Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/194/
I 
1. Für neue Bauten 
Fr. 265,000 
2. 
tf 
bestehende Bauten 
„ 24,600 
3. 
it 
Dammbauten 
„ 33,400 
4. 
tt 
Inventar 
„ 8,000 
5. 
tt 
Bauleitungen 
„ 7,500 
6. 
n 
Verwaltung 
„ 20,000 
7. 
n 
Kommissionen 
1,000 


Summa Fr. 360,000 
Von den für daS Unternehmen vorgesehenen 8% Millio- 
nen bleiben nunmehr nur noch Fr. 58,000 übrig, weßhalb sich 
auch der Bauantrag^innerhalb der Grenze des unerläßlich Ge- 
botenen bewegte. 
Vaduz, den 28. Nov. (Unglücksfall.) Heute fand Ka- 
tharina Hammerle von Dornbirn, ledige Arbeiterin in der Ro- 
senthal'schen Fabrik, auf eine schreckliche Weise ihren Tod. 
Dieselbe wollte, wie man erzählt, in dem zur Fabrik gehörigen 
Wasserhause ein eben benütztes Kaffeegefäß ausspülen, wobei 
sie auf dem mit EiS bedeckten Stege ausglitschte und ins 
Wasser fiel; hier scheint sie von dem großen Wasserrade erfaßt 
und zwischen diesem und dem Boden des Wasserhauseö erdrückt 
worden zu sein. Die^Leiche, welche man bald darauf heraus- 
zog, soll auf eine gräßliche Weise verstümmelt worden sein. 
Wie man vernimmt, soll übrigens von Seite der Direktion 
der Rosenthal'schen Fabrik seit längerer Zeit ein Verbot be- 
stehen, welches vor dem Betreten des Wasserhauses warnt. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Der deutsche Reichstag beschäftigt sich 
seit dem 24. Nov. mit der Berathung der Reichsjustizgesetze. 
Justizminister Leonhard leitet die Debatte mit einer Skizzirung 
des Gesetzes über das Gerichtsverfahren ein, bei welchem die 
von der Reichsverfassung gesteckten Gränzen einzuhalten waren, 
empfahl die gesammten Justizgesetze alS ein sestgeschlosseneS 
System bildendes Ganze, und hob hervor daß die Aufstellung 
der Gesetzentwürfe zu den größten Aufgaben der Gesetzgebung 
gehöre und deren Berathung die höchste Hingebung des Reichs 
tags beanspruche. Die Gesetze, seien weder vollendet noch ent- 
halten sie das Möglichst- und Befterreichbare, denn eS habe 
wohlberechtigten Faktoren Rechnung getragen werden müssen. 
„Aber" — schloß der Redner — „verschmähen cie nicht daS 
Gute wegen des Bessern und üben Sie Resignation; denn 
nur dann kann ein großes Werk gelingen." 
In der Sitzung v. 23. Nov. hat der Reichstag dem Bei- 
spiel deS BundeSraths folgend, durch einstimmige Annahme deS 
Berner Postvereinsvertrags der ReichSregierung und durch den 
Mund MiquelS namentlich dem Generalpostdirektor Stephan 
seine besondere Anerkennung für die glückliche Initiative kund- 
gegeben, welche daS junge Deutsche Reich im Interesse der 
Einheit deS Weltpostverkehrs ergriffen hat. Auf die Bedeutung 
deS Vertrags wies Hr. Stephan in kurzen Worten hin, indem 
er mit der ihm eigenen Herrschaft über die Statistik anführte: 
daß der Verein, selbst wenn die französische Republik es ihren 
Interessen entsprechend finden werde dem Vertrag nicht beizu- 
treten, stch dennoch auf ein Gebiet von mehr als 700,000 
Quadratmeilen mit etwa 300 Millionen. Einwohner und einem 
täglichen Briefpostverkehr von etwa 124 Millionen Briefen 
erstrecken werde. 
Die diplomatische Vorgeschichte des Berner PostvereinS- 
Vertrags gibt einen sehr interessanten Beitrag zur Entscheidung 
der Frage: ob die deutsche Regierung den Ausbruch deS deutsch- 
französischen Kriegs im Jahre 1870 vorhergesehen, vielleicht 
gar provocirt habe. Die ersten Einleitungen zur Berufung 
eines internationalen PostkongresseS datiren vom Frühjahr 
1869, und war Frankreich die Initiative nahe gelegt und die 
Berufung deS Kongresses nach Paris beantragt worden. Die 
französische Regierung zögerte. Nach Jahresfrist wurde von 
Seiten des Norddeutschen Bundes daS Projekt wieder aufge 
nommen, und am 6. Juni 1870 ward der deutsche Botschafter 
in Paris beauftragt der französischen Regierung die dringend- 
sten Vorstellungen zu machen um sie zur baldigen Einberufung 
deS Kongresses zu bestimmen. Genau einen Monat später, 
am 6. Juli 1870, erfolgte die bekannte Erklärung deS Her- 
zogS v. Gramont im Corps lögislatif, welche den Krieg un- 
vermeidlich machte. Wenn eS daS Berliner Kabmet gewesen 
wäre, welches nach dem Vorwande zuni Uebersatt Frankreichs 
suchte, so würde eS sicherlich seinen Botschafter in Paris mit 
so unausführbaren Instruktionen verschont haben. 
Oesterreich Eine Erklärung des HandelSministerS, welche 
derselbe in der Sitzung deS Abgeordnetenhauses v. 24 Nov. 
abgab, besagt, die Regierung könne aus finanziellen Gründen 
vorderhand neue Eisenbahn-Vorlagen nicht machen, die Regierung 
sei beschäftigt mit Ausarbeitung eines Entwurfes über die in 
den nächsten Jahren zu erbauenden Linien; dieser Entwurf 
werde noch im Jahre 1875 vorgelegt werden mit Anträgen, 
welche der projektiven Linien zuerst zu erbauen seien. 
— Die Subskriptionen für die Nordpolfahrer haben in Wien 
eine Summe ergeben, welche den glühenden Enthusiasmus schon 
als stark abgekühlt erscheinen laßt. — Alles in Allem etwas 
über 35,000 Gulden. Auf die Matrosen entfalle» davon nur 
je 500 Gulden; doch sind einzelne davon höher bedacht. Die 
Offiziere erhalten je 5000, refp. 3000 Gulden. 
Schweiz. Der große Rath von St. Gallen genehmigte 
bei der Berathung der VerfassungSrevision den Antrag der 
Kommissionsmehrheit betreffend die Glaubens- und Gewissens- 
freiheit, die freie Ausübung des Gottesdienstes, die überaus- 
sicht des Staates über die Religionsgenossenschaften, über die 
Kirchengüter und die konfessionellen Centralsonds und die 
Wahl der Geistlichen. 
Frankreich. Man beschäftigt sich in den französischen 
politischen Kreisen fortgesetzt mit den letzten Gemeindewahlen 
und mit der Wiedereröffnung der Nationalversammlung, die 
in wenigen Tagen stattfinden wird. Was erstere betrifft, so 
erklären sich die Radikalen sowie die Konservativen vollkom- 
men zufriedengestellt. Die Republikaner weifen auf die Reful- 
täte hin, die in großen Städten erzielt worden sind, und sagen 
mit voller Berechtigung, daß in allen intellektuellen Mittel- 
punkten Frankreichs die Opposition einen vollständigen Sieg 
davon getragen habe. Die Konservativen auf der andern Seite 
sprechen mit Verachtung und Entrüstung von diesen „GeburtS- 
stätten unverbesserlicher Korruption", und rühmen die Wah- 
len der Landbevölkerung, des „unverdorbenen und starken 
Theils deS französischen Volkes", welche im Allgemeinen zu 
Gunsten der konservativen Partei ausgefallen sind. Die Fran- 
zosen haben wirklich ein großes Geschick einem jeden Ergebniß 
die gute Seite abzugewinnen. Nach vielen französischen Zei- 
tungen zu urtheilen, sollte man wirklich meinen, daß die 
heutige Lage der Dinge, wenn schon dieselbe vielleicht einiges 
zu wünschen übrig lasse, doch jedenfalls zu den schönsten 
Hoffnungen berechtige. Die Septennalisten sagen: „Gebt dem 
Marschall Mac-Mahon nur eine Konstitution, und wir garan- 
tiren euch Ruhe und Ordnung, Wiederaufblühen des Handels 
und des Reichthums, Reorganisation der Armee und die voll- 
ständige Rehabilitirung Frankreichs in den Augen von Europa." 
So hat jede politische Partei hier ihr eigenthümlicheS spezifi 
sches Heilmitttel gegen die augenblicklichen Leiden des Landes. 
Diese Mittel heißen bei den einen: Anerkennung der Repu- 
blick, bei den anderen: Restauration der legitimen Monarchie 
oder Einsetzung Napoleons IV. auf den Thron feines Va- 
terS. Am wahrscheinlichsten scheint eS noch, daß das eigensin- 
nige, kranke Land jede Medizin zurückweisen und noch längere 
Zeit in dem unbehaglichen Zustande fortleben wird, dem eS 
stch seit drei Jahren trotz aller Bemühungen nicht entreißen 
kann. 
Italien. Auch Italien sollte seine KrisiS, oder wie man
        

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