Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/184/
Sie in Arrest — und ich thäte dies schon heute, wenn Sie 
nicht — na, Gott befohlen!" 
Der Alte drehte sich ^wüthend seinen grauen Schnurrbart 
und wandte dem glänzend abgefallenen Lieutenant den Rücken; 
der gute Rohrbach wußte auch, .nichts Besseres ?zu thun, als 
fich mit seinem Friedrich, der ihm noch obenein einen recht vor- 
wurstvollen Blick zuwarf, schleunigst ^rückwärts zu konzentriren. 
Seine Wangen brannten vor Aerger und Scham, und das 
Empfindlichste war noch, daß er von den Kameraden, für die 
er sich opfern gewollt, ausgelacht wurde, allerdings nicht ge- 
rade auf verletzende Weise; man nahm die ganze Geschichte 
eben nur als einen verunglückten Spaß,auf. Ja, Undank ist 
der Welt Lohn! — 
Wenn der alte General auch mit seinem Bescheide nicht 
ganz Unrecht haben mochte, denn er durchschaute wohl die et- 
was übermüthige Absicht, so blieb die derbe Zurechtweisung für 
Rohrbach doch höchst empfindlich, und er gelobte'fich heimlich, 
künftighin vorsichtiger und weniger aufopfernd für das atlge- 
meine Wohl zu sein, und dabei fiel eS ihm noch schwer auf 
daS Herz, daß er eS mit dem Alten ein für alle Male ver- 
dorben haben könnte, und doch hatte er für den nächsten Tag 
schon ein neueS Anliegen an ihn, den Urlaub nach BomSfelde. 
Der Lieutenant hatte diesen Sonnabend schon mit sehnsüch 
tigster Ungeduld erwartet; eS erschien ihm unumgänglich noth- 
wendig, daß er Emma v. BomSfeld wieder sehe, wäre eS auch 
bloS gewesen, um sie zu veranlassen, daß sie nicht mehr die 
Bälle in der alten Garnison, sondern fortan in der neuen be- 
suche; waS sollte sie dazu sagen, wenn sie ihn dort nicht^mehr 
fände und er ihr doch so viel näher war? —' Der bedenkliche 
Schritt bei dem alten General mußte gewagt werden, u. Rohr- 
dach gab sich der Hoffnung hin, der Alte könne dies sogar 
recht gut aufnehmen, wenn er mit einer recht bescheidenen Bitte 
zu ihm käme; überdies wußte er schon, daß der General ein 
guter Bekannter des Herrn v. BomSfeld sei. 
AlS am Sonnabend Vormittag das Exerzieren beendet war, 
trug er dem Hauptmann sein Anliegen vor, der auch nichts 
dagegen zu erinnern hatte; dann befahl er Friedrich, den 
Schimmel zu satteln, denn er wollte keine Minute unnütz ver- 
lieren, und begab sich in die Wohnung des Kommandanten. 
Der Alte sah noch recht unwirsch aus, als er ihn empfing. 
„Sie bringen mir doch nicht wieder Ihren vermaledeiten 
Pilz mit, Lieutenant v. Rohrbach?" fuhr er ihn an. 
„Zu Befehlen, nein, Herr General," erwiederte der junge 
Offizier ziemlich demüthig, — „ich habe keinen weiteren mehr 
in meiner Kasematte gefunden." 
„Das konnte ich mir wohl denken!" meinte der Alte ziem- 
lich höhnisch. 
Rohrbach biß sich heimlich auf die Lippen und fuhr nach 
einer kleinen Pause fort: 
„Ich wollte nur ganz gehorsamst um einen 24stündigen 
Urlaub nach dem Rittergute BomSfelde gebeten haben, gegen 
welchen mein Hauptmann und Kompagniechef auS dienstlichen 
Rücksichten nichts einzuwenden hat." 
Der General sah ihn groß an und wiederholte nur: 
„Nach BomSfelde?" 
„Ich habe schon seit längerer Zeit die Ehre der Bekannt- 
schaft mit Herrn v. BomSfeld, Herr General, und bin wie- 
derholentlich eingeladen worden — und da lch jetzt daS Glück 
habe —" 
„Schon gut! Meinen Sie, daß man Sie nach G. ver- 
fetzt hat, um dequemer nach BomSfelde auf Urlaub gehen zu 
können? — Und gerade jetzt, wo der Feind jeden Augenblick 
vor den Thoren der Festung liegen kann, kommen Sie mit 
einem solchen Anliegen? Herrrr, solch' eine Idee wäre mir in 
meinen Lieutenantsjahren niemals gekommen, ebenso wenig, 
wie mit Ihrem verwünschten Pilze! Sagen Sie Ihrem Herrn 
Hauptmann, ich ertheile jetzt, wo wir auf dem Kriegsfuße 
stehen, keinem Offizier der Garnison nur"eine Stunde Urlaub 
— und übrigens danke ich Ihnen!" 
Der General, dem die Zornader auf der Stirn mächtig 
geschwollen war und dessen Antlitz sich ganz dunkelroth ge- 
färbt hatte, machte eine kurze Verbeugung und wandte sich 
ab; der Wink war deutlich genug, als daß Lieutenant v. 
Rohrbach ihm nicht hätte folgen und fich abermals ohne Ver 
zug rückwärts konzentriren sollen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Amtliche Anzeigen. 
Dekanntmachung. 
Die ledige KreSzenz Beck bei Nr. 3 in Planken wurde 
mit hiergerichtl. Bescheid vom Heutigen als Verschwenderin 
erklärt und für sie ein Curator in der Person deS Josef Gant 
ner Nr. 30 in Planken aufgestellt. 
Vaduz, den 7. Nov. 1874. 
Fürst Liechtensteinisches Landgericht. 
Keßler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Schaan. 
Das anatomische Museum 
von Anton Flecker ist während 3 Tagen, SamStag, 
Sonntag und Montag auf dem St. Peter Platz in 
Schaan zur Besichtigung aufgestellt. Dasselbe enthält sehr 
werthvolle, natürliche Präparate verschiedener menschlicher Kör- 
perbestandtheile. Das verehrliche Publikum wird ersucht, sich 
mehr in Gruppen zu vereinigen', indem die Erklärung längere 
Zeit Jin Anspruch nimmt. Eintritt 10 kr. — DaS Extra- 
Cabinet ist nur Erwachsenen gestattet. 
Thermometerstand nach Reaumnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witteru 
Nov. 4. 
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+ 3V 4 
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trüb, Nebel. 
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fast hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
It. Nov. Silber 105.55 
20-Frankenstücke 8.91 ^ 
Drurt von Heinrich Graff in Feldkirch. 
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