Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/61/
Zweiter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 16. 
den 17. April 1874. 
Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig! fl. sammt 
S fl. so kr., halbjährig 1 fl. 25 kr.; für das 
........ ^ abonnirt für das In- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden. Postämtern. — Einrückungsgebühr für die 2gespaltene Zeile S kr. — Briefe und Gelder 
werden franeo erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Vaduz, 14. April. Die JnnSbrucker Handelskammer hat 
an das österreichische Abgeordnetenhaus eine Denkschrift über 
die Arlbergbahn gerichtet. Da die Arlbahn-Frage auch für 
unsere Verhältnisse von Interesse ist, so theilen wir die wesent 
lichen Punkte dieser mit überzeugender Darlegung und Motivi- 
rung abgefaßten Denkschrift mit. 
In erster Linie beleuchtet die Schrift die Motive staatS- 
politischer Natur, welche die rasche Ausführung der Arlbahn 
gebieterisch fordern. Die jetzt bestehende Jsolirung deS Reichs- 
theileS Vorarlberg vom Centrum müsse die aus dem Haupt- 
körper ausströmende Kraft des WellenS bedeutend abschwächen, 
ehe sie sich an den entferntesten Punkten äußern könne. Ferner 
sei diese Jsolirung auch von bedeutendem strategischem Nach- 
theile; die Kalamitäten der Verproviantirung Vorarlbergs im 
Jahre 1870 haben dieö zur Genüge illustrirt. Weiter sei die 
bereits erstellte Vorarlbergerbahn ohne direkte Verbindung der- 
selben mit dem innerösterreichischen Bahnnetze auf ausländische 
VerkehrSanstalten angewiesen, erhebe sich nicht über den Werth 
und die Bedeutung einer Lokalbahn und sei in so lange nur 
eine schwere Last für die StaatSfinanzen. — In handelSpoli- 
tischer und volkSwirthschaftlicher Beziehung führt die Denk- 
schrist folgende Motive an, die nicht nur die Notwendigkeit, 
sondern auch die Dringlichkeit der Arlbahn begründen. Durch 
die Erstellung der Arlbahn entstehe der kürzeste und natürlichste 
HandelSweg für den Absatz der für den Orient bestimmten 
Jndustrieprodukte der Schweiz, der Rheinlande und deS be 
nachbarten Süddeutschland, sowie umgekehrt der Bezug der von 
diesen Ländern benöthigten orientalischen Rohstoffe, unter denen 
die egyptische und ostindische Baumwolle eine fortwährend stei 
gende Bedeutung erlangt habe. Durch die Vereinigung der 
beiden Endpunkte deS österreichischen VerkehrS-NetzeS Bludenz» 
Innsbruck sei in westlicher Richtung der Schlußstein für den 
Verkehr eingefügt, und könne sich daS Reich hiedurch einen 
stetigen Antheil an den Operationen des Welthandels sichern, 
d^enn die Transitmassen, welche selbstverständlich den durch die 
Zoll Linie bedingten Hemmnissen auszuweichen bestrebt feien, 
werden dann den natürlichen, durchweg inländischen Weg vis 
Arlberg wählen. Ferner könne Oesterreich durch die rasche 
Inangriffnahme der Arlbahn die Vortheile, die durch die Er- 
öffnung deS SuezkanaleS und den hiedurch eingetretenen Um- 
schwung des europäisch-ostindischen Verkehres erwachsen^ reich 
lich benützen. Ohne die natürliche Verbindung und Fortsetzung 
durch die Arlbahn können weiter die Vorarlberger-, Gisela-, 
Pnsterthaler- und Brenner-Bahnen ihre empfangene Misston 
nie vollständig erfüllen, und seien diese sämmtlichen Linien nur 
in der Voraussetzung deS Zustandekommens der Arl- bezie 
hungSweise der Fern-Bahn hergestellt worden. Eine Haupt- 
aufgabe in dieser Hinsicht sei die Vermittlung deS Getreide- 
exponeS aus Ungarn durchwegs auf eigenem Gebiete nach der 
Schweiz und nach Frankreich. Dieser Export habe nach dem 
Durchschnitte der Jahre 1858—71 jährlich rund 8 Millionen 
Zentner Mehl- und Mahlprodukte betragen. Endlich müsse 
in provinzieller Beziehung konstatirt werden», daß die Entwick- 
lung des volkswirtschaftlichen Wohlstandes durch die möglichst 
rasche Ausführung deS mit Beachtung aller berechtigten Fak- 
toren eineS Landes angelegten Eisenbahnsystems bedingt sei. 
DaS Oberinnthal sei, seitdem die Güter anstatt über Fern und 
Arl nun auf die Lindauer Route geleitet werden, wie verödet, 
und sozusagen sämmtliche Schichten der Bevölkerung in diesem 
LandeStheil mehr oder weniger empfindlich getroffen. 
Zum Schlüsse der Denkschrift wird noch die ffnagzielle 
Seite der Arlbahn berührt. Der Staat müsse den Tunnel, 
dessen Nominalanlagekosten bei einer Länge von 12.400 Kilo 
meter, einem lichten Querprofile für 2 Geleise und eingeleisigem 
Oberbau 17,997.478 st. betragen, » kvnä peräu übernehmen. 
Unter dieser Voraussetzung sei auch die Annahme berechtigt, 
daß der Ertrag der Bahn alsbald eine normale Verzinsung 
der für die beiderseitigen Anschlußstrecken Bludenz-Oberlangen 
einer- und Jnnöbruck-St. Jakob andererseits erforderlichen Bau- 
summe von 23,531.248 fl gewähren werde UebrigenS dürfte 
in staatlicher und volkSwirthfchaftlicher Beziehung in dieser 
Denkschrift der Beweis geliefert fein, daß die Arlbahn auch 
dann gebaut werden müßte, wenn daS geforderte Opfer noch 
größer wäre. 
Vaduz, 14. April. Ende voriger Woche hat fich in 
Triefen ein Mann Namens Johann Fischer im Alter von 
etlichen 30 Jahren durch Ertrinken in einem naheliegenden 
Bache selbst daS Leben genommen. Der Unglückliche war 
schon mehrere Tage krank, und hat diese That während der 
Nachtzeit, wahrscheinlich im Fieberwahnsinne begangen. 
Politische Rundschau. 
In Deutschland steht im Vordergrunde der politischen 
Interessen das Reichsmilitärgesetz als die wichtigste Vorlage, 
welche dem deutschen Reichstag, abgesehen von der ReichSver- 
fassung selbst, seit seinem Bestehen gemacht worden ist. 
Bereits in der norddeutschen Bundesverfassung war ein 
Militärgefetz für den Bund verheißen und als letzter Termin 
für die Vorlegung desselben die Session von 1871 in Aussicht 
genommen. Das Jahr 1871 brachte nun aber an Stelle des 
norddeutschen Bundes das deutsche Reich, wodurch die gleich- 
mäßige Kriegsorganisation, welche die notwendige Voraus 
setzung eineS MilitärgefetzeS bildet, wieder hinausgezögert würde.'
        

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