Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/186/
feit dem 9 Juli 1873 bis 8. November 1874 16.000 Stim 
men, wogegen die Republikaner in demselben Zeitraum um 
7500 Stimmen schwächer wurden. Diese Verstärkung der kon 
servativen Partei ist hauptsächlich den Bonapartisten zu Gute 
gekommen. Wenn man sich an die ersten Sitzungen der Na- 
tionalversammlung in Bordeaux erinnert, in denen die Napo- 
leonische Dynastie deö Thrones für verlustig erklärt wurde, 
wenn man an die leidenschaftlichen ZorneSauSbrüche zurück- 
denkt, mit denen damals ganz Frankreich den Kaiser und seine 
Anhänger für die furchtbaren' Demüthigungen des Krieges 
verantwortlich machte, so ist eS fast unglaublich, daß heute 
bereits wieder nach wenigen kurzen Jahren, und ohne daß dem 
Kaiserthum Gelegenheit geboten wäre, sich zu rehabilitiren, 
der kaiserliche Prinz als ein Prätendent genannt werden kann, 
dessen Aussichten auf schließlichen Erfolg jedenfalls weit besser 
sind, als die seiner Rivalen, des Grafen von Chambord und 
deS Grafen von Paris. Die vollständige Umwälzung in der 
öffentlichen Meinung ist einzig und allein dem Umstände zuzu- 
schreiben, daß Frankreich der provisorischen Regierung, welche 
seit drei Jahren die Geschäfte deS Landes leitet, müve gewor- 
den ist Man würde heute nicht mehr an Napoleon IV. als 
an einen möglichen Herrscher von Frankreich denken, alS man 
unter der Regierung Napoleons III. an die Möglichkeit der 
Restauration der legitimen Monarchie dachte, wenn Frankreich 
bereits wieder eine lebensfähige Regierung besäße So lange 
dies nicht der Fall ist, so lange der sogenannte „Waffenstill- 
stand der Parteien" fortdauert, ist eS gar nicht zu vermeiden, 
daß eine jede politische Partei ihre Bestrebungen um die nid, 
liche Oberherrschaft fortsetzt, und sich in diesem Kampfe, wie 
verzweifelt derselbe auch hie und da erscheinen mag, genügend 
entwickelt, um stark und gefährlich zu werden. Der Bona- 
partiSmuS, welcher am 4. Sept. 1870 beinahe vollständig ver 
nichtet worden war, hat seitdem so außerordentliche Fortschritte 
gemacht, daß seine Freunde wohl berechtigt sind mit vollkom« 
mener Zuversicht von einem endlichen Siege zu sprechen. 
Italien Bis jetzt sind 193 definitive Wahlen bekannt. 
Nachwahlen sind 182 nothwendig. Von den endgültig Ge- 
wählten gehören 78 der Rechten, 13 dem rechten Centrum, 
31 dem Centrum, 19 dem linken Centrum, 50 der Linken an. 
Die Mehrheit der zur engeren Wahl Kommenden gehört der 
gemäßigt liberalen Partei an. 
Spanien. Die „Agence HavaS" meldet unter dem 
12. Nov.: Die Karlisten wurden in einem blutigen Treffen 
geschlagen und gezwungen die Belagerung von Jrun aufzuge- 
den und sich in die Berge zurückzuziehen. Loma besetzte Oyarzun, 
Laserna besetzte Larcamburo. 
Von der Maul- und Klauenseuche. 
(Fortsetzung) 
Besteht die Krankheit des Euters wie vorhin erwähnt, bloß 
in Blasenbildungen an den Strichen, die alSbald aufplatzen 
und trockenen Schorfen Platz machen, so bedarf dieselbe keiner 
weitern Behandlung, als daß man die wunden over mit Schor- 
fen bedeckten Stellen beim Melken möglichst schont, und die 
Striche nach jedesmaligem Melken mit Milchrahm, Eierklar 
und einem Beisatz von rohem Alaun bestreicht. 
Nun gehen wir zur Betrachtung der Klauenseuche über. 
Die gutartige Klauenseuche, wie sie bei uns in der Regel auf- 
zutreten pflegt, besteht anfänglich in einer Entzündung der Fuß- 
enden, der Klauenfpalte, der Ballen nnd der Fleischsohle, wei- 
terhin aber in Blasenbildung, Ausschwitzung von Säuren und 
Lymphe unter die oberste Hautschichte mit LoStrennung der 
Hornsohle 
Die Merkmale demnach, durch die sich das Fußleiden im 
Beginne und so lange sich noch .das Steinleiden. (Entzünd 
ung) vorfindet, ausspricht, sind die nämlichen, die allenthalben 
dieser LeidenSart zukommen und bestehen in höherer Röthe, 
Wärme, verschiedengradigen Anschwellungen, Schmerz und ge- 
störten Verrichtungen der leidenden Stelle, so zwar, daß die 
Thiere entweder hinkend oder nicht gehen, oft kaum auftreten 
können, sondern stets liegen. DaS Fußleiden ruft aber nicht 
selten auch Trübungen in dem übrigen Organismus hervor z. 
B. Wechsel der Temperatur, Störungen in der HautauS- 
dünstung, Struppigwerden der Haare, höhere Röthung der 
sichtlichen Schleimhäute, beschleunigtes, auffallendes Athmen, 
schneller, harter oder weicher Puls, fühl- oder unfühlbarer 
Herzschlag, verlorne Freßlust, viel Durst, Störungen im Wie- 
derkäüen. Verdauen. Entleeren deS Mistes und HarnS, Trau- 
rigkeit und Abgestumpftheit. 
Die Ursache aller dieser Erscheinungen ist aber, wenn sonst 
keine Komplikationen gleichzeitig stattfinden, lediglich in den Lo 
kalaffektionen der Füße und dem damit verbundenen Schmerz 
zu suchen, 5aher denn auch, so bald dieser beschwichtiget ist, 
daS ganze Heer eben angegebener Krankheitserscheinungen in 
den drei Seiten deS Lebens nachlassen und endlich ganz ver- 
gehen wird. 
Aus dem Angeführten erkennt man die leichteste Form der 
Klauenseuche 
Mitunter aber ist eS denn doch auch der Fall, daß die Ent- 
zündung beim einen oder andern Thier, in einem oder mehre- 
ren Fußenden, einen höheren Grad, zumal in den mehr nach 
innen liegenden Gebilden erreicht, dann entsteht Eiterung, die 
auS dem kranken Produkte (Eiter) leicht auSgemittelt "werden 
kann, welcher entweder durch feine weipgelbe Farbe durch die 
Hornwände durchscheinend, oder nachdem er Trennungen zwi- 
schen hornigen und fleischigen Gebilden an der Krone, Ballen 
u. s. f. nach außen erzeugt hat, daselbst nicht zu verkennen iß. 
Gelingt eS jedoch der Natur nicht, nach außen des KrankheitS- 
Produktes sich zu entledigen, dann entsteht durch die Rückwir 
kung deS scharf gewordenen EiterS eine weitere Zerstörung der 
die Gelenke konstruirenden Gebilde, oder eine vollständig 
Trennung der Klauen und sogar eine Verjauchung, die sich 
auS dem Ausfluß der Jauche, Aufgetriebenheit und blauen 
Färbung der Ballen verräth AuS dem Angegebenen ergibt 
eS sich nun, daß die Klauenseuche ebenso wie andere krankhaste 
Affektionen mancherlei Gradationen und diese wieder ihre Sta- 
dien, und jedes dieser wieder ihre eigenen Merkmale haben, 
woraus das quantitave und qualitative Verhältniß der hier 
stattfindenden Lokalaffektion erkannt werden kann, daß alle pa- 
thologischen Prozesse die hier stattfinden in Entzündungen und 
ihren Uebergängen bestehen, wobei aber gleichzeitig mehrere von 
den angegeben Grundleiden zugegen sein können. 
WaS nun die ursächlichen Verhältnisse betrifft, so sind eS 
dieselben, welche bei der Maulseuche angegeben worden sind. 
Die gutartige Klauenseuche bedarf eben so wenig einer 
ärztlichen Behandlung als die Maulseuche. Man gebe daher 
den klauenkranken Thieren einen trockenen, starkbestreuten 
Standort und überlasse die Heilung der Natur. 
DaS frühzeitige geschäftige AuSreiben der wunden Fußen 
den, das Einstreuen von Aezmitteln, das frühzeitige Wegschnei- 
den deS losgetrennten HorneS und daS Blutabzapfen, ist der 
Genesung eher hinderlich als zuträglich. 
Glaubt aber ein Tbierbesitzer dem Gesagten ungeachtet doch 
etwaS gegen daS Leiden thun zu müssen, so wird demselben so 
lange daS Stammleiden (Entzündung) noch allein obwaltet- 
d. h. so lange die Blasen noch nicht geborsten, folglich an den 
Ballen und in der Klauenspalte noch keine wunden Stellen zu 
beobachten sind, das Einstellen der Fußenden in mit Essig und 
kaltem Wasser teigartig gemachten Lehm oder das Aufbinden 
von Sauerkraut, sind aber die Blasen geborsten und die 
Ballen, so wie die Klauenspalte von der Oberhaut entblößt, 
daS Reinhalten und sanfte Auswaschen der wunden Theile 
mit einer rohen Alaunaaflösung, sowie das Bestreuen der
        

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