Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/206/
206 
Al. Schlegel, Joh. Schlegel und den Präsidenten Dr. 
Schlegel) abgelehnt. 
7. Ein fernerer Antrag des Slbg. Wanger über Revision 
des ZivilgesetzeS, Strafgesetzes, Strafverfahrens ic. wird von 
demselben vMefen^ 
^Präsident erwähnt, daß der Antrag etwas lang sei, 
worauf Kanger noch nähere Erläuterungen darüber abgibt. 
Dr. Schädler ist im Allgemeinen mitWangerS Antrag 
tinverstanden, stellt jedoch einen enger begrenzten Antrag, 
welcher wie folgt lautet: 
„In Erwägung, daß im Fürstenthnm Liechtenstein 
„noch das geheime, inquisitorische Strafverfahren vom 
„Jahre 1803 gilt; 
„in Erwägung, daß in allen deutschen Staaten und 
„in Oesterreich das öffentliche und mündliche Verfahren 
„eingeführt ist, 
„wird die fürstl. Regierung ersucht dem nächsten 
„Landtage einen Gesetzentwurf über daS Einführen deS 
„öffentlichen und mündlichen Strafverfahrens vorzulegen." 
Keßler spricht sich für den Antrag SchädlerS aus und 
ersucht Wanger deshalb seinen Antrag zurück zu ziehen, waS 
auch geschieht. 
Hierauf wird SchädlerS Antrag einstimmig unterstützt und 
angenommen. 
3. Gegenstand. 
Berathung und Beschlußfassung bezüglich Subvention we- 
gen Hebung der Rheinbrücken. 
ES ergreift hierüber niemand das Wort und der im dies- 
bezüglichen Referate enthaltene Kommissionsantrag kommt zur 
Abstimmung, derselbe lautet: 
„Den Gemeinden BalzerS und Vaduz, sowie der 
„Brückenbaugesellschaft Bendern und ferner nachträglich 
„der Gemeinde Schaan einen Unterstützungsbeitrag von 
„1000 fl. aus der Landeskasse gegen dem zuzusichern, daß 
„die Brückenhebung von den baupflichtigen Korporativ- 
„nen in der durch die beiderseitigen Regierungen zu ver- 
„einbarenden Weise noch vor Eintritt der nächstjährigen 
„Hochwässer realisirt werde." 
Dieser Antrag wird einstimmig zum Beschluß erhoben. 
4. Gegenstand. 
Berathung und Beschlußfassung für Zinsensubvention für 
die zu machenden Anlehen von Rheingemeinden. 
Der im diesbezüglichen Kommissionsberichte enthaltene 
Antrag gelangt nach Abgabe einiger Aufschlüsse durch den 
Referenten unverändert und einstimmig zur Annahme. 
5. Gegenstand. 
Wahl deS Landesausschusses. Als LandeSauSfchußmitglie- 
der wurden gewählt: Keßler und Rheinberger; als Ersatzmann 
Dr. Schädler. 
6. Gegenstand. 
Prüfung der LandtagSrechnung durch die Abgeordneten 
Kind, Marxer und Keßler. Dieselbe wird richtig befunden 
und mit 41 7 fl. 52 kr. einstimmig genehmigt. 
Nach Erschöpfung der Tagesordnung wird das gegen- 
wärtige SitzungSprotokoll verlesen und ebenfalls einstimmig als 
richtig befunden. 
Mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Durchlaucht, in 
welches sämmtliche Abgeordnete vom Präsidenten aufgefordert 
einstimmten — um ihrer Loyalität AuSdruck zu geben — 
wurde der Landtag geschlossen. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
36. Die Freiherren v. Brandis. Der „Bund ob 
dem See." 
(Fortsetzung.) 
In ganz anderen Verhältnissen zu ihren Herren lebten die 
Feldkircher. Seit ihrem Beitritte zum Bunde mußten sie Tag 
und Nacht gegenüber der österreichischen Besatzung in der 
Schattenburg auf der Hut sein. Zuletzt belagerten sie die 
letztere förmlich und die Bundesgenossen leisteten ihnen Hilfe. 
Die Büchsen und Blinden wurden ob und hinter der Burg 
aufgestellt und arbeiteten so wirksam, daß die Besatzung zu 
unterhandeln begehrte. Die Beste wurde übergeben und die 
Insassen derselben unter der Bedingung freigelassen, daß- sie 
einen Eid schwören, sich wegen veS Vorgefallenen an Nieman« 
den zu rächen. (1406) Die Glieder des „Bundes ob dem See" 
verlegten sich nun besonders auf das Zerstören von Burgen, 
weil diese ihren verhaßten Herrn Schutz boten So brachen 
die Leute am Eschnerberg die Burgen Alt- u. Neuschellenberg 
und gaben sie den Flammen Preis. Die Leute in Wallgau thaten 
ein Gleiches: Jagdberg, Blumenegg, Ramschwag u. PürS wur 
den gebrochen u verbrannt. Später trafTosterS u. Alt-Montfort 
baS gleiche Schicksal, auch Alt- u. Neuems wurden gebrochen u. 
geplündert. Nicht wenig Sorgen machte es dem Bunde, daß 
Graf Wilhelm v. Montsort-Bregenz sich mit Oesterreich ver- 
bündete. Der mit dem Grafen geführte Krieg war jedoch 
dem Bunde günstig und das Kriegsvolk desselben wagte jetzt 
Streifzüge bis ins Tirol und Allgäu. Herzog Friedrich von 
Oesterreich sah sich gezwungen einen Waffenstillstand zu schlie 
ßen. Dieser war jedoch nicht von langer Dauer, denn schon 
im Mai 1407 begannen die Feindseligkeiten von Neuem. Im 
Oktober genannten JahreS begann der Bund die Belagerung 
von Bregenz. Der gluckliche Ausgang derselben hätte einen 
der gefährlichsten Feinde den Grafen v. Bregenz besiegt. AlS 
der Adelsbund in Schwaben die Gefahr erfuhr, in welcher 
der Graf schwebte, sandte er Hilfe. In einer Stärke von 
8000 Mann rückte das KriegSvolk der schwäbischen Ritter, 
unter denen auch Ulrich v. Brandis erscheint, zum Entsätze 
von Bregenz heran Nachdem eine Frau von Bregenz Na- 
menS Gutta die Anschläge und die Stellung d?r Belagerer 
ausgekundschaftet hatte, Überstelen die Ritter bei starkem Ne- 
del die Appenzeller und ihre Verbündeten, schlugen sie in die 
Flucht und erbeuteten fämmtlicheö Belagerungsmatenal (13. 
Jan. 1408). Das gab dem „Bunde ob dem See" den To- 
devstoß. Der Adel wandte sich an den Kaiser Ruprecht, wel- 
cher zur Schlichtung deS Streites nach Konstanz kam. Der 
Kaiser vermittelte den Frieden und brachte ihn nach langen 
Unterhandlungen zu Stande (11. April 1408). Der Bund ob 
dem See wurde aufgelöst und die Unterthanen sollten ihren 
Herren unverzüglich wieder gehorchen. Dagegen dürfen die zer- 
störten Burgen ohne besondere kais. Erlaubniß nicht wieder auf- 
gebaut werden, auch sollen die Herrn ihre Leute wegen deS 
Geschehenen nicht. strafen dürfen. So endigte der dreijährige 
Aufstand. Es war eine Lehre für die Herrn und das Volk. 
Jene mahnte daS Erlebte ihre Unterthanen menschlicher zu 
behandeln, diesen zeigte der Ausgang, daß Revolution nie bau- 
ernden Erfolg und dauerndes Glück bringt. 
„So kehrte auch der Frieden in den Eschnerberg und die 
Nachbarschaft zurück. Niemand aber freute sich mehr über den 
Frieden als die Pludenzer. „„Sie schickten alsobald nach ihrem 
alten Herrn u. seiner Gemahlin in RothenfelS und führten ihn 
ehrlich und mit großer Freude wieder gen Pludenz in sein 
Schloß und schenkten ihm Rindfleisch, KäS und Schmalz 
daß er wieder anfing hausen und hielten ihn wohl."" ' 
(Fortsetzung folgt.)
        

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