Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/142/
142 - 
fein zu berathen, wie die Mittel zu diesen außerordentlichen 
Auslagen zu beschaffen wären. 
Was bleibt ^ber-unter bewandten Umstanden wohl anderes 
zu thun übrig, als daß sich die inzelnen Rheingemeinden — 
nach Maßgabe des momentanen Bedarfs — zu Wuhrbau, 
anlehen entschließen, welche dann in mehrjährigen Terminen 
nach einem festgesetzten Plane wieder getilgt würden. Mit 
anderen Worten: die Auslagen für außerordentliche Wuhr- 
bauten würden anstatt in eine JahreSumlage, auf 10 bis 12 
Jahre sammt Zinsen vertheilt. 
Im Ganzen dürfte mit einem Anlegen von 40,000 f». 
dem. dringendsten Bedürfnisse entsprochen werden können; da- 
U nehmen, wir für Balzers 5000. Triefen 2000. Vaduz 4000, 
Schaan 900fl undDamprin undRuggell je !0000 fl. in Aus- 
ficht. — Sollten sich aber die letztgenannten zwei Gemeinden 
im Stillen der angenehmen Hoffnung hinneigen, daß ihnen 
später, wenn die fünf oberen Gemeinden mit großen Opfern 
sich aus ihrer Roth herausgearbeitet haben werden, eine fer« 
nere ergiebiege Unterstützung vom Lande zugewendet werde, 
so dürften ihnen vielleicht zu spät die Augen aufgehen, 
'daß sie die Rechnung ohne den Wirth gemacht haben. Wohl 
eher dürste es die finanzielle Lage des Landes und BilliqkeitS- 
gründe gestatten den bedürftigen Gemeinden unter ihrer Garan 
tu die genannten Beträge zinsenfrei, zur Abzahlung in 
etwa 10—12 JahreSterminen, zu beschaffen. 
Es ist nun freilich zunächst Sache der betreffenden Ge- 
meindever waltun gen darüber nachzudenken und zu be 
rathen : ob ihre eig enen Mittel und Kräfte aus* 
reichen i n d ejr kommenden Baukampagne f cf) ö n 
den erwähnten Anforderungen im ganzen Um- 
fange ohne Anlehen nachzukommen oder nicht. 
Die weitere Frage aber: „kann und darf es. den 
Gemeinden an heim gestellt werden die Vervoll- 
ftändiguna und SicheM„ng d^er Wuhre. wo es die 
vteisn, zu iUnler7^assen, oder auf unbestimmte 
Zeit zu verschieben", beschlägt unseres Erachtens zu sehr 
das allgemeine Interesse des Landes, um sie bejahen zu können. 
Wir glauben vielmehr, daß eS Sache des Landtages und 
zeitgemäß wäre, diese wichtigste aller Landesangelegenheiten in 
dieser Session noch reiflich in Erwägung zu ziehen. R. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte.*) 
20. Die Grafen von Werdenberg und SaarganS. 
Bei der Theilung der Güter Hugo's I. von Montfort er- 
hielt sein Sohn Hugo die Herrschaften Werdenberg, Sargans, 
Vaduz, Rheinegg, Blumenegg, Pludenz und Sonnenberg. 
Dieser nannte sich Graf von Werdenberg und nahm auch 
feinen. Sitz auf dem gleichnamigen Schlosse, dessen Erbauung 
wir bereits früher erwähnt haben. 
In die Regierungszeit Hugo's fallen die Kämpfe zwischen 
Papst Gregor IX. und Kaiser Friedrich II. Es ist hier nicht 
der Ort, auf die Ursachen und die Beschaffenheit dieser Zwistig- 
feiten einzugehen, nur das muß hervorgehoben werden, daß 
sich in Folge derselben im ganzen Reiche zwei Parteien bilde- 
ten, die sich gegenseitig bekämpften. In Rätien standen Bi. 
schof Volkard von Neuburg, Hugo von Werdenberg und die 
Mehrheit des Adels auf Seite des Kaisers,, die Klöster meist 
auf Seite des Papstes. Deßhalb hatten diese von Jenen viel 
zu leiden. Friedrich II. starb 1250. Die Nachricht von seinem 
Tode wurde auch in Rätien je nach den Parteien mit Schmerz 
oder Jubel vernommen. Die Streitigkeiten waren übrigens 
dadurch noch nicht beendigt. 
rder 'Redaktion.'Beim Wiedererscheinen dieser 
geschichtlichen Bilder m der vorletzten Nummer unseres Blattes ist 
durch Versehen der heutige Abschnitt als der geschichtlich frühere 
letder außer Acht geblieben und folgt deßhalb nach. 
In Chur starb schon km folgenden Jahr (l25t) Bischof 
Volkard und eS folgte ihm der Bruder Hugo'S, Heinrich von 
Montfort. Cr gehörte dem Dominikanerorden an. Wie fein 
Geschlecht überhaupt war er Anhänger der kaiserlichen Partei. 
Konrad IV., welcher sich alS Nachfolger feines VaterS betrach 
tete, bestätigte dem Bischof 1252 die Rechte und Freiheiten 
deS HochstiftS. Konrad starb übrigens schon 1254 und hinter- 
ließ nur einen zweijährigen Sohn, Konradin, so daß jetzt die 
Hoffnungen der kaiserlich hohenstaufsischen Partei verschwunden 
waren. ES folgte nun die kaiserlose Zeit deS sogen Jnter- 
regnums, eine Zeit des FaustrechtS und der Willkür. Bischof 
Heinrich von Chur scheint sich mehr um seine weltliche als 
seine geistliche Herrschaft bekümmert zu haben. Er baute die 
Burgen Fürstenau im Domleschg und Herrenberg bei Sevelen 
und kaufte die Herrschaften PeamS und ASpennont. Als die 
Lombarden in Rätien eindrangen, schlug er sie 1255 bei dem 
Dorfe Ems . 
Hugo von Werdenberg starb um daS Jahr 1260 Er 
hinterließ zwei Söhne, Hartmann und Hugo, und eine Toch 
ter, Elisabeth. Hartmann erhielt Eargans, Badu; und das 
Land ob der Steig bis an die Landquart. Er nahm seinen 
Sitz in SarganS und wurde der Stifter der Linie Werdenberg- 
Sargans. Hugo erhielt Werdenberg, daS er auch zu seinem 
Wohnsitze wählte. Ebenso fiel ibm Das untere Rheinthal zu. 
Blumenegg, Pludenz und Sonnenberg benutzten die Brüder 
gemeinschaftlich. Auch die Söhne Rudolf l. von Montfort- 
Feldkirch theilten ihr väterliches Erbe in drei Thnle. Diese 
beständigen Gütertheilungen entsprachen wohl einer alten Sitte, 
unterqruben aber die Macht des Geschlechtes. Zu welchem 
Ansehen und zu welchem Einflüsse hätten vie Montfort ge- 
langen können, wenn die ursprünglichen Besitzungen je einem 
Familiengliede verblieben wären! Nun wurden nicht blos die 
Güter zersplittert und daS Geschlecht in zahlreiche Seitenlinien 
c-thM, sondern eS entstanden . auch mannigfache und blutige 
TüttTfa^rtirclr um er ueu vcv wtfvyicujice jflDfX Sö 
befehdeten sich Rudolf II. von Montfort>Feldkkrch und Hugo II. 
von Werdenberg. Rudolf war sehr habsüchtig und gewalt- 
thätig Er entzog selbst den Gotteshäusern die rechtmäßigen 
Gefälle. Wahrscheinlich wegen Erbansprüchen gerieth er mit 
seinem Vetter Hugo von Werdenberg in Streit. Er fiel in 
dessen Gebiet ein, verbrannnte Grabs, zerstörte die Burg For- 
tifels, siegte sodann in offenem Feldstreite und führte 14 Edel- 
leute mit sich fort. Hugo konnte diesen Vorfall nicht so leicht 
vergessen. Er erhob daher aufs Neue Fehde gegen Rudolf. 
Ihm halfen Rudolf von Habsburg und Abt Berthold von 
St. Gallen. Sie zogen vereint nach Feldkirch, vermochten 
aber die dortige Schattenburg nicht einzunehmen, dagegen ver- 
wüsteten sie ringsum das Land und hieben Bäume und Reben 
nieder. Daß Rudolf von Habsburg sich Hugo's annahm, er- 
klärt sich aus Folgendem: Die Schwester Hugo'S, Elisabeth, 
batte sich mit Hartmann von Kyburg vermählt, Ihre Tochter 
Anna wurde die Gemahlin deS Grafen Werhard von Habs- 
burg-Laufenburg. Hartmann von KyburF war der Letzte seines 
Geschlechtes und seine Güter kamen an Rudolf von Habsburg. 
Die kyburgischen Besitzungen hatten sich bi« zum Wallensee 
etftrecft und so wurde Rudolf von HabSburg uumittelbarer 
Nachbar der Grafen von SargandS und befand sich zugleich 
zu Hugo II. und zu Hartmann I. in verwandtschaftlichen Ver- 
Haltnissen. '■ Rudolf nennt Hugo II. in einer Urkunde v. 1268 
seinen Oheim und Blutsverwandten. 
Fortsetzung folgt. 
Baduz, den 1. September. Ueber den Stand der Vieh- 
feuchen in der Schweiz giebt daS neueste amtliche Bulletin fol- 
gende Daten: 
Die Lungenseuche herrscht in Wallis in 1 Stall. 
Die Maul- und Klauenseuche in Zürich 7 Ställe, Bern
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.