwilligkeit haben Sie Ihre Mitwirkung geliehen zur Be- 
seitigung der in der Erfahrung hervorgetretenen Mängel der 
gesetzlichen Bestimmungen über die Versorgung der Invaliden 
deS Reichsheeres und der Invaliden. Ich sage Ihnen meinen 
Dank für die Fürsorge, welche Sie von Neuem für die In» 
teressen derer betätigten, die im Waffendienste für das Vater- 
land Kraft und Gesundheit geopfert haben. Die Regelung 
deS Papiergeldumlaufs in Deutschland hat große Schwierigkeiten 
in dem von der Vergangenheit überkommenen Ergebniß einer 
vielgestaltigen Entwicklung gefunden. Unter Ihrer Mitwirkung 
ist es gelungen, durch bundesfreundliche Ausgleichung der Ver- 
schiedenheiten eine Regelung herbeizuführen, welche durch Her- 
stellung eines einheitlichen Papiergeldes innerhalb der durch die 
Rücksichten strengster Vorsicht gebotenen Grenzen, sowie durch 
Beseitigung der mit der Natur deS Landespapiergeldes ver 
bundenen Hemmungen, allen Verkehrskreisen zur Befriedigung 
gereichen wird. Auch auf andern Gebieten haben Sie im 
' Verein mit dem Bundesrath die Gesetzgebung und die Jnsti- 
tutionen deS Reiches weiter ausgebildet. Die Förderung und 
Unterstützung, welche die von mir -in Gemeinschaft mit den ver- 
bündeten Regierungen befolgte Politik in Ihren letzten Be- 
schlüssen gefunden hat, befestigen in mir dieUeberzeugung, daß 
das deutsche Vaterland unter dem Schutze der gemeinsamen 
Institutionen einer gedeihlichen Zukunft entgegengehe, und daß 
Europa in der sorgsamen Pflege, welche die geistigen, sittlichen 
und materiellen Kräfte Deutschlands finden, ein Pfand deS 
Friedens und der gesicherten Fortbildung seiner Kultur erblicken 
werde. Ich entlasse Sie, geehrte Herren, mit Dank gegen 
Gott, dessen Gnade mir gestattet hat, nach ernster Krankheit 
Sie heute um mich zu versammeln." 
Beim Schlüsse deS Reichstags waren etwa 150 Mitglieder 
anwesend. In der Diplomatenloge der französische, der öfter- 
reichische und der türkische Botschafter. Mehrere Gesandte und 
Mitglieder des BundeSratheS unter Führung deS Ministers 
Delbrück standen links vom Throne. Der Kaiser, vom Krön- 
Prinzen, den Prinzen Karl, Friedrich Karl, Alexander, Georg, 
August von Württemberg gefolgt, wurde mit einem enthusiastischen 
Hoch begrüßt, welches der ReichStagSpräsident ausbrachte. Bei 
Verlesung der Thronrede ward die auf die Erhaltung deS Friedens 
bezügliche Stelle sehr beifällig aufgenommen. Ein Hoch auf 
den Kaiser, vom Minister v. Fäustle ausgebracht, schloß die 
Feierlichkeit. 
Fürst Bismark ist laut der „Köln. Ztg." in entschiedener 
Besserung, der Schlaf hat sich wieder eingefunden und nur 
seine Unterthanen, nämlich seine Beine, wollen ihm noch nicht 
gehorchen. Den Geschäften kann er sich schon seit acht Tagen 
in ziemlichem Umfange wieder widmen. 
Oesterreich. Aus Pesth meldet man die Eröffnung der 
Session der österreichisch-ungarischen Delegationen, welche wie 
man weiß, die gemeinschaftlichen Angelegenheiten der beiden 
Reichshalften zu ordnen haben. Ein Haupttraktandum derselben 
wird die Finanzfrage bilden. In ihren Eröffnungsreden haben 
die beiven Präsidenten bereits die Notwendigkeit der Sparsam- 
keit betont und die Versammlung wird den Beweis zu leisten 
haben, ob es ihr Ernst damit ist, in die zerrüttete Finanzwirth- 
schaft Ordnung zu bringen und ob eS namentlich die ungari 
schen Vertreter über sich bringen werden, gewissen Ansprüchen, 
die zum großen Theil in der Nationaleitelkeit ihren Grund 
haben, zu entsagen. 
Die Antwort deS Kaisers auf die Ansprachen der Präsi 
denten beider Delegationen war gleichlautend. Der Kaiser 
konstatirte, daß die Beziehungen deS Monarchen zu den aus- 
wärtigen Mächten ihren erfreulichen Charakter nicht geändert 
haben, drückte die Ueberzeugung aus, daß neue werthvolle Bürg- 
schaften für den Frieden den alten hinzugefügt würden und 
bezeichnete die Erhaltung deS Friedens auch für die Zukunft 
als die wesentlichste Aufgabe der Regierung. Die Lage der 
Finanzen in den Vorlagen der Regierung werde berücksichtigt 
und der Anspruch auf daS notwendigste eingeschränkt. Dem 
Budget des auswärtigen Ministeriums ist eine Denkschrift bei- 
gegeben, welche einen Einblick in die Dotirung deS diploma- 
tischen Corps gestattet. Der eigentliche Gehalt ist ein für alle- 
mal stxirt, 8400 fl. für jeden Botschafter, 6300 fl. für jeden 
Gesandten; aber sehr verschieden sind die Aktivitätszulagen 
und Quartiergelder bemessen. Die Botschafter in London und 
Paris beziehen alles in allem je 78,100 fl, dann folgt der 
Botschafter in St. Petersburg mit 64,200 fl., der Botschafter 
in Berlin mit 53,100 fl.; der Botschafterposten in Konstan- 
tinopel ist nur mit 39,900 fl. dotirt (wohl mit ein Grund, 
daß derselbe an einen der reichsten ungarischen Cavaliere ver- 
liehen wurde), der am hl. Stuhl gar nur mit 36,900 fl. 
Die höchstdotirte Gesandtschast ist die am italienischen Hose 
(39,400 Gulden), dann folgt Madrid mit 29,900 fl., Teheran 
mit 26,300 fl., Rio mit 17,750 fl., Brüssel mit 17.700 fl., 
Haag und Stockholm mit je 17,400 fl, München und Washing- 
ton mit je 16,300 fl., Kopenhagen mit 16,000 fl., Athen mit 
15,075 fl. und Bern mit 14,250 fl. Die Ministerresidenten 
in Dresden und Stuttgart haben je 8400 ff. und der Ge- 
schäftSträger in Lissabon 7000 fl. Der Minister deS Aus- 
wartigen bezieht im ganzen außer derNaturalwohnung 45000 fl., 
jeder seiner beiden SektionschefS 32,200 fl; Graf Andrassy 
übrigens sowohl als die Freiherren v. Hofmann und Orezy 
haben auf die nach der neuen Gehaltsaufbesserung ihnen ge- 
bührenden Mehrbezüge verzichtet. 
Schweiz. Aus allen Theilen der Schweiz laufen Nach- 
richten ein von großartigen Feierlichkeiten, welche anläßlich der 
BundeSrevisionSadstimmung stattgefunden haben. So wird der 
„A. A. Ztg." aus Bern, vom 21. April geschrieben: Der von 
den Bernern gestern Abends zur Feier der BundeSrevisionSab- 
stimmung veranstaltete Fackelzug war die großartigste BolkSde- 
monstration, die man in Bern gesehen. Während man bei 
den^ früheren Fackelzügen höchstens 5 — 300 Fackelträger zählte, 
betrug die Zahl ver gestrigen nahezu an 3000. Vom Mün- 
sterplatz begab sich der gewaltige Zug unter dem Dottner der 
Kanonen und dem Klange deS Berner Marsches nach dem fest- 
lich illummirten BundeSpalaiS, von dessen Zinne daS große 
eidgenössische Banner wehte mit dem eS zur Zeit der tagenden 
Bundesversammlung geschmückt zu sein pflegt. Angekommen 
vor seinem Portal, wo auf einer Estrade der BundeSrath in 
corpore versammelt war, hielt Nationalrath Brunner von Bern 
an denselben eine Ansprache, worauf der Bundespräsident 
Schenk folgendes erwiederte:
        

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