Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/35/
Sich vorwärts wälzt mit immer mächtigen Schwingen 
Und steigend wächst zur rothen Flammengluth. 
Die Rächt teilt auf im wilden Schauerlichte, 
Vom Thurme schallt der wehmuthSvolle Klang, 
Und Menschen ihre Habe-eilig flüchten, 
Wenn nicht die Gluth ste ihnen schon entrang. 
Die WindeSbraut sich mit dem Jammer menget, 
Erbarmungslos die Flammen weiter schürt, 
Durch Gassen jagend AlleS niedersenget, 
WaS sie mit ihren Strahlen kaum berührt. 
Und Jammer ringt sich durch die Menschenmaffen 
Und Thiere irren wimmernd frei umher. 
Und weiter stürmt die Flamme durch die Gaffen 
Mit immer frischen Trümmern vor sich her. 
Doch rettend steigen bald die Wasserbogen, 
Die durch geübte Hand dem Schlauch entfliehn, 
Und wie der Sturmwind durch die Luft geflogen 
DaS Feuer dämmen in die Trümmer hin. 
ES fliegen Eimer durch der Hände Ketten 
Bis hoch auf jenes Firstes Höh'n 
Wo kühne Männer streiten um die Wette 
Dem Feuerqualm mit Muth entgegensetz'» 
Und sieh! Sie zwingen dort die Feue5säule, 
Die stolze Himmelskraft, sie wird gebannt, 
Sie zieht zurück mit rascher Windeseile 
Auf ihr erzwung'neS ödeS Trümmerland. 
Doch über 50 solche Stätten 
Sind nun zu Trümmern leer gebrannt, 
Der WindeSbraut zum Wirbelbette, 
Ein trauriges Ruinenland. 
Dort sieh den Vater mit den Seinen, 
Dahin ist, was sein Fleiß erbaut. 
Dort sieh sein Kind so bitter weinen, 
Wenn eS in seine Mienen schaut. 
Dort sieh die Braut mit Trauerschmetzen, 
Geplündert ist ihr Hoffnungsbaum, 
- Die Flammenbraut nm kaltem Herzen 
Hat ihr zerstört den HochzeitStraum. 
" Doch Hilfe naht, d'rum Trost Euch allen,. 
ES fehlt ja Euch kein themeS Haupt, 
Der Nothruf wird durch Länder hallen, 
Und bringen, was die Nacht geraubt! 
Ohne in daS Gebiet der Schmeicheleien zu gerathen, kann 
der Einsender dieses den Eindruck, welchen die Aufführung der 
genannten Lustspiele beim Publikum, namentlich bei Kennern 
hinterlassen Hat, als einen sehr günstigen bezeichnen, ebenso 
glaubt derselbe im Namen sehr Vieler zu sprechen, wenn er 
den Wunsch ausdrückt, die Gesellschaft, welche gestern ihren 
ersten Versuch, in so trefflicher Weise gewagt hat, möge diese 
Geist und Gemüth erhebende UnterhaltungSart noch recht oft 
wiederholen. 
Baduz, den 24 Februar. Die von Seiner Durchlaucht 
dem Fürsten für die neue Kirche in Vaduz huldvoll gespendete 
Orgel ist heute angekommen und wird die Aufstellung derselben 
in den nächsten Tagen beginnen. Vor ihrer Versendung aus 
dem Atelier der Herren Steinmeyer in Oettingen wurde sie noch 
zu einem Konzerte benützt, über welches die AugSburger Abend 
zeitung Folgendes berichtet: 
„AuS dem RieS, im Februar. Sonntag, den 8. d.M. 
fand in dem Atelier der Herren Steinmeyer und Komp. zu 
Oettingen ein in mehreren öffentlichen Blättern bekannt ge- 
gebeneS Orgelkonzert statt, daS zahlreiche Theilnehmer von 
Freunden kirchlicher Musik aus Rah und Fern herbeirief. Wir 
freuen uns, den Erfolg desselben alS einen unfern Erwartungen 
auf das Vollkommenste entsprechenden bezeichnen und die den 
Mitwirkenden von allen Seiten gezollte Anerkennung als eine 
im vollsten Maße berechtigte nennen zu dürfen. ... . WaS 
die Herren Erbauer betrifft, so ist deren ausgezeichneter Ruf 
bereits fo fest gegründet und so weit gedrungen, daß er schön 
längst die deutschen Grenzen überschritten und eSHast übet- 
flüssig erscheinen dürste, derselben noch besonders rühmend Er- 
wähnung thun zu wollen. WaS aber das Orgelwerk anbelangt, 
welches Seine Durchlaucht Fürst Liechtenstein für die neue 
Kirche zu Vaduz erbauen ließ, so ist dasselbe, wie nicht anders 
zu erwarten, als -ein in jeder Beziehung vortreffliches Meister- 
werk zu bezeichnen, daS bei der großen Auswahl ded verschiedensten 
und herrlichsten Klangsarben in semer Gesammtheit eine FW 
und wahrhaft majestätische Kraft entfaltet, die wohl jeden Kenner 
zur Bewunderung hinreißen müß. Dle Firma Ste/nmeyer und 
Komp. hat sich mit diesem t2l) Werke, daS auS "ihrer Fabrik 
hervorgegangen, auf's Neue ein schönes Denkmal gesetzt, dem 
sich in Kürze noch weitere von bedeutender Größe ä»reihen 
sollen. Wie wir nämlich hören, sollen in genannter Fabrik 
im laufenden Jahre neben minder bedeutenden Werken die 
größeren für die Synagoge zu Nürnberg, die Stutienklrche zu 
Aschaffenburg und die protestantische Kirche zu Trieft zur AuS* 
führung gelangen " 
Balzers, den 18 Fehruar. (Eingesendet) Durch freund- 
liche Einladung von Seite der titl. Kongregation Gutenberg 
wurde letzten Montag, den 16. Februar den Bewohnern von 
BalzerS-MelS ein recht schöner Abend berettet, indem von den 
Schülerinnen genannter Anstalt drei recht gelungene theatralische 
Vorstellungen gegeben wurden,, und wie man vernimmt, werden 
künftigen Dienstag, den 24. Februar die gleichen Stücke zu 
Gunsten der hart bedrängten brandbeschädigten Schaaner wieder 
gegeben werden. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Im deutschen Reichstag spielte, sich bei Arilaß 
der Behandlung über die Diäten an die Abgeordneten em 
Intermezzo ab, das bemerkt zu werden verdient, öbschon eS mjt 
der Sache selbst in keinem direkten Zusammenhang steht LaSktzr 
hatte, wohl offenbar um den ihm in letzter Aeit vielfach ge- 
machten Vorwurf der unbedingten Ergebenheit ün' BiSckarck 
von sich abzuwälzen, davor gewarnt, die Abgötterei mit dim 
Reichskanzler so weit zu treiben, daß man behaupte, die Ber- 
fassung deS deutschen Reiches sei ihm auf den Leib zugeschnitten 
worden. Darauf erwiderte nun Bismarck: „Ich erlaube mir 
deshalb zu konstatiren, daß ich die Ueberzeugung des Abgeord- 
neten LaSker vollkommen theile, daß ich die Art, wie unsere 
Verfassung zu Stande gekommen ist, die Elemente oder vielmehr 
die elementarischen Wirkungen bei ihrem Zustandekommen weit 
hoher anschlage, als das Mitwirken irgend eineS einzelnen 
ManneS, nnd paß es ein schlechtes Kompliment für unsere 
gemeinschaftliche Arbeit, nämlich die bestehende Verfassung wäre, 
wenn ich zugeben wollte, daß ein Kanzler mehr oder wenige 
bei dem Bestehen deS deutschen Reiches und seiner Nationale« 
Fortbildung irgend welchen Unterschied machen könnte." 
Verschiedenes. 
* Preußen. Im jüngsten'Wahlstreite hatte ein schlesifchk 
Blatt den Agenten der Gegenpartei einen „alten Sünder" ge, 
nannt. Dieser nahm die Sache übel nnd klagte gegen das 
Blatt wegen Injurien; allein das Gericht sprach den Ange 
sagten frei, da wir alle Sünder seien und alt sein nicht als 
Schande, sondern vielmehr als Ehre, betrachtet werden dürfe 
„So, so!" sagte der Kläger, alS man ihm die Entscheidung 
eröffnete, „dann seien Sie doch so gefällig, mir das Urthekl nicht 
„im Namen des Kaisers !" sondern im Ramen des „alten 
Sünders" auszufertigen." 
* Wien. Der Gemeinderath von Wien hat beschloffen, 
bei Feststellung der Einrichtung deS neuen zentralen Friedhofes
        

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