Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/189/
Liechtensteinische 
Zweiter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Nr. 48. 
den 27. November 1874. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. &U; kostet für daS Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. sammt 
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werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
32. Die Grafen von Vaduz. 
(Fortsetzung.) 
Hartmann der jüngste der Brüder trat in den Orden'der 
Johanniter und seine beiden andern Brüder versprachen ihm 
jährlich 25 Pfund Konstanzermünz vom Zoll zu Vaduz zu 
geben (1360). Zu gleicher Zeit verwickelten sich die beiden 
Rachbarn und Vettern, der Gras von Vaduz, die Grafen von 
Feldkirch und von Werdenberg in eine heftige Fehde, deren 
Anlaß Erbansprüche gegeben hatten. Rudolf von Feldkirch 
brach mit 1500 Mann zu Fuß und zu Pferd und 15 Wagen 
in die- Grafschaft Merdenberg ein. GrabS ging in FlMMen 
auf, 40 Edle wurden gefangen, viele getödtet, andere kamen 
in den Flammen um. Buchs wurde genommen, AlleS ge- 
plündert und verwüstet. Rudolf und Heiurich von Vaduz 
nahmen zwar keinen Antheil an der Fehde, sahen jedoch von 
ihrer Burg auS daS Unglück, welches ihren Stammverwand- 
ten in Werdenberg begegnete. 'Schon 1365 treffen wir Ulrich 
von Feldkirch, den Sohn Rudolfs, wieder in Fehde und zwar 
mit Konrad von Freiberg bei Mömlingen. Diesmal nahm 
auch Rudolf von Vaduz Antheil. Er wurde gefangen aber 
durch einen neuen Einfall des FeldkircherS befreit. Darauf zog 
Heinrich mit Ulrich von Feldkirch nach Jerusalem und beide 
starben auf ihrer Reise zu RhoduS (1367). Nun war Heinrich 
alleiniger Besitzer der Grafschaft Vaduz. Dazu eröffnete sich 
ihm noch die Aussicht Erbe der ausgedehnten Grafschaft Feld- 
kirch zu werden. Er war nämlich der SchwesterSsohn deS 
Grafen Rudolf IV. v. Feldkirch, den nllr mehr ein Sohn über- 
lebte, nämlich Rudolf V. Die Ehe des Letztern war 
ebenfalls kinderlos geblieben. Deshalb setzte er durch Urkunde 
von 1375 seinen Vetter den Grafen Heinrich v. Vaduz zum 
Erben ein, behielt sich aber merkwürdigerweise daS Recht vor 
die Herrschaft zu verkaufen und so daS Testament zu annul- 
liren. Von diesem Vorbehalte machte er schon nach einem 
Monate Gebrauchs, verkaufte seine Besitzungen für 30,009 st. 
an die Herzoge von Oesterreich. Da die Herzoge die bedun- 
genen Zahlungsfristen nicht einhielten, so fetzre Rudolf seinen 
Vetter in Vaduz 1377 in aller RechtSform wieder zum Erben 
ein. Dieser konnte ihm jedoch in Bezug auf seine Schulden 
und Geldverlegenheiten nicht die gewünschten Dienste leisten 
und so verkaufte er Ende 1377 seine Herrschaft nochmals an 
Oesterreich. Er blieb zwar bis zu seinem Tode im Genüsse 
seiner Güter und Rechte, seine Untherthanen mußten jedoch 
Oestereeich bedingungsweise huldigen. Rudolf starb 1390, 
nachdem er das Kloster Valduna gestiftet und der Stadt Feld 
kirch viele Freiheiten gewährt hatte. Die Güter, welche nicht 
iG Kaufvertrage mit Oesterreich - erwähnt waren, theilten die 
Verwandten unter sich Heinrich von Vaduz erhielt die Burg 
Jadgberg, die Güter am Eschnerberg und zu Gallmist, sowie 
die Vogtei in Vallentschinen. Er vermählte sich 1386 mit 
Katharina von Werdenberg—Heiligenberg der Gemahlin deS 
Grafen Diethelm v. Toggenburg Wegen derselben stiftete er 
den St. Katharinaaltar in der Kirche in Vaduz. 
(Fortsetzung folgt.) 
Vaduz, den 24. November. Die vergangene Woche war 
eine ungewöhnlich stürmische. Im Hochgebirge ein sehr starker 
Schneefall, bei unS im Thale Regen, Schnee, der kalte BoreaS 
und sogar Donner und Blitz. Die gefürchteten starken No- 
Mnb erstürme auf Dem Meere und an, den Meeresküsten schei 
nen sich stark nach derWtte deS Kontinentesverlaufin zu 
haben. Der Continent war um so empfindlicher, als eine 
lange Reihe wunderschöner Herbsttage unS fast zu sehr mit 
angenehmen Luftströmungen und warmen hellen Sonnen strah- 
len verwöhnt hatte. Der Schneefall im Hochgebirge war vorige 
Woche ein ungemein starker. Der Arlberg«, Gotthard-, Sim- 
plon-Paß waren einige Tage für die postalischen Verbindungen 
nicht aangbar. Ein Kondukteur, welcher am Gotthard mit 
dem Postfelleisen, die Correspondenzen enthaltend, zu Fuß durch- 
zukommen versuchte, hat oberhalb der Tremolaschlucht in treuer 
Ausübung seiner HerufSpflicht durch eine Lawine sein Leben 
verloren. Bei unS war die Passage zwischen dem TrieSner- 
berge und dem Berger Melbane auch einige Tage unterbrochen, 
so zwar, daß erst letzter Tage nach strenger Wegarbeit die 
Leute wieder die Bahn offen brachten. Im Berger-Melben 
soll 6—7 Fuß Schnee liegen, einige Tage soll das Vieh mit 
geschmolzenem Schnee getränkt worden sein, da Brunnen und 
Quellen völlig zugedeckt waren. 
Seit gestern und heute haben günstigere Windströmungen 
und der wachsende Vollmond die düsteren Schnee- und Sturm- 
wölken fortgejagt .und dÄ Bild einer wunderschönen Winter- 
landschaft in unsere Berge gebracht. Selbst die schroffen fel- 
stgen „drei Schwestern" und „die rauhen Berge" hinter der 
„Mittagsspitze" haben den weißen Schneemantel breit über 
sich gezogen und sehen majestätisch in ihrem seltenen Gewände 
ins Thal herunter. — Donner und Blitz im November sollen 
ein günstiges Jahr prophezeien, und so wollen wir mit der 
Tendenz: „wir hoffen daS Beste" auS dieser üblichen Kalender- 
regel für daS kommende Jahr eine glückliche Prophezeiung her- 
auslesen. 
Vaduz, den 25. November. Eine sehr bemerkenSwerthe 
Idee, die letzthin im Bündner Tagblatt aufgetaucht ist, macht 
gegenwartig die Runde durch fämmtliche Schweizerblätter. Die-
        

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