Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/37/
Liechtensteinische 
Aweiter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 10# 
den 6. März 1874. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie tostet für daS Inland ganzjährig 2 fi., halbjährig l fl. fammt 
Postversendung und Zustellung in's HauS. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig % fl. 50 kr., halbjährig 1 fl. 25 kr.; für daS 
Übrige Ausland ganzjährig L fl., halbjährig 1 fl. 10 fr. ohne Postverfendung. — Man abonnirt für da« Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die 2gespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder 
«erden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Die Silberentwerthung und Mnnzkrisis. 
Der erste Artikel unter obiger Ausschrift in Nr. 7 dieses 
Blattes wurde hauptsächlich geschrieben, um auf ein Faktum 
— die Silberentwerthung — und damit ferner auf die 
unserem Landchen notbwendig daraus erwachsenden sehr erheb- 
lichen Verluste aufmerksam zu machen. 
Schreiber dieses hat nun seither auch Gelegenheit gehabt 
vielfältig bedeutendere und einsichtsvolle Männer unseres Land- 
chenS über diese Angelegenheit reden zu hören; aber auch nicht 
eine Stimme war zu vernehmen, welche nicht dte Thatsache 
anerkannte, daß durch den einzig mehr bei unS zirkulirenden 
österr Silbergulden bereits jedem Privat- und GeschäftSmanne, 
welcher nicht speziell und vorzüglich mit den österr. Staaten in 
geschäftlichem Verkehre steht, täglich Verluste erwachsen. Ebenso 
herrscht nur eine Stimme und ein Wunsch näch Erlösung von 
diesem unsererseits unverschuldeten Uebel, im Falle nicht bin 
dende staatliche Vertrage dies für die nächste Zeit unmöglich 
machen sollten. 
Um so unerwarteter mußte uns der Artikel in Nr. 9 der 
Wochenzeitung erscheinen, welcher das Faktum einer schon vor 
zwei Jahren begonnenen und mit Schwankungen fortdauern- 
den Silberentwerthung umstoßt und schließlich Liechtenstein eine 
zuwartende Haltung wegen günstiger AuSilchten auf 
Besserung der österr. Silbervaluta empfiehlt. Wir konnten 
aber trotz den in dem bezüglichen Artikel vorgefundenen AuS- 
einanversetzungen der Werthverhältnisse von gemünztem Golde 
und Silber :c. leider nicht zu der Ueberzeugung gelangen, daß 
gegründete Hoffnung auf die dort ausgesprochene Besserung 
vorhanden sei. Ferner glauben wir ebenfalls die Behauptung 
in Abrede stellen zu müssen, daß nur eine scheinbare Silber- 
und daher auch nur eine momentane Silbergeldentwerthuug ein- 
getreten sei, wie wir am Schlüsse weiter ausführen werden. 
Thatsache ist «S, daß dem Ländchen bei seinem ganzen Verkehre, 
mit Ausnahme desjenigen, welcher mit dem Innern der österr 
Staaten stattfindet, durch die MünzkrifiS stetSfort Schaden er- 
wachst GS ist deshalb auf die Lötung der Frage ein Haupt« 
gewicht zu legen: „können Maßregeln getroffen werden, welche 
uns vor diesem Schaden bewahren — und wenn ja - ist es 
zeitgemäß dieselben sofort anzuwenden?" 
Zur näheren Erörterung dieser Frage hat eS einen Werth 
zu wissen, welche der beiden Ansichten über die Silberentwer- 
thung die richtige ist. Wäre wirklich keine Silberentwerthung. 
eingetreten und der Grund der gegenwärtigen KristS nur in 
dem Zu- und Abströmen deS GoldeS und Silbers zu suchen, 
dann wäre eine zuwartende Haltung mit den momentanen Ver- 
lüften eher zu entschuldigen; im anderen Falle aber halten wir 
eS doch nicht wohlgeratden daS Land länger diesen finanziell 
ungünstigen Einflüssen auszusetzen, als eS gerade feine Münz- 
und Zollverträge nötbig machen. Nur diese könnten unter Um- 
ständen allfällig einem sochen Vorhaben hinderlich sein. Gewiß 
können wir unS auch nicht leichthin mit Halbheiten befreunden 
und werden stetS einen guten Rath, der dem allgemeinen Be- 
dütfniß zweckdienlich erscheint, mit Freuden begrüßen. 
Unsere gegenwärtige Lage verdient aber ebenso gut jene 
Bezeichnung. Wenn wir einfach von der Silberwährunß 
(45 Guldenfuß) zur Goldwährung übergehen, so erscheint 56 
in jder Praxis gleichgültig ob wir in Gulden, Marken oder 
Franken rechnen. ^Unsere Wertheinheit ---- *00 Kreuzet 
(ob diese an einem oder mehreren Stücken gebothen wird) föK 
vollkommen Fr. 2 50 oder 2 Mark ausmachen und darf keinen 
erheblichen Schwankungen folgen, sonst ist sie kein richtiger 
Werthmesser mehr. 
DaS Dezimalsystem erleidet durch diese neue RechnungS- 
weise keinen Schaden, wenn der Silbergulden auch nur als ein 
Merkzeichen von 9 %oo ,n Kurs gesetzt wird, wie eS in deit 
Wirklichkeit auch in allen anderen Staaten, mit denen wir mehr 
als mit Oesterreich verkehren, schon ist. Muß nicht heute jeder 
Liechtensteiner, der mit seinem Silber nach Feldkirch kommt, zu- 
erst zum Geldwechsler gehen? Dort macht sein Silbergulden 
auch nicht mehr runde 100 Kreuzer aus, sondern je nach dem 
Kurse 105 ^4 oder vielleicht ein paar Stunden später 109%. 
Wo ist da die leichte cento Rechnung zu suchen und dazu noch 
die Wechselverluste? Kommt er mit seiner theuren Werthei?»- 
heit in die Schweiz, so gibt man ihm dafür — aus Freundschaft 
Fr. 2.38; aber Wehe ihm, wenn er gar seine Reise über den 
Bovensee hinaus ausdehnen muß, dann hilft ihm weder das 
Dezimal- noch daS Duodezsystem mehr auS seiner Verlegenheit, 
er ist ein verlorner Mann. 
Die Holländer können unS nicht als Beispiel in dem Falle 
dienen, als bei ihnen ihr eigenes selbstgeprägtes Silbergetd 
kursirt, welches nun wie unser österr. Gulden als internatio 
nale Münze denselben Verlusten ausgesetzt ist. Liechtenstein hajt 
glücklicherweise bei all dem vielen Unheile, daS sonst an diesem 
Erdflecke klebt, keine eigenen — also weder gute noch schlechte 
— Münzen; ein paar tausend Thaler abgerechnet, die eS in 
Folge ver Münzkonvention vom Zahre 1857 mit den deutschen 
ZollvereinSstaaten prägen mußte. Diese können hier nicht in 
Betracht gezogen werden Da eS auch nicht leicht mehr in die 
Lage kommen kann eigenes Geld in Zirkulation zu fetzen, so 
ist auch nicht wohl zu ersehen, daß eS Uebelstände zu beb 
dauren haben sollte, wie Holland und andere ^ilbetgeld pro- 
vuzlrende Staaten, deren eigene Waare, welche früher auf dem 
Weltmarkt willige Abnehmer fand, nun bedeutend im Werthe 
gesunken ist. Wir behelfen unS auf diesem Markte nur mit 
fremden Werth zeichen. Sehen wir dabei zu, daß wtz 
dabei nicht mehr als nöthig verkürzt werden. *
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.