Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/146/
So gut das Kämpfen für die Früh'ese meist der AuS- 
fluß des Unv^rstanW H so gewiß ist da<5 gtMsätzliche Fest- 
halten für^WteS Wimmeln auch ein Ausfluß deS Eigennutzes 
der' WeinkäMr. > . - 
Die Zunahme deS spezifischen Gewichtes vom Moste kön« 
nen wir ldichi bestimmen, den gleichzeitigen Abgang durch Fäule, 
Vögel- und Insektenfraß aber nicht. Thatsache ist eS, daß 
die Menge deS Ertrages von der Zeit der bezeichneten^ Poll- 
reife der Trauben abnimmt und auch die Güte des Ertrages 
mit dem Aufhören der Vepitation — mit dem ersten Gelb- 
tyerden der Blätter — nicht mehr zunimmt Bei der Beur- 
Heilung deS Zeitpunktes der Lese muß ein Maximum sowohl 
ver Meng e als auch der G ü te im Auge behalten werden. 
HaS kann allerdings nur durch eine Schätzung geschehen und 
wird von der Bedeutung abhängen, die man den einzelnen 
Momenten beilegt 
Anläßlich können wir nicht umhin, noch unser Bedauern 
auszudrucken, daß Hierlands mit dem Beginnen der allgemei- 
nen Weinlese nach der amtlichen Bewilligung nicht mehr ge- 
zögert werden kann. Vielmehr sehen wir unS dann genöthigt, 
sowohl die reifen, als auch die unreifen und späten Trauben 
eiligst in Sicherheit zu bringen, weil dieselben ohne- Hut als 
bald dem Menschen- und Tbieifraße zur Beute würden. Die- 
fem empfindlichen Uebelstande vorbeugend wird in vielen Wein- 
gegenden nach Umständen zur Abhaltung der Weinlese eine 
Frist von etwa 14 Tagen festgestellt, während welcher Zeit der 
freie Zutritt in die Weinberge auf die berechtigten Wimmler 
beschränkt wird; die Traubenwache bleibt und wirv nach Be- 
darf verstärk, bis die Lesezeit herum ist. Ueberhaupt soll 
eine strenge Überwachung der reifenden Trauben nie fehlen. 
ES wird danu'l die Möglichkeit geboten, die Weinlese bei un- 
gleicher Reife unter zwei Malen zu halten, was zur Erzielung 
einer bessere!, Qualität oft von großem Werthe ist. R. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
23 Die Grafen von Werdenberg—SarganS. 
(Fortsetzung) 
Graf Hartmann I. von SarganS, Bruder Hugo II. von 
Werdenberg, starb schon vor 1271. Von seinen Thaten find 
wenige Nachrichten auf unS gekommen. Er hinterließ drei 
Söhne, nämlich Hugo, Rudolf und Hartmann. Rudolf wurde 
Johanniter in Feldkirch, wurde Comthur daselbst, trat aber 
später auS dem Orden aus und kaufte die Herrschaften Albeck 
und Langenau in Schwaben. Hartmann wurde Domherr von 
Bamberg, betheiligte sich aber trotz seines geistlichen Standes 
an den Fehden seiner Verwandten und beschädigte sogar das 
Kloster St. Johann im Thurthal. Hugo I. erbte SarganS und 
Vaduz. Er hatte einen ziemlich friedlichen Charakter u. scheint 
sich an den Fehden, die zu diesen Zeiten unsere Gegend beun- 
ruhigten, nicht viel betheiligt zu haben. Hugo vermählte sich 
mit Anna, der einzigen Tochter Heinrichs von Wildenberg, 
SchirmvogtS von PfüfferS. Letzterer wohnte auf Freudenberg 
bei Ragatz und befaß zugleich die Burg Wartau und viele 
Höfe und Güter. Dieses ganze Besitzthum erbte nun Hugo l. 
Auf den Bischof Conrad IJI. von Chur folgte Friedrich 
von Montfort — Feldkirch. Wie überhaupt die Feldkircher 
Linie deS MontfortergefchlechteS, war Bischof Friedrich dem 
Kaiser abgeneigt. Auch sein Bruder der Abt Wilhelm von 
St. Gallen lebte mit Letzterm in beständigem Zwiste und führte 
sogar Krieg mit demselben. Bischof Friedrich wollte seinem 
Bruder Hilfe leisten und zugleich sich rächen, weil der Kaiser 
den ihm feindlichen Walter von Vatz zum Schirm- und Reichs- 
vogt in Ehur ernannt' hatte. Deßhalb siel Friedrich in die 
Grafschaft Vadu! ein, denn die Grafen von Werdenberg und 
SarganS kämpften für den Kaiser. Den Bischof begleiteten 
Heinrich v. Grißenberg und Eberhard von ASpermont und 
Hugo III. von Werdenberg und die beiden Herrn von Schel 
sen beM lagen mit ihrem Kriegsvolke in der Äu bei Balzers 
im Hinterhalte MrHlen die Htttztmacht Friedrichs, erschlugen 
den v ASpermont ah deS Bischofs Äeite, nahmen diesen so- 
wie Heinrich von Großenberg gefangen und führten sie auf 
die Burg Werdenberg. (1288} Da wurden sie in beständiger 
Haft gehalten. An aller Hilfe verzweifelnd machte Bischof 
Friedrich nach zwei Jahren den Versuch sich durch zusammen- 
gebundene Leintücher vom Thurme herabzulassen und zu be- 
freien. Diese vermochten daS Gewicht seines Körpers nicht 
zu halten und rießen entzwei, als noch eine lange Strecke zu- 
' rückgelegt werden sollte. An diesem Falle verschied der Bi 
schof d. 3 Juni 1290 Sein Grab fand er in der Käthe- 
drale zu Chur. Heinrich von Grießenberg wurde ein Hahr 
darauf gegen ein großes Lösegeld aus der Gefangenschaft be- 
freit. Abt Wilhelm von St Gallen konnte der kaiserlichen 
Macht nicht Stand halten. Gr mußte sich flüchten. Zuerst 
begad er sich nach Sigmaringen, dann zu seinem Bruder Ul 
rich nach Bregenz und auch hier nicht sicher, zu seinem dritten 
Bruder Heinrich, Domprobst von Cbur. Dieser räumte ihm 
die Burg ASpermont zum Aufenthalte ein. Als Kaiser Ru- 
; dolf 1291 starb, verzieß Abt Wilhelm schnell ASpermont und 
: machte seine Rechte aufS neue geltend. Er fand nun zahl- 
reichen Anhang, besonders von Seite seiner Verwandten. Seine 
j Gegner waren die Herzoge Albrecht und Rudolf von Oester- 
reich, denen die Grafen von Werdettberg und SarganS wieder 
Hilfe leisteten. ES entspannen sich nun wieder heftige Kämpfe, 
verbunden mit Verwüstungen ganzer Gegenden (z. B. Appen 
zell). Wilhelm gelangte wieder in ruhigen Besitz seiner Ab- 
tei. Als aber Adolf von Nassau, welcher zum Kaiser gewählt 
- worden war, deS Reiches entsetzt und Albrecht I von Oester- 
reich an dessen Stelle gewählt wurde, focht Abt Wilhelm für 
den bisherigen Regenten, mußte sich aber dem Sieger Albrecht 
ergeben. Er söhnte sich jedoch mit diesem aus und starb bald 
darauf in seinem Kloster d. 13 Oktober 1301. 
Baduz, den 8. September. (Viehpreise.) Ueber den 
am 2. September in Schweinfurt abgehaltenen Rindvieh- und 
Schweinemarkt entnehmen wir einem Berichte d. H. B. d. A. 
A. Ztg. folgende Daten: 
Der Rindviehmarkt war heute bedeutend überführt; 
der Zutrieb belief sich auf 2800 Stück. Zur Ausfuhr nach 
Norddeutschland wurde zwar eine große Anzahl schwerer Zug- 
ochsen, für die Elberfelder Gegend viel Jungvieh aufgekauft; 
daS Geschäft blieb aber gedrückt, die Preise erlitten einen we- 
-sentlichen Rückschlag und viele Waare blieb unverkauft. Der 
Verlauf deS heutigen Marktes hat sicher einen weiteren Ab- 
schlag der Fleischpreise zur Folge. Es kosteten schwere Zug 
ochsen 46—52, II. Qualität 40—45, sogenanntes Mittelvieh 
33—40, schöne 2—3jährige Stiere 26—30, Jungvieh i—\% 
8—12 Napoleon d'orS das Paar. Jungvieh kostete im vo- 
rigen Jahre fast baS Doppelte. Für Landwirthe, welche Jung- 
vieh zur Aufzucht brauchen, ist wohl jetzt der günstigste Zeit- 
Punkt zum Einkaufe; die Märkte sind mit schönem Jungvieh 
übertrieben, und für viele Stücke ist eS schade, daß sie dem 
Schlächter anHeim fallen. - Schweinemarkt mit 1400 
Stück befahren. Schweine zur Aufzucht billiger, fette Schweine 
'gesuchter. Saugschweine 4—8 fl., Läufer 10—18 fl. daS 
Paar, fette Schweine erster Qualität 31—32 fl. per 50 Kilo. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. In den meisten Städten Deutschlands wurde 
der 2. September aufs glänzendste gefeiert. In Berlin begann 
die Sedanfeier Vormittags 10 Uhr mit einer Parade des Gar- 
dekorpS auf dem Tempelhofer Felde, woran sämmtliche Garde- 
! Infanterie, Kadettenkorps, acht Garde-Kavallerie-Regimenter, 
zwei Garde-Artillerie-Regimenter mit gegen 100 Geschützen, 
unter dem Kommando deS Prinzen August von Württemberg,
        

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