Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/16/
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die Fenster anzeigten, zwei streng geschiedene Welten, welche 
hier neben einander bestanden und dennoch sich so nahe berührten. 
Friedrich, der Jäger, Lisette, das Kammermädchen, Jungfer 
Huldebränd, die Köchin, und Karl, der Kutscher, bildeten die 
Hauptpersonen des DomestikenstaateS; in absteigender Folge reihten 
sich dann die Aufwaschmädchen, zwei Bediente und zwei Stall- 
kÄechte daran. 
Friedrichs Obliegenheiten waren gewissermaßen aristokratisch. 
<£r ft&hb in ferner glänzenden dunkelgrünen Livree, mit dem wal 
lenden Federbusch auf dem dreieckigen Hute, hinten auf dem Wa- 
gen, wenn die Gräfin ausfuhr; er öffnete den Kutschenschlag und 
half der Gnädigen heraus und hinein in den Wagen, er gab 
die Visitkarten ab und besorgte die Einladungen, öffnete den Gasten 
die Thüren und bediente bei Tische die Gräfin persönlich. Friedrich 
Peretti — das war sein voller Steine — war ein auffallend 
schöner, schlanker Mann mit schwarzem Backenbart, frischer Ge- 
sichtWZbe, sehr dunklen ernsten, nachdenklichen Augen und einer 
auH^Mchueten Haltung. — lisette, daö Kammermädchen, ent- 
sprach «t ihrer Stellung der des Jägers. Sie wischte den Staub 
m den Hamern, sorgte für den Glanz der Möbel und hatte die 
Harderode hder G> äfin, wie deren Zimmer speziell unter sich. 
Lisette war ein junges, schweigsames, bleiches, stets in sich ge- 
kehrten sehr fleißiges Mävchen, das auf eigenthümliche Weife 
die mattblauen Augen aufschlug und dann in dieftltt verschleierten 
Micke eur seltsames, überraschendes, gedämpftes Feuer zekgte. — 
Jungfer Huldebränd. die dritte und wichtigste iil diesen? vierblät- 
terigeu Dteustbotenkleeblatt, zählte gut ihre vierzig Jahre. Groß 
und von machtiger Gestalt, wie sie war, krönte ihr irdisches Selbst 
stets eine gewaltige weiße. steifgiMtßtt Haube, und aus der ziem- 
lich gerötheten Färbung ihres Gesichtes jpvach erstens ihre lang« 
jährige Beschäftigung MdM Heuer, dann aM Such ein sehr 
vulkanischesGemüthsleben, die Iungfet Mchm auch in 
hohem Maße besaß. geächtet diWr MmttchDniage zeigte sie 
stets eme gewisse erhabene Würde. Sie ^etirte sich in den Räu- 
men der Zwischen-Etage ganz so wie die Glkästtt oben hi threu 
Zimmern, und ihre auf Papier gewickelten, sHvtt weiße Streifen 
zeigenden Locken waren für die Dienerschaft selbst die erwähnten 
Hauptpersonen mit eingerechnet fast ein ebenso großer Gegenstand 
des Respektes, als die ganz weißen der Gräfin selbst; Venn Jung 
fer HulvehHand war bei der GrHtt so viel wie vortragende Ra 
then Zöschen-Etagen-Departelnettt und verstchjlv Mit in den 
Schranken gehaltenem, aber selbstbewußtem Tött die Dlnge dar- 
zustellen. — Karl, der Kutscher endlich, interejsirt uns ^ hier nur 
wenig. Er war ein alter? verdrießlicher Menjch, liebte seine Pser- 
de, fuhr gut, ging alle Sonntage in die Kirche und trank gern 
alten Rothwein. 
Das leicht erregbare Gemüth der Jungfer Huldebränd würdb 
in diesem Kreise häufig Veranlassung zu sehr bedeutenden Stö^ 
ruilgen des Gleichgewichts gegeben haben, wenn nicht die niedrigeM 
Dvmestiken sie wie das Feuer selbst gefürchtet, der Kutscher ihr nie ititte 
Antwort^ gegeben, und der Jäger und Lisette nicht zu den sehr gut- 
müthigen und sanften Personen gehört hätten. Und doch sollten 
gerade diese letzten Beiden eine heftige Aufregung, einen Orkan, 
der noch jahrelang nachwirkte, in dieser Zwischen-Etagen-Region 
hervorrufen, ja sogar wert darüber hinaus die Aufmerksamkeit auf 
sich hinlenken. — 
Jungfer Huldebrany's ältliches aber warmes Herz hegte nämlich 
eine geheime, zarte Zuneigung für den Jäger und diese gab ihrer 
Lebensperspektive von der eLHWtt Erwerbung eines Gasthofes 
iii; einer Provmzialstädt, wo'HM Post übernachten mußte, mit 
dein Jäger als Wirth und WMDerzensgebieter, einen ganz be> 
sonders rosigen Schimmer, DU trug sich schon seit mehreren 
Jähren mit' diesen Gefühlen und Plänen und ließ dies ihren Aus- 
erkorenen, wenn Niemand es M^-Mmch höchst freundschaftliche 
Blicke und Mienen, ebenso wie dÄH keservirte Kapaunenreste em- 
pfinden. A'iedrich aß die guten Reste, schien jedoch in seiner 
stillen deren eigentliche Bedeutung nicht zu ergründen. Jungfer 
Huldebränd saß aber bei diesen Liebesmahlen wie auf Kohlen. 
Angriffsweise auf das Fassungsvermögen ihres Geliebten vorzn- 
gehen, scheute sie sich. Nicht etwa ihretwegen — sie wußte, wenn 
die Sache vielleicht fehlschlagen sollte, würde der ehrenhafte Jäger 
nichts von dieser Affaire ausplaudern. Nein, Jungfer Huldebränd 
fürchtete in dieser Hinsicht vielmehr Lisetten, denn sie hatte sehr 
bald herausgefunden, daß das Kammermädchen ebenfalls das ganze 
verhaltene Feuer ihrer Gefühle nur für den Jäger schüre, und sie 
muthmaßte, auf Schritt und Tritt von dieser schleichenden Schlange 
— wie sie Lisette in ihrem Herzen titulirte — behorcht und be- 
obachtet zu werden. Ein Korb etwa von ihrem Erkorenen und 
der Triumph Lisettens darüber würden ihr Tod gewesen sein — 
so fühlte die Jungfer Huldebränd. 
(Fortsetzung folgt) 
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