Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/41/
Liechtensteinische 
Aweiter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Nr. 11. 
den 13. März 1874. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie tostet für das Inland ganzjährig 2 st., halbjährig l fl. fammt 
Postversendung und Zustellung in's HaüS. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig l fl. 25 kr.; für das 
übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 kr. ohne Postversendung. - Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postamtern. — EinrückungSgebühr für die zgefpaltene Zeile s kr. — Briefe und Gelder 
Hörden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Vaduz, 10. März. Donnerstag den 5 März wurden in 
Ruggell 2 junge Manner das Opfer eines schrecklichen Un 
glückes. Wir geben hier die kurze Erzählung deS Vorganges, 
wie er unS von verschiedener Seite mitgetheilt wurde, iifi wa« 
ren nämlich <0 Männer im Ruggeller Steinbruch (ob dem 
ScheUenberger Ried) mit Arbeit beschäftigt. Zwei davon arbei- 
teten an einem FelSblock, der eine größere bogenartig geformte 
Felsenwand seitlich festhielt. Die übrige Mannschaft beschäftigte 
ftch unter der Felsenwand mit dem Hinunterrollen gelöster 
Steine. Zur Mittagszeit wollten diese nach Haufe gehen unv 
riefen im Weggehen den Zweien, die auf dem FelSblock beschäf- 
tigt waren, sie möchten auch mitkommen. Diese antworteten 
noch, fit wollen noch einige Zeit bleiben, da sie glauben, der 
FelSblock werde sich bald lösen. Im nämlichen Momente löSte 
sich daS Kelsenstück auch wirklich, die beiden Männer stürzten 
herunter, und der FelSblock ihnen nach, sie fast vollständig zu- 
deckend. Mit dem FelSblocke löSte sich auch die ganze Wand 
und streifte im Falle noch einen von den 8 Männern, die ge 
rade noch rechtzeitig dem schrecklichen Schicksal entronnen waren 
und seitlich von der Felsenwanv dem grauenhaften Unglücke 
zuschauen mußten. Glücklicherweise ist der Mann, den ein 
Stein, wie bemerkt, noch leicht streifte, ohne besondere Beschä- 
digung davongekommen. Die Leichen der 2 Unglücklichen 
tonnten erst den kommenden Tag nach längerer Arbeit unter 
dem Steine in einem zermalmten unkenntlichen Zustande her« 
vorgenommen werden und wurden dann auch sogleich vom 
Steinbruche weg auf dem Friedhofe bestattet. Die Namen 
der beiden Unglücklichen sind: Rudolf Büchel, ein lediger Mann 
von 19 Iahren, und Johann Bückel. Letzterer ist kaum 1 y 2 
Jahr vxrheirathet und hinterläßt eine junge Wittwe mit einem 
Kinde.! Wie wir vernehmen, hat das HülfSkomite der Schaa- 
ner Brandbeschädig en die sehr löbliche Absicht, die von einem 
so entsetzlichen SchicksalSschlage betroffene Wittwe an den mild- 
thätigen Gaben, die so reichlich vrn allen Seiten für die 
Brandbeschädigten einliefen, teilnehmen zu lassen. 
Wir unterlassen eS zum Schlüsse zur Vorsicht bei dieser 
Art von Beschäftigung zu ermahnen, indem daS Unglück selbst 
wohl der deutlichste Mähnruf zur Vorsicht ist 
Baduz, 10. März. Am 1. März hat in Rankweil ein 
Wandervortrag deS Herrn Dr. Fleischmann über Weinbau 
und Obstbaumzucht stattgefunden. Ein Bericht der Feldk. Zeitg. 
hebt auS demselben Folgendes hervor. . 
Nach einer klaren Einleitung über die Bodenbestandtheile 
detonte der Bortragende besonders die Wichtigkeit einer paffen- 
den Düngung für die Weinberge und empfahl namentlich 
Versuche mit künstlichen Düngmitteln. Beim Weinbau soll 
der Boden recht warm gehalten werden, wo nicht die richtige 
Sonnentage sei, sei der Weinbau nicht zu empfehlen. AlleS^ 
was man im Weinberge arbeite, soll mit Umsicht und mit 
Denken gethan werden. Uebergehend auf den Schnitt der Re- 
ben erörterte Hert Dr. Fl?ifchmann, daß der Bogenfchnitt am 
leichtesten rntd mühelosesten fei, aber nur dort sich empfehle, 
wo man mehr auf die Menge, als auf die Güte des Weines 
sehe. Der Weinstock soll so nieder wie möglich gehalten wer, 
den, indem erwiesenermaßen die Trauben, welche näher am 
Boden wachsen, süßer und besser seien, als die hochstehenden. 
Nach einer kurzen Pause sprach Herr Dr. Fleischmann über 
Obstbaumzucht. Unsere Zeit verlange vom Oekonomen, daß 
er eine möglichst hohe Rente auS seinem Boden ziehe, man sei 
sebvch in dieser Hinsicht vielfach zu gleichgültig und so sehe 
man häufig, daß man die Pflanzung von Obstbäumen selbst' 
in den schönsten geschütztesten Lagen unterlasse. Wer einen 
freien Platz habe, solle Bäume pflanzen. 
ES sei übrigens nicht genug, einen Baum zu pflanzen und 
ihn dann seinem Schicksale zu überlassen, wie daS Viele thun, 
indem sie denken unser Herrgott läßt ihn schon wachsen. M
    

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.