Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/28/
28 
Herdfeuer mußte durch die innere Glnth der Jungfer Hnldebrand 
noch, angefacht-worden" sein, denn der Braten brannte ihr an, der 
Pudding verkochte, der Blumenkohl zerging und die Saucen wurden 
schwarz — kurz, es war in der Küche nicht mehr zum Aushalten. 
Ad' dieses Abstoßen und Anziehen, dies Aus- und Nieder- 
wogen des Empfindens sollte aber in den Hintergrund traten vor 
einem Ereignisse, das jetzt in der Folge eines Geldbriefes eintrat. 
Die Gräfin erhielt nämlich ihr Geld aus Innsbruck zurück 
mit dem Bemerken, daß die betreffende Summe für Friedrich Pe« 
. retti schon gezahlt sei. Bevor man sich von diesem Staunen er- 
holt hatte, benachrichtigte auch der Polizeikommissär die Gräfin, 
daß unter verdächtigen Umständen eine gleichhohe Summe, als 
die vermißte, per Post nach Innsbruck geschickt worden sei. Bald 
war die. Waschfrau als die Aufgeberin des Briefes ausfindig ge- 
macht und die Spur leitete und fand ihr Ende bei Lisette, als 
der Diebin der fehlenden Summe. 
Das völlig vernichtete Mädchen, das seit dem Tage ihres 
Verbrechens schon die Qualen der Hölle ausgestanden hatte, ge« 
stand jetzt der Gräfin alles offen ein. Ihre schon lang genährte 
leidenschaftliche Liebe zu dem Jäger, die Angst in zu verlieren, 
die Eisersucht und Verzweiflung über die Absicht der Köchin, 
endlich den in der Fieberhitze all' dieser Leidenschaften begangenen 
Diebstahl und die Verwendung der betreffenden Summe. 
Der Gräfin regten sich in ihrem Inneren Gefühle, von denen 
sich die kühle, stets, abgemessene Dame gar keine Rechenschaft 
geben konnte. Sie sah auf das Mädchen, dann lange Zeit starr 
aus die Blumen des Teppiches, sie führte das Battisttaschentuch 
zu ihren»Munde und verstohlen höher hinauf zu oen Augen und 
fand keine Worte. 
Längst begrabene Bilder aus ihrer farbeglühenden goldenen 
Jugend- und Blütheuzeit tauchten in ihrem Herzen auf, sie hatte 
selbst leidenschaftlich und unglücklich geliebt — und hier sollte die 
unbarmherzige entehrende Hand des Gesängnißschließers all' die 
schönen Blüthen kalt und eisern nieverdrücken! Die Gräfin fand 
noch immer keine Worte vor der Diebin. Der Diebstahl an sich 
flößte ihr den tiefsten Abscheu ein, aber wenn sie sich vergegen 
wärtigte, warum er ausgeführt worden war, so that das Mäd 
chen ihr leid. Sie schaute Lisetten an und wieder auf die Erde. 
„Wird sie nicht untergehen, wirklich schlecht werden.,-mi Zucht- 
Haus?" sprach eine Stimme in ihr 
... Das Taschentuch der Gräfin fuhr jetzt ungenirt hinauf zu den 
Augen und blieb dort lange Zeit. -- „O! könnte ich dich noch 
retten, armes Kind!" preßte die alte Dame endlich hervor. — 
^Vielleicht geht es doch noch, vielleicht, vielleicht!" rief sie dann 
gesammelter aus und klingelte eilig nach ihrem Wagen. 
Gräfin Skjöland fuhr sofort zum Polizeipräsidenten. Sie 
hatte eine lange Unterredung mit dem wohldenkenden Mann, stieg 
aber tiesernst in den Wagen und schritt, wieder zu Hause ange- 
kommen, mit düsteren Blicken und lange Zeit schweigsam durch 
ihre kostbaren Gemächer. 
Die Gräfin hatte bei dem Präsidenten nichts ausrichten kön- 
nen. Die Sacke war einmal zur Keuutuiß der Behörde gelangt 
und mußte jetzt den Weg des Rechts gehen. 
Lisette wie auch Friedrich den man im Verdacht hatte, bei 
dem Verbrechen mitschuldig zu sein, wutzdeu in Verhqst genommen. 
In der Voruntersuchung schon ergab sich die gänzliche Schuldlos 
figkeit des Jägers und er wurde sofort entlassen. Der Verthei- 
biger LisettenS aber wünschte bei der Verhandlung Friedrichs Ge- 
genwart unter irgend einem Vorwande, um auf die Geschworenen 
zu wirken. Der Jäger erschien und selten hat wohl eine er- 
greisendere Sceue stattgefunden, als wie Friedrich dem so heißge- 
liebten Mädchen vor den Schranken des Gerichts entgegentrat; 
der starke, große Mann brach in ein erschütterndes Weinen aus. 
Für alles übrige taub konnte er nur hervorschluchzen, indem er 
aufrecht gehalten werden mußte: „Also sy hast du mich geliebt 
— gestohlen — deshalb gestohlen!" — Selbst die Richter nah 
men ihre ganze Kraft zusammen, um nicht von dieser Situation 
mitergriffen zu werden. 
Lisette wußte sich eine eigcnthümliche Ruhe zu erhalten. Ihre 
Augen schimmerten noch matter als früher, ihr feines, zartes Ge- 
sicht zeigte nicht eine Spur mehr von Blut und Leben. Sie 
machte den Eindruck, als ob jedes Fühlen und Denken in ihr er- 
starrt Wäre; nur als Friedrich in den Saal geführt wurde leuch 
teten ihre Augen mit dem alten feurigen Aufschlag und in unend- 
lich freudiger Liebe auf den Mann hin, von dessen Neigung sie 
schon längst überzeugt war. 
(Schluß folgt.) • 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Amtliche Anzeigen. 
Ed i k t. 
Von dem fürstl. Landgerichte wird hiemit bekannt gemacht, 
daß auf Ansuchen deS Hrn. I Jos. Gohm in Feldkirch, durch 
Hrn. Chr. Wanger in Schaan gegen Johann Barbier Nr. 
110 alt von Triefen wegen schuldigen 359 fl. 45 kr. sammt 
ZinS seit 1. Mai 1872 und Kosten per 8 fl. 85 kr., die exe- 
kutive Versteigerung der schuldnerischen Realitäten, akS: 
DaS HauS Nr. 110 in Triefen, geschätzt auf 2000 fl. 
TrS. B. 1 Fol. 594, „ 100 fl. 
F B. 1 Fol. 596, „ „ 110 fl, 
bewilligt und die Termine auf den 16., 23. dies und 2 
k Mtö. Nachm. 3 Uhr festgesetzt wurden. 
Kauflustige haben sich daher an den genannten Tagen bei 
dem OrtSvorstand in Triefen einzufinden, welcher die Lizita- 
tionSbedingnifse bekannt geben und die Versteigerung im dritten 
Termine nothigenfalls selbst unter der Schätzung vornehmen 
wird. 
Vaduz, den 3 Februar 1374. 
Fürst Liechtensteinisches Landgericht. 
- Keßler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 6. Februar. 
Der halbe Metzen 
Korn 
Roggen 
Gerste 
Türken 
Hafer 
beste 
mittlere 
geringe 
fl 
fr. 
1 fl 
kr. 
fl. kr 
4 
50 
1 4 
40 
4 
30 
3 
50 
1 3 
40 
3 
30 
2 
90 
- 2 
80 
2 
70 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
1 
80 
1 1 
70 
1 
60 
Thermometerstand nach Reaumnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Febr. 
4 
- % 
+ 2% 
-f- 2 
bedeckt. 
n 
5. 
— 3 
+1 
~ t% 
hell. 
w 
6. 
- 3 
+ i% 
- 2 
n 
# 
7. 
— 1 
+ 3 3 / 4 
- 1V 2 

w 
8 
- 3V 4 
+ 1 % 

halb hell; Abb. Sch 
0 
9 
— 3 
- Vi 

trüb, Schnee 
n 
10. 
— 3 
- 3'/ 2 
~~ 6 3 /4 
„ ; Schneesturm 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
11. Februar Silber . . . . . . . . . . 106.35 
20-Frankenstücke . 9.— 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.