Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/152/
wenn nicht rasche Hilfe von den Stadtgemeinden der Nach- 
barstaaten und des ganzen Reiches kommt, dem edlen Bei- 
spiele der Kaiserin Augusta folgend, welche letztere sofort 1000 
Mark Reichsmünze telegraphisch anweisen ließ. Auch der Groß- 
herzog von Weimar' sendete rasch Lebens mitteltranSporte, die 
sehr willkommmen Ware«. DaS Hülfskomite (Vorfitzen- 
der: Geh. RegierungSrath Sebaldt) nimmt Gaben jeder Art 
mit größter Dankbarkeit entgegen, möchten nur recht rasch die 
Spenden fließen. 
* Bekanntlich hat unter allen Verkehrsmitteln, an welchen 
die Neuzeit so reich geworden ist, keines in verhältnißmäßig 
kurzer Zeit eine so großartige Ausbildung und riesige Entwicklung 
genommen, wie das Telegraphenwesen. Seit der ersten Auf- 
stellung eineS Nadkltelegraphen bis heute sind nicht mehr als 
ca. 40 Jahre verflossen und schon weiß man kaum etwas mehr 
von jenen Anfangen der „Schreibkunst mit dem? Blitze", wie 
Oersted die Telegraphie taufte. Zahllose Apparate und Sy- 
steme sind seither erfunden worden: den Nadeltelegraphen folg- 
ten die Zeigertelegraphen, welche nicht mehr komplizirte Zeichen, 
sondern die wirklichen Buchstaben, Zahlen und Interpunktionen 
gaben, daher die ersteren rasch verdrängten; ihnen folgte mit 
gleicher Wirkung auf sie selber der Morse'sche Druckapparat 
der gegenwärtig aus allen Telegraphenstationen der Welt thätig 
ist. Aber auch dieser Apparat erhielt zahlreiche Vervollkomm- 
nungen, zumal von Hughes und in anscheinend sehr vollkom- 
mener Weise durch Abbö Caselli, doch prophezeite man dem 
Apparat des letzteren, daß er sich als alleiniges Betriebsmittel 
wohl schwerlich jemals für die Telegraphie eignen würde. Und 
in der That fast 10 Jahre sind vergangen, ohne daß dieser 
sinnreiche Apparat zur Anwendung gelangte, nicht einmal Ver- 
besserungen erhielt. Nichtsdestoweniger wurden wahrend der 
ganzen Zeit Vervollkommnungsversuche angestellt unv einem 
Beamten der bauischen Telegraphen-Verwaltung ist eS gelun- 
gen, einen Apparat herzustellen, der sicherlich geeignet ist, daS 
größte Aufsehen zu erregen. 
Der Vervollkommner der von Caselli geplanten Idee ist der 
beim Münchener Oberamt beschäftigte Telegraphen-Offizial H. 
Dencker und der Apparat wurde von ihm „elektromagnetischer 
Kopie-Apparat" getauft. Die Erfindung ist bereits von dem 
Bankhause Oppenheim und Weil in Frankfurt a. M. erwör- 
den. Der Apparat gibt ohne Beihülfe eineS Telegraphiften 
die Schriftzeichen der verschiedensten Sprachen, Signaluren, 
PorträtS, Pläne :c. an, auch noch so entfernten Orten mit 
einer Sicherheit wieder, daß, wenn man Original mit Kopie 
vergleicht, beive in allen Punkten vollkommen übereinstimmen. 
So waren wir Zeuge, berichtet die „Fr. Ztg.", alS von einem 
Apparat auf den andern, nicht allein der jüngste Sängerfest- 
spruch mit einem Lorbeer- und Eichenkranze verziert, wieder- 
gegeben wurde, sondern, daß auch ausgefüllte Original^Wech 
sel, chiIrirte StaatSdepeschen, Depeschen mit griechischen und 
hebräischen Buchstaben geschrieben, als auch Steckbriefe mit 
Porträt, vollständige KartencroquiS, wie sie ein Feldherr nicht 
ausführlicher seinen Untergebenen mit allen einnehmenden Stel- 
lungen darbieten kann — kurz, wie alles dieses einer ande 
ren Station zutelegraphirt wurde. 
Um den Außenstehenden einen kleinen Einblick in das We 
sen deS Apparates zu verschaffen, fügen wir bei, daß fämmt- 
tiche zur Übertragung bestimmten Objekte mit einer eigens 
präparirten Tinte auf Silberpapier geschrieben resp. gezeichnet 
werden, die sodann auf einen Cylinder gelegt unb ohne wei> 
tere Hülfe abtelegraphirt werden. Kaum, daß nun diese 
Apparate in der mechanischen Werkstätte des Hrn. Otto Brug 
ger ausgeführt sind, arbeitet der Erfinder bereits an einer 
Verbesserung in der Art-, damit der Aufgeber seine Depesche 
sofort selbst behandeln und telegraphiren kann. 
Verantwortlicher Nedatteur ». Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Kanzlei - Eröffnung. 
Dr. Johann Bergmeister 
hat seine Advokaturskanzlei in Feldkirch Nr. 202, 1. Stock, 
am Kirchenplatz eröffnet. 
Spinnerei Weingarten 
in Ravensburg 
auf der letzten Aoiülox* Weltausstellung 
durch dic Fortschrittsmedaille ausgezeichnet, 
verarbeitet fortwährend gegen billigen Lohn 
Flachs, Hanf und Abwerg 
zu vortrefflichem Garne und vorzüglicher Leinwand 
Vom 1. Oktober 1874 an bezahlt die Spinnerei 
die Eisenbahnfrachten her und hin und der Spinnlohn 
beträgt 12 Pfennige neues ReichSgeld für 1 Schneller 
von 1000 Metern Fadenlänge mit billiger Fehler- 
grenze. 
Die Weblöhne sind verschieden und richten sich 
nach Breite und Qualität der Webwaare. 
Nähere Auskunft ertheilen und besorgen Sen- 
düngen an obgenannte Spinnerei: 
I. Biedermann z. deutschen Rhein in Bendern. 
Feld. Walser in Schaan. 
Heinr. Rohr er, an der Bahnhofstraße in BuchS. 
Andr. Lehnheer z. Brau in GamS. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 11. Sept. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
fl 
kr. 
1 fl 1 
kr. 
fl. 
kr 
Korn 
3 
40 
1 3 1 
15 
3 
05 
Roggen .... 
2 
80 
1 2 
60 
2 
50 
Gerste 
2 
70 
1 2 1 
50 
2 
30 
Türken .... 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
^ Hafer 
1 
70 
1 1 1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Sept. 9 
+ 11 
+19 y 2 
+15 
halb hell. Rcht. Reg 
„ 10. 
+ 13 
+18 
+ 12 
fast beb., Abd. Reg. 
. Ii. 
+ 9V2 
+ 16% 
+11 
    

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