Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/30/
schließlich damit beschästigen würde, hinreichend Wasser auf die 
Brändstätte zu liefern, indem auswärtige Hilfsmannschaften in 
der Regel mit der Oertlichkeit eineS fremden Platzes nicht so 
vertraut sind, um alle die größeren oder kleineren Wasservorräthe 
aufzufinden. — 
ES würde unS zu weit führen, wollten wir alle die ein- 
zelnen Leistungen unserer wackeren Nachbarn auS Feldkirch und 
aus der Schweiz besonders hervorheben, doch sei eS uns ver« 
gönnt, ihnen allen an dieser SteAe den gebührenden Dank 
auezusprechen, mit dem ehrenden Zeugnisse, daß sie unS zu 
jeder Zeit, wenn wir von ähnlichen Unglücksfällen betroffen 
wurden, ihre freundnachbarliche Hilfe ohne Verzug geleistet 
haben. Ebenso können wir nicht umhin, mit hoher Achtung 
eineS Mannes zu gedenken, der stets am rechten Platze zu finden 
ist, wenn unser Ländchen von Unglück befallen wird, wir meinen 
unfern geehrten Herrn LandeSverweser von Hausen. Derselbe 
ist schon frühzeitig auf der UnglückSstätte eingetroffen, um wäh 
rend der ganzen Nacht mit rastloser Thätigkeit die entsprechenden 
Anordnungen zu treffen. 
Um auf den Brand selbst wieder zurückzukommen, so hat 
sich derselbe auf die oben angedeuteten 52 Gebäulichkeiten be- 
schränkt, weil eben in der Richtung, welche der Föhnsturm ein- 
gehalten hat, keine weiteren Gegenstände mehr waren, welche 
dem Feuer neue Nahrung geboten hatten, als eine sehr schöne 
und ausgedehnte Obstbaumanlage, welche größtentheils als 
gänzlich ruinirt zu betrachten ist. Bäume in der Entfernung 
von 200 Schritten von den Brandstätten haben noch am Mor- 
gen deS folgenden TageS gebrannt. Als der Tag angebrochen 
war, konnte man auf dem Platze, wo 27 Häuser und 25 Stal- 
hingen standen, nur mehr Mauerkeste entdecken und Schutt- 
Haufen, unter denen das erlöschende Feuer noch fortglimmte. 
Obwohl sämmtliche Gebaulichkeiten im Betrage von 32,000 fi. 
(18,000 fi. bei der adriatischen Versicherungsgesellschaft in 
Triest, 8000 fl bei der allgemeinen Triester Gesellschaft, 130f) fi. 
bei der BaSler, 1300 fi. bei der Leipziger Gesellschaft und 
550 st bei der Tiroler LandeSanstalt) versichert waren, so ist 
doch der reine Schaden bei dem Umstände, daß die Häuser in 
sehr schwachen Summen eingeschrieben wurden, sämmtlicheS 
Mobiliar und Vorräthe nicht versichert waren, nach oberfläch- 
licher Berechnung auf 40 bis 50,000 fi anzunehmen. Die 
Gemeinde Schaan ist somit innerhalb von 25 Jahren von 
3 großen Bränden betroffen worden: 
Der erste im ZaHre 1849, welcher 34 Häuser und 34 Stal« 
lungen, 
der zweite im Jahre 1860, welcher 14 Häuser und 14 Stal 
lungen, 
und der dritte, der heute geschilderte, welcher 27 Häuser 
und 25 Stallungen eingeäschert hat. 
Bedenken wir ferner, daß dieselbe Gemeinde innerhalb deS 
gleichen Zeitraumes 2 Rheinbrüche, in den letzten 2 Jahren 
eine ausgedehnte TyphuSepidemie und gänzliches Fehlen von 
Obst und Wein zu bestehen hatte, daß sie gegenwärtig, wie 
alle Rheingemeinden, mit enormen Wuhrlasten beladen ist, daß 
endlich die vom Brande Betroffenen durchschnittlich Leute sind, 
die sich gerade von dem erhalten, waS sie dem Boden für sich 
abringen, so müssen wir daS neue Unglück der von Schicksals- 
schlügen ermatteten Gemeinde als ein sehr schweres und nach- 
haltiges bezeichnen. Die Anzahl der obdachlos gewordenen 
Personen, die sozusagen nichts als das nackte Leben gerettet 
haben, beläuft sich auf ungefähr 100. 
Indem wir unfern Lesern diesen Sachverhalt vor Augen 
fübren, appelliren wir endlich an ihr christliches Mitgefühl 
und ihren werkthätigen WohlthätigkeitSsinn. 
Baduz, 17. Februar. Soeben vernehmen wir, daß unsere 
Regierung schon heute die OrtSvorstände sämmtlicher Gemein 
den deS Fürstenthums aufgefordert hat, unverzüglich eine Gamm- 
lung von Liebesgaben für die Brandbeschädigten in Schaan zu 
veranstalten. Indem wir dieses rasche Vorgehen der fürstl. 
Regierung lebhaft begrüßen, hoffen wir daß da» Gefühl „Wohl 
zu thun", daS ja in jedem guten Menschen schlummert, bei un- 
fem Landsleuten sich kräftig entfalten wird Ferner können 
wir mittheilen, daß Herr LandeSverweser von Hausen Seine 
Durchlaucht den LandeSsürsten sogleich von dem Brandunglücke 
in Schaan telegraphisch in Kenntniß gesetzt und heute schon 
auf dem gleichen Wege folgende Rückantwort erhalten hat: 
DaS Unglück bedauernd ermächtige ich Sie sofort daS 
Notwendigste zur Linderung zu veranlassen. 
Erwarte Bericht. Johann. 
— In Schaan hat sich gestern AbmdS bereits ein HülfS- 
komite für die Brandbeschävigten aus folgenden Mitgliedern 
gebildet, die Herren: Pfarrer de Castelberg, LandeS-Thierarzt 
Wanger, Ferd. Walser, Postmeister Wächter, Johann Schlegel, 
Lehrer Seeger. 
Baduz, 18. Febr. Donnerstag den 12., Sonntag 15. 
und Dienstag 17. d. gaben die Schüler der hiesigen Landes- 
schule im großen Saale deS Gasthauses von Hrn. Kirchthaler 
2 Theaterstücke: „Der Befreite" und „Der Doktor und fein 
Diener" zum Besten, Die jungen Leute haben ihre Rollen 
recht brav gegeben. ES fand dies auch allgemeine Anerken- 
nung; umfomehr, als man bei diesen Produktionen nicht nur 
daS unterhaltende Element für daS zuschauende Publikum, 
sondern auch den belehrenden und bildenden Einfluß auf die 
jungen Leute selbst in Betracht ziehen mußte. ES ist daS 
Theater gerade für derartige junge Leute eine vortreffliche Vor- 
schule deS freieren BewegenS und Auftretens im späteren Bür- 
ger- und Gemeindeleben, und ist auch daher diese Leistung der 
LandeSschüler doppelt anzuerkennen. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Der deutsche. Reichstag hat bereits seine 
Thätigkeit begonnen. Der frühere Präsident Simson, der von 
allen Parteien geachtet bisher in allen deutschen Parlamenten 
ununterbrochen daö Amt deS ersten Präsidenten bekleidete, hat 
die Wiederwahl gesundheitshalber und wegen feines vorge- 
schrittenen Alters abgelehnt. An dessen Stelle wurde nun fast 
einstimmig der frühere Präsident deS Abgeordnetenhauses v. 
Forkenbeck gewählt. Die diesjährige ReichStagSsession dürfte 
kaum besonders lang werden, da nur die beiden neuen Vor- 
lagen: Preßgesetz und Militärgesetz eine längere Behandlung 
benöthigen werden. 
Oesterreich. Der Kaiser von Oesterreich ist am 11. d. 
nach St. Petersburg abgereist. Die Blatter der Hauptstadt 
haben bereits ihre Ansichten über die Bedeutung dieser Reise 
nach Rußland ausgesprochen. Etwas besonderes ist dabei nicht 
zu Tage gebracht worden, denn im allgemeinen lauft die Mei- 
nung der Blätter darauf hinaus: daß, da .nach der furchtbaren 
wirtschaftlichen KrisiS, die Oesterreich durchzumachen hatte, die 
Erkenntniß sich Geltung verschaffe, daß Oesterreich Frieden und 
Freundschaft mit seinen Nachbarstaaten halten müsse, die Reise 
deS Kaisers nur dazu beitragen könne, diese guten Beziehungen 
zu befestigen, und zweitens fei dieselbe eine höfliche Erwiedernng 
deS Besuches des russichen Kaisers in Wien gelegentlich der 
Weltausstellung Den ersten Punkt betreffend fügt die „Presse" 
bei: „Nur eine selbstsüchtige Parteipolitik kann dieS verkennen, 
und nur diejenigen, welche um keinen Preis der Entwicklung 
unseres Verfassungslebens die Vorbedingung völliger äußerer 
Ruhe gönnen möchten, können der Kaiserreise nach St. PeterS- 
bürg ihre hochpolitische Bedeutung absprechen. — Der neuer- 
liche Beweis kaiserlicher Fürsorge den mißlichen wirtschaftlichen 
Verhältnissen gegenüber, der in dem gestern publizirten aller- 
höchsten Handschreiben an den Minister-Präsidenten niedergelegt 
ist, wird nahezu von allen Journalen dahin gedeutet, daß der
        

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