Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/167/

JahMU. Ueber die Ermordung deS deutschen Konsuls 
Haber in Hakodadi geht der „Times" folgende Mittheilung 
ju: Am 8. August kam ein Jacunin im Alter von 22 Iah- 
•reit von Okibo nach Hakodadi, der öfters in den Theehäusern 
gesehen wurde, und, wie eS hieß, sich auf dem Wege nach 
Jedo befand, um dort seine Studien zu vollenden. Während 
seines Aufenthaltes in Hakodadi indessen scheint dieser junge 
Mann einen Traum gehabt zu haben, in welchem er einen 
"der KamiS sah, der ihm prophezeite, daß dem Kaiser von Aus- 
lündern Uebel widerfahren werde Der fanatische Jüngling 
hielt es für seine Pflicht das Unrecht. daS ihm der Kami an- 
gedeutet, abzuwenden, und ging, da er nicht wußte wo Aus- 
länder zum Opfer zu finden waren, in den Tempel um dieGötter zu 
bitten, ihm däS rechte Opfer anzudeuten. Unglücklicherweise traf 
eS sich, daß, alö er fein Gebet vollendet hatte, der arme Ha- 
der vorüberging. Der Japanese fragte, um sich zu vergewis- 
sern, daß sein Opfer auch ja ein Ausländer sei, zwei Frauen, 
die in der Nähe standen: ob der Mann, der eben vorüberge- 
gangen, ein Ausländer gewesen sei, und versuchte, als er eine 
bejahende Antwort auf diese Frage erhalten hatte, die Auf- 
merksamkeit deS Hrn. Haber dadurch auf sich zu lenken, daß 
er seinen Regenschirm gegen ihn warf. Hr. Haber bemerkte 
dieß nicht und ging vorbei. Ohne länger zu warten, zog jetzt 
der Japanese daS Schwert und führte einen Hieb. Das 
Opfer ward bestürzt, versuchte durch ein HauS und einen Gar- 
ten zu fliehen, und wurde von dem Verfolger eingeholt als er 
eben über eine Hecke fetzen wollte. Der Mörder hieb auf den 
Unglücklichen los, und zerstückelte ihn buchstäblich. Die Füße 
blieben nur durch ein Stück Haut an dem Körper hängen. 
Als das schauerliche Werk vollendet war, befahl der Mörder 
mehreren Japanern, unter Androhung ihnen im WeigerungS- 
falle daS Leben zu nehmen, Wasser auf die Leiche zu gießen, 
während er selbst in ein Theehaus sich begab, mit großer Be- 
friedigung feiner That sich rühmte und dann den Behörden 
.sich auslieferte. 
Volkswirthschastliches. 
Die Wanderverfammlung des schweizeri 
schen alpwirthschaftlichen Vereins in 
Ragatz. 
(Schluß.) 
Herr Nationalrath Tschudi von Glarus machte auf daS 
«norme Kapital aufmerksam, das in unseren Alpen liegt, erin 
nerte daran, wie viele feindliche Machte diesen Reichthum 
schwächen, wie wenig gethan wird, die Verwüstungen dieser Feinde 
zu beschränken, wie erbärmlich wenig von Seite deS Bundes ge- 
leistet wird, die Bestrebungen deS alpwirthschaftlichen Vereins 
M unterstützen; hiefür bewilligten die LandeSväter die erbärm- 
liche Summe von 1500 Franken, während das Militärwesen, 
daS ja qegen einen Feind gerichtet ist, der unS jetzt noch gar 
nicht genirt, jährlich feine 8 —- J 0 Millionen Franken ver 
schlingt. Der Redner stellt den Antrag, daS Komite des 
schweiz. alpw. Vereins sei beauftragt, den BundeSrath zu er- 
suchen, die Bestrebungen genannten Vereins kräftiger als bis- 
her zu unterstützen. 
Herr Reg.-Rath Wassali von Chur unterstützt diesen An- 
-trag und fügt ihm bei, der BundeSrath sei zu ersuchen, die 
MilchversuchSstation in Thun zu einer eidgenössischen Anstalt 
zu erheben. 
Herr Direktor Schatzmann schließt die Verhandlungen mit 
dem lebhaften Wunsche, eS möchten die vielen werthvollen Be- 
lchrungen auf gutes Erdreich gefallen fein und die Veran- 
Fassung zu reichem Segen bilden. —* 
Von 10 bis 1 Uhr hatten die Verhandlungen gedauert, 
*md man ging, nachdem der Geist reichlich genährt worden, 
gerne zu einem gemeinsamen Mittagessen im Hofe Ragai, das 
dem Gastgeber Ehre machte. Manch treffliches Wort ließ sich 
hören, bis die Zeit zum Aufbruche mahnte. Gelungene 
Toaste wurden gebracht von den Herren Pfarrer Steiger in 
Ragaz, Direktor Schatzmann und Redakteur Rödiger von So- 
lothurn. 
* 
♦ # 
Am Schlüsse unseres Berichtes angelangt^ erlauben rpir 
uns noch einige Bemerkungen, die wir dem zweiten JahreSbe- 
richt der schweizerischen Milchversuchsstation in Thun entneh- 
men, zu veröffentlichen. 
Die Schweiz besitzt nach der letzten Viehzählung (1866) 
552,427 Milchkühe; nehmen wir für dieselben einen durch- 
schnittlichen täglichen Milchertrag von 3 Maß (ä 3 Pfund). 
an, so ist die tägliche Milchproduktion der Schweiz 1,657.231 
Maß, oder in Geldwerth zu 20 Ct. die Maß 331.456 Fr. 
20 Ct. Rechnen wir auf jeden Kopf der Bevölkerung (Zählung 
von 1871) an täglichem Milchverbrauch V 4 Maß, so werden 
täglich in Milch konsumirt .... Fr. 82,864 05 Ct. 
zu Produkten umgewandelt .... „ 248,592 15 „ 
Summa Fr. 331,456 20 Ct. 
Bon der Maul- und Klauenseuche. 
(Eingesendet) 
Nachdem die genannte Viehseuche bei unS leider wie man 
zu sagen pflegt, einheimisch zu werden droht, so dürste eS nicht 
ganz überflüssig sein, wenn wir Viehbesitzer diese Krankheit, 
welche unS durch ihr Austreten, sowie durch die gegen dieselbe 
angeordneten polizeilichen Maßregeln alljährlich so bedeutenden 
Schaden verursacht, etwas näher kennen lernen würden. 
Maul- und Klauenseuche find zwei verschiedene Krankheiten, 
welche aber meistens, jedoch nicht immer vergesellschaftet auf- 
treten, und vorzüglich das Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine, 
Hirschen, Gemse und Reh befallen. 
Der leichtern Uebersicht wegen wollen wir die zwei Krank- 
Helten abgesondert besprechen und vorerst die Maulseuche be- 
trachten. 
Maulweb, Schlubberseuche, Maulfäule, Maulschwämmchen 
(Trenzet, österreichischer Provinzial-Name) aphthae epizooticae 
u. s. w. Aus den angegebenen Bezeichnungen geht zum Theil 
hervor, daß daS in Rede stehende Leiden in den Schleimhäu- 
ten der Maulhöhle seinen Sitz habe und meistens in einem 
vesikulösen oder pustulösen Ausschlage, der sich daseibst verschie- 
den in- und extensiv groß in Folge einer katarrhalischen Ent- 
zündung einstellt, bestehe, der insofern nicht schwer auSzumitteln 
ist, als d/e leidenden Gebilde genau besehen, so wie auch die 
Störungen der sie betreffenden Verrichtungen, um so eher dann, 
je größer die Gradation deS dabei stattfindenden LokalleidenS 
ist, erkannt werden können. Um nun daS Maulweh in allen 
seinen Beziehungen genauer zu erforschen, so ist eS nothwendig, 
auf den dabei vorkommenden pathologischen Prozeß Rücksicht 
zu nehmen, wobei eS sich ergeben Wird, daß daS Leiden i« 
zwei verschiedenen Gradationen, die unmerklich in einander 
übergehen, auftritt, wobei als erste Gradation derjenige Zu- 
stand anzusehen ist, wo die vorausgegangene Entzündung bis 
zur Schleimsekretion oder serös pustulösen Ausschlage mit LoS- 
trennung der obersten Schleimhautschichte führt; bei der zwei- 
ten Gradation aber die Entzündung schon eine in- und exten- 
sivere Größe erreicht, die eben auch, jedoch kopiösere Schleim- : 
sekretion, einen mit einer mehr oder weniger jauchigen Flüssig- 
Feit angefüllten blasigen und auch zahlreicheren Ausschlag, wel- 
cher Exulzeration der Schleimhäute verursacht, zur Folge hat. 
Die Merkmale, aus welchen man nicht nur dieses Leiden der 
Maulhöhle, sondern auch die Gradation und die Aenderungen, 
die sich durch dessen Stadien ergeben, sind vor allem diejenigen/ 
welche dem Stammleiden, der Entzündung, sowie auch deren 
Uebergängen zukommen. Anfänglich wird daS Maul wärmer, 
röther, schmerzhaft empfindlich, und dessen Schleimhaut, zumal
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.