Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/140/
markt: Zufuhr 900 Stück. Saugschweine 5—9, Läufer 15 
— 22 sl. daS Paar, fette Schweine 31^—32^2 si. per 50 
Kilo Schlachtgewicht. Schweinefleisch 20 kr. daS Pfund. 
Vaduz, 25. August. Cbur ruftet sich bereits auf den 
10. und 11. Oktober, an welchen Tagen der schweizerische 
Obst- und Weinbauverein seine Jahresversammlung dort ab- 
halten wird. ES wird eine Aufstellung von Obst- nnd Wein- 
Produkten veranstaltet werden. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die Anerkennung der „spanischen Republik", 
welche von der deutschen Reichsregierung zur Anregung gekom- 
men ist, gelangt nach und nach in die Phase der Verwirk- 
lichung. Nachdem England, Frankretch und Italien dieselbe 
schon seit einiger Zeit vollzogen hat, ist sie nunmehr auch von 
Seite Deutschlands und Oesterreichs erfolgt. Rußland zögert 
noch und scheint noch an gewissen angebornen Bedenken wegen 
Anerkennung von Republiken überhaupt zu leiden. 
Ter jetzt auf den 22 d. M. in Aussicht gestellte Schluß 
der Brüsseler völkerrechtlichen Konferenz scheint allen Hoffnungen 
auf ein unmittelbares Resultat dieser Berathungen ein Ende 
zu machen. Bis zu dem bezeichneten Termine können sich die 
Mitglieder der Konferenz über die Bestimmungen einigen, welche 
nach ihrer Auffassung den Humanitätsrücksichten im Kriege 
Rechnung zu tragen geeignet sind. Auf die Formulirung sol- 
cher Vorschlage scheint indessen die Aufgabe des „Kongresses" 
beschränkt?zu ^bleiben Die Regierungen, von denen fast alle 
sich den Konferenzbeschlüssen gegenüber freie Hand vorbehalten 
haben, werden dann erst in die Prüfung dieser Beschlüsse ein- 
zutreten haben. Nach einem weiteren Vorschlage der russischen 
Regierung, von dem in Brüsseler Korrespondenzen die Rede ist, 
sollen- alsdann die diplomatischen Vertreter der einzelnen Re 
gierungen, welche in St. Petersburg accreditirt sind, die nöthi- 
gen Vollmachten erhalten, um den eigentlichen Vertrag zum 
Abschluß zu bringen. Das Werk der Brüsseler Konferenz wird 
demnach ein lediglich vorbereitendes sein und bleibt es abzu- 
warten, wie viel oder wie wenig davon schließlich auf dem 
Wege der Konvention zwischen deu europäischen Staaten dem 
Kriegsrölkerrechte einverleibt wird. 
Frankreich. In den offiziellen Kreisen in Paris ist man 
über die Resultate der Rundreise des Marschalls Mac Ma- 
hon sehr befriedigt. Man folgert dies aus seiner Ausnahme 
in Le ManS und in Laval, allwo große Festlichkeiten arrangirt 
worden waren. Von Laval aus wird derselbe Saint Malo 
und Lorient besuchen und am 28 August nach Paris zurück- 
kehren. Wie offiziöse Federn versichern, wird der Marschall 
seine Rundreisen in den Monaten September und Oktober 
wiederholen und auch Südfrankreich besuchen. Die „Republique 
france" verspricht sich übrigens wenig Nutzm von diesen Rei- 
sen, denn Mac Mahon wird, wie das republikanische Organ 
meint, nur mit offiziellen Persönlichkeiten verkehren und die 
wahre Meinung des Landes in den Departements ebenso we- 
m'g erfahren, wie in Versailles oder Paris. 
Amerika. Tie beunruhigenden Symptome einer heran- 
iahenden Krisis in den Südstaaten der großen Republik des 
Westens mehren sich von Tag zu Tag. Es ist nur zu be- 
kannt, wie nach Beendigung deS Bürgerkrieges die Regierung 
der bisher von den Sklavenhaltern beherrschten Staaten den 
Negern preis gegeben wurde und wie diese wiederum, deS Re- 
gierens unkundig, nur ein Werkzeug gewinnsüchtiger Aben- 
teurer aus ^ dem Norden, der sogenannten „carpet-baggers u 
wurden. Die blutigen Konflikte, welche in Arkansas und jüngst 
wieder in Mississippi so bedenkliche Dimensionen angenommen 
haben, deuten auf ein Erstarken der Weißen, auf eine Reak- 
tion der ehemaligen Herren deS Südens. Kein Zweifel kann 
darüber existiren, daß in Staaten wie Louisiana, Südkarolina 
und Mississippi, wo die Neger eine Mehrheit der Stimmen 
besitzen, die heillose Wirtschaft nicht lange mehr fortdauern 
kann, ohne die bereits tief verschuldeten Staaten ganz zu rui- 
niren. Man mag heute darüber streiten, ob eS nicht besser ge 
wesen wäre, gleich nach dem Bürgerkriege die Südstaaten sich 
selbst zu überlassen, statt den Negern eine Macht in die Hände 
zu drücken, die sie richtig zu benützen nicht verstehen konnten, 
— sicher ist, daß heute zwei Parteien mit wildem Haß einan- 
der bekämpfen, nicht weil sie Republikaner oder Demokraten, 
sondern weil sie weiß und schwarz sind. Wir wagen nicht zu 
entscheiden, ob die Centralregierung berechtigt oder verpflichtet 
ist, durch die Gesetzgebung in diese VerHältnisse einzugreifen, nur 
daß sie die Ordnung aufrecht erhält, darf und muß man von 
ihr erwarten. Die Lage ist eine außerordentlich schwierige. Wo 
die Neger regieren, werden die Weißen bedrückt, werden die 
Staatseinkünfte auf das Gewissenloseste verschwendet, und wo 
die Weißen den Versuch machen, die alte Oberherrschaft wieder 
zu gewinnen, greifen die Neger zu den Waffen, wie eS dieser 
Tage in Austin geschah, daS gefürchtete Regiment unmöglich 
zu machen. Unter solchen Umstanden muß man befürchten, 
jeden Augenblick das in der Tiefe fortglimmende Feuer an an- 
deren Stellen wieder aufflammen zu sehen, um so mehr, als 
Präsident Grant beschuldiget wird, zu eigennützigen Zwecken mit 
den Weißen des Südens zu konspiriren. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schadler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Allen Anverwandten, Freunden und Bekannten von nah 
und fern drücken wir für die liebevolle Theilnahme während 
der Krankheit und für die so zahlreiche Begleitung zur letzten 
Ruhestatte unseres sel. VaterS, Bruders und Schwagers de5 
Herrn 
Ludwig Seger, Lehrer 
unfern tiefgefühlten Dank aus. 
Schaan, den 24. August 1874. 
Die traurenden Hinterbliebenen. 
Kanzlei-Veränderung. 
Die Kanzlei des Gefertigten befindet sich nunmehr im Erd- 
geschosse des neuen Maurer'schen HauseS nächst dem KreiS- 
gerichtS-Gebäude in Feldkirch. 
vr. Jos. Lindner, 
Advokat 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Aug. 
19 
+ 7% 
+m 
+14 
fast hell 
if 
20. 
+ 6% 
+ 15% 
+ 14% 
if 1t 
n 
21. 
+ 10% 
+17 
+ 13 3 /4 
halb hell 
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22. 
+ 11 
+ 16% 
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+ 15% 
hell 
n 
24 
+ 10 
+15% 
+ 14 
fast hell 
„ 
25. 
4- 8% 
+ 15 j / 2 
+12% 
fast bedeckt. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
26. Aug. Silber 103.85 
20-Frankenstücke 8.81 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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