Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/128/
— Eine am 30. Juli Abends in Berlin stattgehabte Ka 
tholikenversammlung konstituirte einen Berliner Verein der Zen 
trumspartei behufS festerer politischer Vereinigung der Katho 
liken nach erfolgter Schließung der Katholikenvereine. Die 
Statuten wurden einstimmig angenommen. 
Die Zahl der an den Reichskanzler Fürsten Bismarck ein- 
gegangenen BeglückwünfchungS-Adressen (ganz abgesehen von 
den Telegrammen, deren mehr als tausend eingegangen sind, 
und den geradezu zahllosen Privatschreiben), von deutschen 
Städten, städtischen Behörden und Vereinen, beträgt, laut der 
N. A. Z., 132, Hierunter stnd fast sammtliche Staaten deS 
deutschen Reiches und dessen namhafteste Städte vertreten. Die 
Adressen sind zum Theil äußerst geschmackvoll ausgestaltet und 
wahre Kunstwerke der Kalligraphie. 
Oesterreich. In Döbling bei Wirn starb dieser Tage 
der Baron Anselm Rothschild im 72. Lebensjahre an einem 
Leiden der Prostata, das ihn schon seit 20 Jahren belästigt 
hatte. Die „N. fr: Pr." widmet ihm einen Leitartikel, der 
mit den charakteristischen und wenig schmeichelhaften Worten 
beginnt: 
„Der Zauberklang deS NamenS Rothschild hat für Oester- 
reich eine wichtige, verhängnißvolle Bedeutung. Mit dem 
Manne dieses NamenS, der heute für immer feine Millionen 
verlassen hat, ist ein gutes Stück österreichischer Finanzgeschichte 
verknüpft, mit ihm wird — wohl für immer - - ein ganzes 
Shstem falscher, verderblicher Finanzpolitik zu Grabe getragen. 
ES war eine traurige Zeit für Oesterreich, die Epoche vom 
Jahre 1849 bis zum Jahre 1860, während welcher die Ver 
bindung unserer Finanzwirthschaft mit dem Haufe Rotschild 
die innigste war." 
Im Uebrigen war Rothschild ein liebenswürdiger, beschei- 
dener und wohltätiger Mann, der auch für die Kunst das 
Seinige that, und den Ueberfluß von seinen Millionen in 
nutzbringender Weise zu verwenden gewußt hat. 
Belgien. Letzter Tage wurde in Brüssel der internationale 
Kongreß eröffnet. Ueber seine Verhandlungen und Schluß- 
nahmen wird eS vorläufig wenig zu berichten geben, da er in 
seiner ersten kurzen Sitzung beschloß, dieselben streng geheim zu hal. 
ten Das europäische Publikum wird sich über diesen Beschluß um 
so leichter trösten, als im Allgemeinen von diesem Kongreß 
(bei aller Anerkennung seines humanen Zweckes) keine großen 
praktischen Resultate erwartet werden. England, dessen Bethei 
ligung am Kongreß bekanntlich eine Zeit lang zweifelhaft war, 
hat, nachdem eS die Zusicherung erhalten', daß die Marine 
nicht Gegenstand der Debatten und Schlußnahmen sein soll, 
sich schließlich ebenfalls zur Theilnahme entschlossen und in 
Folge dessen seine Vertretung ernannt. 
Frankreich. Die französische NationalveKammlung ist 
müde geworden. Wer die Heldenthaten ihrer Wen Session 
aufmerksam verfolgte, wird dies nicht unbegreiflich finden. 
Es hat wohl noch kein parlamentarischer'Körper die große 
Aufgabe, neue Ministerien zu schaffen, und diesen so rasch als 
möglich das Leben zu verleiden, um bei der Unlust zu ernster 
Arbeit doch mit etwas zu thun zu haben, so gründlich und 
umfassend gelöst, wie die franz. Nationalversammlung. Nach 
dieser ewigen Schaukelei and Gaukelei ist den ehrenwerthen 
Volksvertretern wohl etwas Ruhe in ländlicher Stille und Zu- 
rückgezogenheit zu gönnen. Am 6. August wird denn auch 
wahrscheinlich die Kammer vertagt werden, um in der Unthä- 
tigkeit wohlverdienter Ferien neue Kraft zu ihrem Scheinleben 
zu holen. Das Zeitliche für immer zu segnen ist sie noch kei- 
neSwegS gesonnen, und so wird Mac Mahon seine Getreuen 
für die Spätherbst- und Wintersession mit offenen Armen 
empfangen. 
Der Fels von Reichshofen und Sedan hat endlich festen 
Grund und Boden gefunden und steht sicher in der Brandung, 
die heute dieses Ministerium von seinen Sesseln schwemmt, mor- 
gen jenes auf die haltlosen FauteuilS hebt. Ob auch nach 
den Ferien die ganze Arbeit der ehrenwerthen Versammlung 
in jJntriguen und Ministenproduktion bestehen wird, ist heute 
noch nicht abzusehen. Unwahrscheinlich ist'S nicht, wenn man 
bedenkt, daß schon seit 2 Jahren dieser Art Regiment der Un- 
tergang prophezeit war, daß man manches liebe Mal schon 
stündlich auf ihren Tod wartete und sie trotz alledem und alle- 
dem lustig fort vegetirt. 
Die letzten Tage der laufenden Session wird die Versamm- 
lung noch vollauf beschäftigt sein, Beginn und Dauer für die 
das Land wichtigste Periode ihrer Existenz: die Ferien fest- 
zusetzen. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 31. Juli. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
fl 
kr. 1 
fl 
kr. 
st. 
kr. 
Korn 
4 
50 1 
4 
25 
4 

Roggen . . . . 
3 
50 | 
3 
25 
3 
\— 
Gerste 
3 
20 1 
3 
10 
2 
80 
Türken .... 
2 
80 J 
l 
50 
2 
20 
Hafer 
1 
85 
2 
75 
1 
70 
Thernlometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juli 29 
+16 
+23 
+19 
leichtbedeckt.Föhnst. 
„ 30. 
+ii % 
+12 
+11 % 
trüb; Regen 
31. 
+ 13«/4 
+13% 
+12-/- 
tt ff 
Aug 1. 
+14 
+19 
+17 
fast bedeckt 
» 2 
+15 
+ l93/ 4 
+ 18% 
fast hell 
„ 3 
+13% 
+22 
+ 16 
halb hell Abd Reg. 
.. 4. 
+16 
+ 18 
+16 
bedeckt; früh Reg. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
6. Aug. Silber .......... 103.50 
20-Frankenstücke . 8.81 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.