Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/180/
180 
Der Vaduzer Martini-Markt wird Dienstag, den 10. No 
vember abgehalten und von da an alle Dienstag Wochenmarkt. 
Vaduz, am 25. Okt. 1874. 
22 Der Gemeindevorstand: 
Real. 
bar. Daher kam eS auch, daß die Kameraden am Offiziers^ 
tischen, im Kasino Rohckach bald die Pflicht aufzuerlegen be- 
müht waren, er möge doch daS bisher so fruchtlose Wohnungs- 
thema bei dem General zur Sprache bringen, und unser Lieu 
tenant, immer ein wenig keck u. verwegen, ließ sich das nicht 
zweimal sagen. Ihn selbst genirten die Pilze in seiner Woh 
nung eigentlich nichts ,pba er begriff doch, daß diese Schma- 
rotzer-Vegetation nicht unbedingt zur Ausstattung einer könig- 
liehen Offiziers wvhnung geHorte; er versprach daher in heiterer 
Laune sich für die Kameradschaft zu opfern. 
DaS Glück begünstigte ihn ; sein Friedrich entdeckte unter 
der Kommode von Fichtenholz ein ganz prächtiges Exemplar 
von Pilz: dasselbe war größer wie ein Teller, von entsprechen- 
der Dicke, unaussprechlicher Farbe und penetrantem Gerüche. 
Mit größter Sorgfalt mußte Friedrich eS abnehmen, wobei ihm 
daS gefammte umherstehende LieutenantS-KorpS Anweisungen 
gab, und dann auf ein alteS Kaffeebrett legen, das irgend ein 
Vorgänger in dieser Wohnung kameradschaftlich zurückgelassen 
Hatte. 
Diese Prozedur war zur allgemeinen Belustigung der Be- 
theiligten am Donnerstag Abend vorgenommen worden; der 
Coup, auf den man so große Hoffnungen stützte, sollte ande- 
ren Mittags auf der Parade stattfinden, und wenn auch Ein- 
zelne Bedenken dagegen erhoben, so bestärkte di.eS den Lieute- 
nant v. Rohrbach nur noch mehr, stch einen Spaß zu machen, 
der freilich auch seine ernste Seite haben sollte; der grandiose 
Pilz lieferte ja den besten Beweis dafür, daß die längst erho- 
denen Beschwerden nicht unbegründete waren. 
Man stand in gewöhnter feierlicher Ordnung auf der Pa- 
rade im FestungShofe vor der Kommandantur, die Wache war 
aufgezogen u. abmarfchirt, der General hatte die Parole auö- 
gegeben und unterhielt sich ,nun noch 'mit diesem, oder jenem 
Offizier, während in den einzelnen Corps die Befehle ertheilt 
wurden. Da erschien auf einmal Friedrich im schönsten Ordon> 
nanzanzuge, auf den beiden vorgestreckten Händen daS Kaffee- 
brett mit dem ominösen Pilze haltend, den ein sauberes Heißes 
Papier noch bedeckte. Der arme Kerl sah ziemlich blaß und 
unruhig auS„ denn ihm ahnte von dem Ausgange dieser Af- 
faire nicht so viel GuteS wie seinem Lieutenant. 
Der Letztere machte aber eine sehr entschiedene sund ernste 
Miene; wenn er seine Kameraden, die Mühe hatten, ihr La 
chen zu verbergen^, oder die erstaunten älteren Offiziere und 
Unteroffiziere ansah, zuckte wohl der kleine Teufel deS Muth- 
willens leicht um feine Lippen, aber er wußte ihn noch zeitig 
genug in die gebührenden Schranken zurückzuweisen. 
Jetzt stand der General allein da und schien ernst darüber 
nachzusinnen, an wen er sich wohl wenden solle, um noch Ge 
schäfte zu erledigen oder überhaupt ^die Zeit bis zur Aufhebung 
der Parade hinzubringen; da winkte der Lieutenant gebieterisch 
seinem Friedrich', ihm zit folgen', lund schritt geradenwegs auf 
den Großmächtigen zu, der verwundert aufblickte. 
(Fortsetzung folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur ». Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Die Pfründverwaltung der Pfarrei Bendern, Fürsten- 
thum Liechtenstein, veräußert am 9. November d. I. Vormit- 
tags toy 2 Uhr den diesjährigen rothen Wein, circa 140 
Viertel, in 3 Abtheilungen. 
Die Versteigerung findet im PfarrerStorkel daselbst Aatt 
und sind unter Zusicherung eines sehr guten Werne* 
Kaufliebhaber hiemit höflich eingeladen. 
Benders, den 1. November 1874. 
Der Pfründverwalter 
Fr. Josef Kind. 
in Häven slmrgr 
auf der letzten 'WIsirZ.SI? Weltausstellung 
durch die ^oftsollpittsmecisillo ausgezeichnet, 
verarbeitet fortwährend gegen billigen Lohn 
Flachs, Hanf und Abwerg 
zu vortrefflichem Garne und vorzüglicher Leinwand. 
Vom 1. Oktober 1874 an bezahlt die Spinnerei 
die Eisenbahnfrachten her und hin und der Spinnlohn 
beträgt 12 Pfennige neues Reichsgeld für 1 Schneller 
von 1000 Metern Fadenlänge mit billiger Fehler- 
grenze. 
Die Weblöhne sind verschieden und richten sich nach 
Breite und Qualität der Webwaare. 
Nähere Auskunft ertheilen und besorgen 
Sendungen an obgenannte Spinnerei: 
I. Biederman n z. deutschen Rhein in Bendern. 
Ferd. Walser in Schaan. 
Andreas Nigg in BalzerS. 
Heinrich Rohrer, an der Bahnhofstraße in BuchS. 
Andr. Lehn he er zum Brau in GamS. 
In der Leinenspinnerei von H. Strickler in Zürich 
wird zu billigem Spinnlohn stets geriebener Hanf, Flachs und 
Abwerg zum Spinnen angenommen. Schöne, egale und kräftige 
Garne, je nach Stoff, werden zugesichert. 22 (H-5586-&) 
Thermometerstand nach Reaumur in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
■ ö 
Witterung. 
Oktob. 
28 
— 1 
+ 5 
+ 2 
Nebel. 
v 
29. 
— 1 
+ 9 
+ 3 
hell. 
V 
30. 
+ 3 
+ 9 
+ 3 
u 
H 
31 
— 1 
+ 8% 
+ B% 
+ 2
    

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