Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/162/
traf ihn die gerechte Strafe. Ulrich v. Ramschwag belagerte 
Gutenberg und zwang die Burg zur Uebergabe. (1309.) 
DaS Geschlecht der Gutenberg sank nun in den Bauern- 
stand herab und ließ sich am Triesenberg und in Maienfeld 
nieder. 
Auf Grund der oberwähnten Vorgänge erhoben nun die 
Grafen v. Werdenberg Ansprüche auf die Burg, verzichteten 
jedoch im I. 1314 zu Gunsten der Herzoge von Oesterreich 
auf dieselben. 1322 verpfändete Herzog Leopold Gutenberg 
dem Grafen Hugo v. Montfort-Bregenz für 600 Mark Sil- 
ber. Der Nachkomme des Letztern Hermann v Montfort 
verzichtete sodann 1351 auf die durch die Verpfändung erworbenen 
Rechte. Später treffen wir die Ritter von Hohenlandenberg 
als Leheninhaber der Burg. Als die Herzöge von Oesterreich 
in den Besitz der Herrschaft Feldkirch kamen, sahen sie ein wie 
wichtig Gutenberg für sie sei, da die Beste den Paß über die 
Luziensteig und den Rhei^ hütete. Sie setzten daher die 
Herren vom Ramschwag diPSBogte der Burg ein. Die von 
Rämschwag hatten ihren Stammsitz im Thurgau unv waren 
dem österreichischen Hause von jeher eifrig ergeben. Sie hatten 
Gutenberz bis zum Erlöschen ihres Geschlechts im vorigen 
, Jahrhunderte inne. Ihr Wappen zeigte zwei. gekrönte 
Löwen. 
An die biShexgenannten Inhaber eigentlicher Herrschaf- 
ten in unserm Lättde wollen wir nun noch einige untergeordnete 
AdelSgeschlechter anreihen und hiebet die alphabetische Ordnung 
nach Gemeinden befolgen. 
Zn Bender» NMr. zu Ansang deS 13. Jahrhunderts 
Rüdger von Limpach stark begütert, von dessen Schenkung an 
das Kloster St Luzi Kir später erzählen werden. Außerdem 
gab eS hieb Edle von Gamprin. Ulrich von Gamprin und 
seine 4 Söhne verzichten 1230 auf ein Gut genannt „ Büchele" 
zu Gunsten des Klosters St. Luzi. 
Eschen hatte ebenfalls seinen eigenen Adel. 1230 lebten 
di- von der 
kaum noch eine Spur vorhanden iß. „Eine alte AolkSsage 
läßt einen grimmigen Zwingherm auf Verselben Hausen und 
weil weder daS Eigenthum noch eine Unschuld vor ihm sicher 
war, faßten die Männer ein Herz, tödeten den Zwingherrn 
und. brachen die Burg. Indessen hatten ihnen die Weiber ein 
Mal bereitet, daS in Kuchen und Milch bestand." 
Bon der Burg Schalun zwischen Schaan und-Vaduz 
kennen wir nur einen Besitzer nämlich Ulrich von Schalun, 
der 1237 als Zeuge erscheint. 
In Triefen gab eS mehrere edle Geschlechter. Häufig 
erscheinen die Edlen von Triefen und später die von Reichen« 
stein, von Schiel, die Junker von Vaistli und Andere. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Der deutsche Kaiser ist am 28. v. MtS. 
nach Baden-Baden abgereist. — In diplomatischen Kreisen 
verlautet: Die spanischen Consuln in Südfrankreich klagen 
über NeutralitätSverletzuug, über Sorglosigkeit und sogar Mit- 
schuld der Behörden stärker als je. Reclamationen stehen 
bevor. 
Frankreich. Das endgültige Ergebniß der Nachwahl v. 
27. Sept. im Maine-et-Loire-Departement ist: Hr. Maille 
(Kandidat der Republikaner) hat gesiegt mit 51,515 Stimmen; 
Hr. Bruas erhielt 47,728. Die Mehrheit Maille'S beträgt 
also 3787 Stimmen. In den Kreisen der republikanischen 
Partei herrscht große Freude über diesen Ausgang des langen 
Wahlkampfes. DaS „Sieele" ruft aus: „Die Republik ist 
nunmehr die Regierung Frankreichs; wir können das mit vol- 
ler Gewißheit behaupten." DaS Blatt glaubt, daß die Re- 
publik nach dieser Niederlage der Orleanisten und Bonaparti- 
sten in dem bisher royalistifchen Anjou nirgends mehr auf 
Hindernisse stoßen werde; ihre Gewalt fei jetzt unwiderstehlich» 
Wie viel man auch von diesen Ausdrücken abziehen mag, um 
daS richtige Niveau zu treffen, unbestreitbar ist, daß der Sieg 
deS Hrn. Maille den Sieg der Republik mächtig fördern 
wird. Aus dieser Wahl zieht das „Siecke" zwei Lehren: ein- 
mal die, daß die Coalition der Orleanisten mit den Bonapar- 
Listen nichts auszurichten vermöge, und dann die weitere, daß 
die ofstcieUe Candidatur auf den Geist des französischen Volkes 
keine Wirkung mehr übe. Der bonapartistische „Ordre" macht 
die Regierung für den Sieg der Republik verantwortlich. 
Letzteren will dieses Blatt von dem Tag an vorausgesehen 
haben, „wo das Ministerium durch das ungeschickteste und 
gehässigste aller Manöver die Conservativen spaltete. Hr. 
BruaS, dem 26,000 Stimmen zugefallen waren, nannte die 
25,000, welche Hr. Berger, der Canvidat deS Appells an 
das Volk, erlangt hatte, „aufwieglerisch" und daS Ministe- 
rium, das doch um günstige Boten betteln gieng, hat nicht die 
Loyalität gehabt, den Schimpf offen und ehrlich zurückzuziehen. 
Wie sollte man sich da noch über den Sieg des Hrn. Maille 
wundern? AehnlicheS wird immer wieder vorkommen, so oft 
die Orleanisten sich in die Wahlen werden mischen wollen, 
und ;fo oft man dem Gewissen der Wahler Gewalt anthun 
wird, indem man eine dritte Formel zwischen die Republik und 
daS Kaiserreich stellt." Wie man sieht, führt der „Ordre" die 
Frage ebenfalls auf die Alternative „Republik oder Kaiserreich" 
zurück. Wenn die Orleanisten des rechten CentrumS die Re- 
publik nicht wollen, so müssen sie daS Kaiserreich auf ihre 
Fahne schreiben, sie selber haben keine Zukunft.- .so höhnt der 
Verbündete von gestern seine Broglie'schen Wahlgenossen.. DaS 
Organ des Herzogs Broglie, der „Francis," dagegen macht 
sich auch angesichts der gestrigen Niederlage noch allerlei Tau« 
schungen. Die große Stimmenzahl, die Hr. Bruas erhalten, 
sieht er für einen Fortschritt des SeptennalismuS an, während 
doch die Bonapartisten sicherlich nicht für diesen, sondern gegen 
fne OJelVllKF»? «jr«<>cn TU K r* ju wcgvffsii; if* » vnß die. 
Weigerung der Legitimisten, für Hrn. Bruas zu stimmen, ihre 
Wahlenthaltung, sicherlich dem republikanischen Candidaten zu 
statten gekommen ist, vielleicht seinen Sieg herbeigeführt hat. 
Der „Constitutionnel" sagt von der Wahlniederlage der 
Septennalisten im Maine-et-Loire-Departement: „eS sei eine 
Partie, verloren durch Hände voll Trümpfe," und gesteht dann 
weiter zu: „Wir dürfen nicht viele Partien mehr verlieren wie 
die, welche man unS gestern hat verlieren lassen. Wir, daS 
ist vor allem der-Marschall." 
Spanien. Bazaine will während des bevorstehenden 
Winters in Madrid seinen Aufenthalt nehmen, die Gemalin 
desselben ist bereits dort angekommen. — Marschall Serrano 
wird wahrscheinlich den Oberbefehl über die sogenannte Armee 
deS CentrumS übernehmen, General Pavia soll durch Jovellar 
ersetzt werden. Es steht zunächst ein Angriff der Truppen 
gegen La Guardia bevor. 
Die österreichische Nordpolexpedition. 
(Schluß.) 
Große Feuchtigkeit ist vorherrschend, so daß die Gegend 
in ihrem Reife wie überzuckert aussieht und in der Sonne 
wunderbar glänzend. Bei der Fahrt hatten wir —40 Grad 
Reaumur. Ob Vulcane vorhanden sind, ließ sich nicht er- 
Mitteln, ^da die Besteigung der Spitzen unausführbar und der 
oberste Säulenrand der Berge sich als unzugänglich erwies. 
Die Höhe der Berge wechselt; die südlichen sind 2000 Fuß, 
die südwestlichen 5000 Fuß, die nördlichen bis 3000 Fuß 
hoch. Ein Gletscher erstreckt sich 15 Meilen lang — er 
wurde Dove-Gletscher getauft. Vielleicht darf man in dieser 
Gletscher-Ausdehnung einen Fingerzeig erblicken, daß wir ein 
Festland und nicht ein Tafelland vor uns hatten. Einzelne 
Sunde waren mit Eis jüngsten Datums überbrückt — ein
        

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