Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/144/
— 144 - 
fchen Wilden zu züchtigen, China verlangt nun, daß die japa- 
nesischen Truppen Förmosa binnen 90 Tagen räumen und 
macht .für den Weigerungsfall große KriegSrüstungen. Die 
japanesischen Zeitungen erwarten eine friedliche Lösung deS 
Konflikts, die chinesischen dagegen halten den Krieg für unver- 
weidlich Tpotz feiner ungeheuren Uebermacht wäre China im 
Kriegsfall nicht im Stande, Japan zu widerstehen, da dasselbe 
eine ziemlich zahlreiche Panzerflotte besitzt, wahrend die chine- 
fische in erbärmlichem Zustande sich befindet' und bald, eine 
Beute deS Feindes würde. Entscheidend aber für einen Krieg 
zwischen China und Japan wäre daS Verhalten der fremden 
Mächte, deren Interessen in den Gewässern deS östlichen Asiens 
sehr stark in Frage kommen. 
Amerika. In den Vereinigten Staaten beschäftigt man 
sich bereits mit der nächsten Präsidenten-Wahl, obschon die- 
selbe erst im November 1876 stattfindet. Da der gegenwärtige 
Präsident Grant die Absicht kundgegeben hat, zum dritten Mal 
als Kandidat aufzutreten, und seine Kandidatur namentlich in 
den Süd-Staaten Aussicht auf Erfolg haben soll, so hat am 
20. v. MtS eine in Philadelphia stattgehabte Versammlung 
der republikanischen Partei von Pennsylvanien mit großer 
Mehrheit die dritte Präsidentschafts-Kandidatur Grant'S ver- 
worfen und den Gouverneur Hartranft als republikanischen 
Kandidaten aufgestellt. 
Verschiedenes. 
Die Engländer werden deS goldenen Flitters der Mo- 
narchie nachgerade überdrüssig, weil fie ihn doch bezahlen müs- 
sen° So sagt ein englisches Blatt gelegentlich der Aussteuer 
eines der vielen königlichen Prinzen: 
„Von der großen Ehrerbietung, die man zur Vergoldung 
einer etwas unangenehmen Pille zur Schau trägt, wenn daS 
Königthum wieder vor unS tritt als eine erhabene, aber lheure 
Institution, dürfte füglich ein Theil wegfallen. Fürsten sind 
ohne Zweifel bewunderungswürdige Einrichtungen, und wir 
sollten Alle von Herzen dankbar sein dafür, daß eS so viele 
giebt. Sie haben uns unübersehbar viele geheimnißvolle Wohl- 
lhaten erwiesen, unter Änderm auch die, daß wir nicht um 
Nachfolger zu sorgen brauchen. Nur treten sie etwas oft als 
Bittsteller vor das Parlament. Die Söhne und Töchter des 
Monarchen, dann wieder ihre Kinder inS dritte und vierte 
Glied. Alle wollen von Papa John Bull ein Andenken von 
einigen lumpigen 10,000 Pfd. St. (250,000 FrcS.) Und 
wenn eS eine königliche Hochzeit oder Taufe giebt, so wird 
der gute alte Gentleman eingeladen, und er hat eine offene 
Hand. Nun — ist unser Land nicht reich genug? Soll un- 
ser Königshaus hinter andern zurückbleiben? So füllt man 
dem Murrenden ins Wort. Aber mit Verlaub, wie kommt 
eS denn, daß „unsere HülfSmittel so gering sind", allemal, 
wenn eS gilt, einem großen Bürger zu helfen, einen Gelehr» 
ten zu unterstützen, oder die Würde der Nation oder der 
Menschheit an einem bedrohten Punkt zu beschützen. Wir 
hatten nicht einmal Geld genug, um eine ansehnliche Erpedi- 
tion nach Kerguelen zu schicken zur Beobachtung der VenuS. 
Doch wir sind ja gute Unterthanen, und wollen, daß Souve- 
rane,^ so lange eS solche giebt, auch honorig gehatten werden. 
Gehören aber streng genommen alle königlichen Prinzen zur 
Krone? Sind sie, wie der Monarch, für den Glanz der Krone 
nöthig? Thun sie etwas für Land und Thron ? Wir halten 
sie für Privatpersonen, und die Dotationen sind durchaus An- 
lagen ä fbnds perdus, wie die andern, über die man wirklich 
lachen möchte, wenn wir sie nicht bezahlen müßten. Man 
giebt uns von allen Seiten zu verstehen, alle diese jährlichen 
dem Staat aufgebürdeten Renten seien nöthig zur Wahrung 
ver königlichen Würde. So — hängt diese Würde also ab 
von den Vermögensverhältnissen der jüngern Glieder deS 
HauseS? Oder wird sie durch diese immer wiederkehrenden 
Betteleien wirklich gewahrt? u. s. w. Sie sehen, daß maw 
in England seine Meinung ziemlich derb heraussagt — aber 
man bezahlt. Selbst die Radikalen sehen ein, daß man vor- 
Hand in einer , verschleierten Republik" den „Schleier" noch mit 
bezahlen muß 
Berichtigung. 
In Rr. 35, S. 138. Spalte 2, Zeile 17 von oben ist 
zu lesen: „karg" statt „kurz". 
Verantwortlicher Redatteur u. Herausgeber : Dr. Rndolf Schädler. 
Amtliche Anzeigen. 
Bekanntmachung. 
Die Fabriksirma: Weilenmann und Wächter in 
Mühleholz ist auf Herrn August Wächter als Allein- 
eigenthümer übergegangen und in Firma August Wächter 
in Mühleholz abgeändert worden. 
Fürst!. Liechtenst. Landgericht. 
Vaduz, den 28. August 1374. 
Keßler. 
Bekanntmachung. 
Die Handelsfirma: Josef Bargetzi in Triesen ist auf 
Witwe M. Anna Bargetzi als Alleineigenthümerin erbS- 
weise übergegangen und die Eintragung im Firmenregister ver- 
fügt worden. 
Fürstl. Liechtenst. Landgericht. 
Vaduz, den 28 August 1374. 
Keßler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
IVB'. Sclilegrl 
ist abwesend bis 18. September, von diesem Datum an 
aber'wieder wie gewöhnlich zu treffen. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 28. August. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

fl 
kr. 
fl 
fr. 
fl. 
fr 
Korn ..... 
3 
40 
3 
15 
3 
05 
Roggen .... 
2 
80 
2 
60 
2 
50 
Gerste 
2 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken . . 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer 
1 
70 
1 
60 
1 
50 
Monat 
Morgens Mittags AbendS 
7 Uhr 12 Uhr 6 Ubr 
Witterun g. 
Aug 
26 
+ 7% + 15 +13 
fast bedeckt. 
n 
27. 
+ 7 +16'/ 2 +14 
hell 

28. 
+ 12 +15^ +13 
bedeckt, Abd. Reg. 
» 
29. 
+ 11% +18 + 12% 
bedeckt 
n 
30 
+ 10% +16 +13 
fast hell 
u 
31 
+ 9 */2 +17 +15 
hell, etw Föhn 
Sept. 
1. 
+ 10% +19 +16% 
hell etw. Föhn 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
2. Sept. Silber 103.70 
20-Frankenstücke 8 81 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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