Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/166/
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rend der Tafel traf ein amtlich publizirteS kaiferlDMAand 
schreiben ein, welche», „in Anerkennung ihrer besonderen Ver- 
dienst« um die Nordpolexpedition" Brosch, Orel und KepeS 
dm Orden der Eisernen Krone 3. Klasse, den Kapitänen der 
österreichischen resp. norwegische» Handelsmarine, Lusina und 
SMen, daS Ritterkreuz des Franz-ZosefS-Ordens und den 
sämmtliGn Matrosen daS Verdienstkreuz mit der Krone ver- 
leiht; gleichzeitig kam die Meldung, daß der Großherzog von 
Weimar Weyprecht, Payer und KepeS mit seinem Falkenorden 
ausgezeichnet. SämiNtliche 5 Offiziere haben die Pilla Laden« 
bürg bei PötzleinSdorf bezogen, bis der Kaiser in Wien>ein- 
trifft. Für 'den IS. Oktober haben Payer, KepeS und Graf 
Wlczek eine Einladung nach Pest — der Bürgermeister von 
Pefi überbrachte dieselbe persönlich — angenommen. 
Frankreich. Den neuesten Zählungen zufolge haben die 
Republikaner durch die Wahlen vom letzten Sonntag 17 Sitze 
m den G?neralräthen (633 statt, wie bisher, 62t) gewonnen, 
und die vereinigten „Konservativen," Legitimisten, Orleanisten, 
Bonaparlisten und waS stch sonst noch unter den Schutz dieses 
Namens stellt, deren 39 (7t 1 statt 800) verloren. 
Spanien. Ueber die Zustände in den Theilen vo« Spa 
nien, wo der Karlistenkrieg herrscht, erhält die „Times" durch 
ihren Pariser Berichterstatter briefliche Mitiheilungen eines 
Engländers, der Land und Leute seit 25 Jahren kennt, und 
weder für die eine noch die andere der kriegführenden Par, 
leien schwärmt, einige interessante Mitiheilungen. „Die Eisen- 
bahnverbindung zwischen Valencia und Madrid — schreibt 
dieser Gewährsmann unterm 26. September — ist wieder von 
Eucula und seiner Bande unterbrochen worden und diese Ge- 
sellschast macht die Ufer deS Jucar unsicher, und mordet und 
zerstört, wohin sie sich immer wendet. Bis jetzt fehlen noch 
ausführliche Einzelheiten über ihr Treiben, allein wir wissen, 
daß sie in JSvita, Carlet, Alberiaue. Billanuova, Olleria und 
irv.—- ift nnh nie jSäm'er aller Neysonen 
übet angeschrieben stehen. Sie wurde übrigens bald in ihrem 
Raubzuge aufgescheucht, denn wunderbarerweise waren die Re- 
gierungStruppen munter und mit ungewohnter Lebendigkeit 
hinter ihr drein. Die Karlisten hatten indessen Zeit eine an- 
sehnliche Strecke Bahnlinie und Telegraphen zu zerstören, und 
sie versuchten auch die große eiserne Eisenbahnbrücke über die 
Albaida in die Luft zu sprengen. Es gelang ihnen daS nicht 
ganz, indessen ist die Brück- doch stark beschädigt. In einigen 
der Dörfer, durch welche sie passirten, wie in Carlet z. SB., 
wurden die Einwohner, welche den ungebetenen Besuchern 
durch die Flucht zu entrinnen suchten, wie die Hunde niederge- 
geschossen. Diese Akte deS Wandalismus, welche von den Kar- 
listen oder von Banden, welche unter sadistischer Fahne mor 
den und plündern, fortwährend verübt werden, erregen allein- 
halben die tiefste Entrüstung, die noch vermehrt wird dadurch, 
daß die Karlisten mit frecher Stirne ihren Gegnern alle mög- 
lichen Schandthaten aufzubürden suchen. Die Behauptung, 
daß daS Gemetzel in Olot einfach Repressalie wegen der Nie- 
dermetzlung gefangener Karlisten gewesen sei, die verwundet in 
den Spitälern lagen, ist, wie ich durch Untersuchungen festge- 
stellt habe, ganz und gar unbegründet. Ich beschränke mich 
in meinen Dementis auf solche Fälle, die ich persönlich als 
wirkliche Erfindungen erkannt habe. Dagegen kann auf der 
andern Seite die Thalsache gestellt werden, daß fast sämmtli- 
che Schandthaten, welche den Karlisten zum Vorwurf gemacht 
werden, wirklich begangen wurden, und mit den Rainen der 
Opfer und allen Rebenumständen nachweisbar sind. Am !5 
Juli plünderten die Karlisten die Stadt Cuenca, ermordeten 
einige 70 Freiwillige, steckten eine Anzahl Häuser in Brand, 
brachen in ein Nonnenkloster ein, und begingen dort die un- 
erhörtest«! Schandthaten. WaS daS mehrerwähnte Gemetzel 
in Olot anbelangt, so war dasselbe ganz ohne ersichtliche» 
1 
Beweggrund. Von den Gefangenen der Division RouvilaS 
ließ er jeden fünften Mann erschießen, während er die Kara- 
bineroS bis auf den letzten Mann, alle 75, niedermachen ließ. 
Roch heute befinden sich im Schlosse Montesquin bei Bar» 
celona 52 Offiziere und 384 Mann Gefangene, welche halb- 
verhungert und von allem entblößt die elendeste Behandlung 
zu ertragen haben. Die Zahl der einzelnen Fälle barbarischer 
Behandlung und brutaler Morde ist ohne Ende, und mehrere 
ereigneten sich erst im letzten Monat. Vor ganz kurzer Zeit 
begegneten drei karlistische Reiter einem Förster Namens Jos« 
Leguna. Diese Förster haben mit der Armee gar nichts zu 
schaffen, allein die Anhänger deS Prätendenten beraubten den 
armen Mann ohne Umstände seines Pferdes und erkundigten 
sich dann wo er herkomme. Als es sich herausstellte, daß er 
ein OrtSangehöriger der liberalen Stadt Requena sei, schössen 
sie ihm kalten BluteS eine Kugel durch den Kopf Ein an- 
derer Mann, ein gewisser Juan Cofpe, hatte gehört, daß fein 
Bruder den Karlisten in die Hände gefallen sei. und begab 
sich zu SaballS um sich für denselben zu verwenden. Allein 
Saballs ließ ihn, als er vernahm, er komme von Puicerdü, 
ohne Umstände über den Haufen schießen. Während des Iah« 
reS t873 verbrannten die Karliften allein auf der Bahnstrecke 
nach Pamplona 19 Stationen und 49 Häuser, zerstörten 9 
Brücken und 400 Kilometer Telegraphenleitung und ermorde- 
ten eine Anzahl Eisenbahnbeamte. Auf den katalonischen Li- 
nien war die Zerstörung ebenso umfangreich, wenn nicht noch 
größer als auf deujenigen von Valencia Neben dem Nieder- 
brennen von Stationen, Zerstören von Brücken und Schienen- 
geleisen, liefen beständige Beraubungen von Güterzügen her, 
und waS die Personenzüge betrifft, so wurde, wenn die Ban- 
den sich nicht stark genug fühlten dieselben anzuhalten und zu 
plündern, einfach hineingefeuert. Dazu kommt noch, daß eine 
große Anzahl von Personen, sowohl Männer als Frauen, ge- 
fangen fortgeschleppt und festgehalten wurden, bis die karlisti- 
... Cr*-, ,j/f> »ly-y K. 
beträchtliches Lösegeld erpreßt hatten, welches manche der 
ar- 
men Opfer an den Bettelstab brachte. Ich habe eine ganze 
Menge Berichte über andere Gräuel unberührt gelassen, weil 
sie mir nicht hinlänglich erwiesen schienen, aber selbst wenn man 
alle zweifelhaften Angaben beiseite läßt, so bleibt noch genug 
übrig, jedem rechtlich denkenden Menschen vor Entrüstung daS 
Blut in Wallung zu bringen. ES scheint unmöglich, daß die 
wirkliche Lage der Dinge in mehreren spanischen Provinzen 
im gegenwärtigen Augenblicke in weiteren Kreisen außerhalb 
Spanien bekannt ,ist; denn wenn sie bekannt wäre, so würde 
sich sicherlich ganz Europa voll Unwillen erheben um dem Un- 
wesen zu steuern." 
Die Nachricht, daß Marschall Bazaine sich in Madrid nie- 
derlassen wolle, wird vom Berichterstatter der „Times" im Hen- 
daye bestätigt". Die Nachricht an und für sich — sagt die- 
ser Gewährsmann — ist weder unwahrscheinlich noch richtig, 
indessen reiste in den letzten Tagen ein Herr, der mit der Pa- 
nser Presse in Verbindung steht und sehr intim mit' Hrn. 
Rouher sein soll, hier durch, und erzählte: er sei der Ueber- 
vrtnger eines Vorschlages der Madrider Regierung an den 
Marschall, in welchem diesem der Oberbefehl über sämmtliche 
spanische Streitkräfte, und speziell über die Nordarmee ange 
boten werbe, unter der Bedingung, daß er, abgesehen von sei- 
nem Stab, ein Korps von nicht weniger als 100 französischen 
pfftztcren hinüber bringe, auf daß dieselben ein Korps von 
französischen Freiwilligen, gedienten Veteranen organisiren soll- 
ten, welche unter dem unmittelbaren Befehl des Marschalls 
stehen würden. Dieser Vorschlag soll keineswegs neu, sondern 
bereits vor einiger Zeit erörtert und in der Hauptsache verein- 
bart sem. Die spanische Regierung macht sich dafür anheischig für 
•*" Alaine die Sache zur Ausführung bringe, 
»hm 5 Millionen FrcS. zur Bestreitung der Kosten zu liefern.
        

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