Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/132/
Jahr nur so viele Ruthen, als im gegenwärtigen — wie wir 
beim Schnitt gelernt haben -- etwa 2 bis 4, abgesehen von 
einem größeren Spalierstocke. Ließe man alle diese Ruthen 
wachsen, so hätte man im nächsten Jahre so viele Ruthen, als 
jetzt Augen und der Rebstock würde im Sommer eine Wild« 
niß von Laub darstellen. Um das zu verhindern sehen wir 
unS veranlaßt eine Operation an den jungen Trieben vorzu- 
nehmen, welche als eine Borarbeit des RebschnitteS 
angesehen werden kann. ES werden schon Anfangs Juni der 
Entwicklung der Ruthen, und also auch der deS Laubwerkes, 
Grenzen nach hanz bestimmten Grundsätzen gestellt. — Eine 
Anzahl überflüssiger Triebe wird nämlich dann schon ganz weg- 
gebrochen; man nennt hier diese Arbeit daS Laubeln. Wich- 
tiger und von größerem Umfange ist die Verrichtung deS Ab- 
kappenS der mit Blüthengescheinen behangenen Ruthen, hier daS 
Verbrechen, auch Ausbrechen genannt. Dabeihat 
man zugleich zweierlei im Auge: 
a. die Früchte möglichst kräftig werden zu lassen und 
d. nur so viele Reben für'S nächste Jahr zu ziehen, als auch 
jetzt am Rebstocke sind. 
Die Ehre der Erfindung deS richtig und voll ausgeprägten, 
dahinzielenden Verfahrens wird Kecht zuerkannt; allein daS 
Ausbrechen und Kürzen der jungen Triebe im Sommer ist 
uralt. Kecht hat hierüber Grundsätze und Regeln festgesetzt, 
welche Mohr den Glanzpunkt seiner Lehre nennt und für voll- 
endet hält. Wir lassen die „goldenen" Regeln von Kecht 
folgen, welche immerhin der Natur abgelauscht sein mögen, 
müssen aber zum Voraus bemerken, daß es unmöglich ist in 
unseren Weinbergen die Zuchtruthen nach dieser Lehre zu be- 
handeln und ohne allen Eingriff wachsen zu lassen. Im 
Uebrigen sind wir mit diesen Regeln ganz einverstanden; die- 
selben lauten: 
1. An jeder Rebe läßt man das unterste Auge ganz frei 
ohne allen Eingriff fortwachsen. 
2. Die Ruthen, welche auS den übrigen Augen ausbrechen, 
werden abgekürzt (verbrochen) und zwar so, daß noch 
zwei Blätter oberhalb der obersten Traube stehen bleiben 
3f An den abgekürzten Fruchtruthen können während deS 
ganzen Sommers die Geitzen mit Nutzen abgebrochen 
werden. 
4. An den nicht gekappten Zuchtruthen sollen auch die 
Geitzen stehen gelassen werden. 
Der erste und letzte Satz (1 und 4) bezieben sich auf die 
Behandlung der Zuchtruthen, welche wir jedoch nicht ganz 
in dem gegebenen Sinne und Umfange verwenden können, so 
richtig sonst die Theorie sein mag. Wir müssen diese beiden 
Sätze daher nach unserer Anschauung umgestalten und indem 
wir dieselben berichtigen, wollen wir den ganzen Inhalt in 
einen Punkt vereinbaren wie folgt; 
1. Um fürs kommende Jahr taugliche Zuchtruthen zu er- 
halten, läßt man das unterste Auge an jeder Rebe sich 
frei entwickeln. Die unten an der Ruthe zum Borschein 
kommenden Geitzen können schon frühzeitig ausgebrochen 
werden. Das Abkürzen (Kappen) der Zuchtruthen soll 
möglichst hoch- und spät im Sommer geschehen — nicht 
eher als die Triebe vermöge ihrer Länge unbequem und 
schädlich werden. 
Punkt 2 und 3 aber behalten wir unverändert bei. 
Wir wollen diese Regeln einer nähern Betrachtung un 
terziehen. 
Da wir für'S nächste Jahr nicht mehr neue Reben heranziehen 
wollen, als wir für Heuer nöthig und am Stocke vorgefunden 
hatten, so dürfen wir an jeder alten Rebe nur ein Auge zur 
künftigen Rebe ziehen und das muß nothwendig das unterste 
sein. Weil aber die obersten Ruthen immer am stärksten wach- 
sen, indem der Safttrieb nach oben geht, so muß daS WachS- 
thum derselben beschränkt werden, denn an diesen wachsen die 
Trauben, welche der eigentliche Zweck deS WeinstockeS find, da- 
her muß auch zu Gunsten der Trauben dem WachSthume der 
obern Ruthen Abbruch gemacht und dieselben „verbrochen" 
werden. 
Beim Langschnitt und Wechselschnitt werden meist 
nur an den kurz geschnittenen Zapfen zwei bis drei Zuchtruthen 
erzeugt; die langgeschnittenen Bogen oder AuSlegreben erfüllen 
dann einzig den Zweck der Fruchtbildung. 
ES ist überhaupt der Werth dieser in drei Punkten auS- 
gesprochenen Regeln nicht hoch genug anzuschlagen. Die ge- 
kappten Fruchtruthen, welche am WachSthume gehindert find, 
geben den ganzen Saft an die Trauben ab. Die zwei Blätter 
oberhalb der Traube find nothwendig und genügen, um die 
Traube süß zu machen. Die Zuchtruthen herentgegen treiben 
und wachsen um so kräftiger, da alle anderen Ruthen gekappt 
wurden, oder weil sie allein an einem Zapfen stehen. Ueber- 
flüssige- Triebe an den Zapfen werden entweder ganz auSge- 
brochen, oder gekappt, wenn sie Früchte tragen und stehen 
bleiben sollen. 
Damit dem Stocke weniger an Substanz entzogen wird, 
soll daS Ausbrechen mit den weitern dabei vorkommenden 
Arbeiten — dem Heften oder Aufbinden der Zuchtruthen — in 
der Regel vor der Blüthe verrichtet werden, sobald die Trau- 
bengesche'me deutlich erkennbar siud. Während der Blüthe soll 
der Rebstock Ruhe haben und nach dem Verblühen käme diese 
Arbeit entschieden zu spät. 
Bei jedem Blattwinkel sind gleich zwei Augen sichtbar, wo* 
von daS schwächere (die Geitze) sofort austreibt. DaS andere 
Auge, welches oft 2 bis 3 Triebe in sich schließt, soll gut auS- 
reifen und bis zum nächsten Frühjahre schlafen, weil eS die 
Bestimmung hat, Zucht- und Fruchtruthen im kommenden Jahre 
zu erzeugen Wir müssen daher suchen, wenigstens die unten 
ay den Zuchtruthen sitzenden Augen zu erhalten — nicht zum 
Antreiben anregen, weil sonst im nächsten Frühjahre an diesen 
Stellen keine Fruchttriebe zum Vorschein kommen würden. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 7. August. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

fi 
kr. 
fl. 
kr. 
fl. 
kr. 

4 
50 
1 4 
25 
4 

Roggen .... 
3 
50 
1 3 
25 
3 
— 
Gerste ..... 
3 
20 
3 
10 
2 
80 
Türken .... 
2 
80 
1 
50 
2 
20 
Hafer 
1 
85 
i 
75 
1 
70 
Thermometerstand nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens! Mittags 
7 Uhr j 12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Aug. 
5 
+14% 
+19% 
+16 
halb hell 
tf 
6. 

+18% 
+ 15% 
trüb; etw. Regen 
w 
7. 
+13 

+18% 
hell 
n 
8. 
+12 
+24 
+14 
halb hell etw. Reg. 
H 
9 
+10 
+13% 
+12% 
trüb, Regen 
w 
10. 
+10 
+19 
+ 15 
halb hell 
n 
lt. 
+11 
+ 17 
+14 
fast bedeckt; 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
12. Aug. Silber . 103.50 
20-Frankenstücke 8.79 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.