Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/116/
116 - 
ist der Fall wahrscheinlicher, daß wir wieder ein Jahr 
ohne Früchte „Holz p stanzen" — also finn- und zweck- 
loS. Die Ueberzahl der Blüthen am langen Schenkel kann mit 
leichter Mühe entfernt werden. An die weniger fruchtbaren un- 
teren Augen der kurz geschnittenen Schenkel können wir aber 
nachträglich keine Blüthen hinzaubern, wenn der Schnitt zu 
kurz war. 
Wir nehmen Anlaß, auf dieses Verfahren — Anwendung 
deS Langschnittes — bei der Behandlung der zurück gekürzten 
alten Rebstöcke, welche hier und im ganzen Rheinthale jetzt — 
nach den drei verflossenen Fr oft jähren — sehr häufig vorkom 
men, die Rebleute besonders aufmcifsäm zu machen; müssen 
aber zugleich rathen, daß sie an diesen Reben recht viel Laub 
stehen lassen und die Seitentriebe (WuchSzähne) an den Zucht- 
ruthen unberührt lassen, also nicht auSbrech en. Zurück ge- 
köpft sollen diese gar nicht werden, oder erst spat, wenn die 
Ruthe zu lange und unten braun wird. Dieses Verfahren ist 
hier zwar neu und wird daher Kopfschütteln verursachen; die 
nähere Begründung wird folgen. 
Man nimmt allgemein an, daß vieles Laub den Rebstock 
schwäche. Nur die Ruthen werden geschwächt, weil die auS der 
Wurzel aufsteigende Saftmenge zur Ernährung einer größeren 
Anzahl Ruthen sammt Blätter vertheilt wird: Wurzelwerk und 
Stock leiden dadurch nicht. Man bricht deßwegey frühzeitig bei 
dem „Läubeln" eine beschränkte Anzahl überflüßiger Triebe ab, 
damit den Zuchtruthen und Fruchttrieben mehr Säfte zugeleitet 
werden, Oft geschieht aber diesfalls des Guten zu viel. Das 
Blatt ist ein eben so nöthigeS Organ deS RebstockeS wie die 
Wurzel. DaS Laub zieht für das Gedeihen jeder Pflanze eben 
so nöthige Stoffe aus der Luft, als die Wurzeln aus der Erde. 
Daher besteht auch eine Wechselwirkung von Laub und Wur 
zel auf die Rebe, welche jeder Rebzüchter erkennen und nie beim 
Schneiden und bei den Arbeiten im Laubwerk außex Acht 
lassen soll. Wie ein starkes Wurzelwerk kräftige Ruthen und 
üppiges Laub hervorbringt, so ist reichliches Laub wieder ge- 
schaffen um den Stamm und die Wurzeln zu vergrößern und 
die Trauben süß und saftig zu machen. Schneidet Man an 
einem Baume die Zweige stark zurück, in Folge dessen das 
Laubwerk sich weniger entwickeln kann, so wird in gleichem 
Maaße auch das Wurzelwerk verkümmert bleiben ; so ist eS 
auch beim Rebstocke. Wenn aber durch zu starken Eingriff in 
das Laubwerk die Wurzeln der Reben sich nicht entwickeln konn- 
ten, so dürfen wir unmöglich nächstes Jahr erwarten, daß sie 
uns mit der entsprechenden üppigen Fülle von Ruthen und 
Blüthen erfreuen werden. Dieses zu starke Entlauben der Reben 
soll nach dem glaubwürdigen Ausspruche erfahrener Weinzüchter 
auch daS ftühe Absterben des Wurzelwerkes verursachen und 
daS öftere Vergruben der Stöcke nöthig machen. 
Mohr sagt: «Alle kohlenstoffhaltigen Gebilde am Wein- 
stocke (und jeder Pflanze) können nur dadurch entstehen, daß 
die Blätter unter dem Einflüsse von Wärme und Licht Sauer- 
stoff ausscheiden und den Kohlenstoff in Verbindung mit den 
Elementen deS Wassers zu organischen Stoffen in den Wein- 
stock niederlegen. Solche sogenannte Kohlenhydrate find der 
Traubenzucker, die Stärke, die Holzfaser. Auch die anderen 
Stoffe, wie Weinsteinsäure, Blattgrün, Oel u. f. w. entstehen 
unter den gleichen Bedingungen. Ist viel Laub an dem Wein- 
stocke vorhanden, so können große Mengen Sauerstoff an die 
Luft abgegeben und es ckönnen entsprechend große Mengen 
Traubenzucker und Holzfaser gebildet werden. ES folgt dar- 
auS , daß bei Entwicklung vieler Früchte an einer Rebe auch 
eine verhältnlßmäßig größere Menge Laub vorhanden fein muß, 
um diese Trauben zu ernähren und süß zu machen. Bricht 
man versuchsweise an einer Rebe alle Blätter auS, so bleiben 
die daran fitzenden Früchte klein, sauer und hart und daS 
Holz wird nicht reif. Umgekehrt wird bei reichlichem Laub die 
Frücht und daS Holz reif und das Wurzelwerk kräftig." 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf GchSdler» 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Kalkaairaf« 
Kommenden Montag und Dienstag wird bei der Ziegel- 
Hütte Hohlweg Sevelen ein so eben frischgebrannter Wetter 
Kalk auSgemessen, ebenso find Ziegel aller Sorten vorräthig. 
Sevelen, den 14. Juli 1874. 
Hagmänn zur Traube. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 10. Juli. 
Der halbe Metzen 
r öcht 
mittlere 
geringe 
fl 
kr. 
_ff. 1 
kr. 
fl. 
kr. 
Korn . . . . . 
4 
"iol 
4 
25 
4 
— 
Roggen . . . . 
3 
50 I 
3 
25 
3 
>—' 
Gerste 
3 
20 I 
3 
10 
2 
80 
Türken .... 
2 
80 
1 
50 
2 
20 
Haftr 
I i 
85 1 
2 
75 
1 
70 
Thermometerstand «ach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
S Uhr 
W i ttt rung. 
Juli 
8 
+18 
+25 
+20 
halb hell 
H 
9. 
+15 
+23 
+21 
hell 
H 
10. 
+15 
+26 
+21 
halb hell 
n 
11. 
+14Vi 
+23% 
+18 
hell RachmGwrg 
V 
12. 
+15 
+21% 
+21% 
fast hell 
» 
13 
+14 
+22 
+20% 
»/ H 
H 
14. 
+i*'A 
+23% 
+21 
hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
16. Juli Silber . . . ....... 104.30 
20-Frankenstücke „. 8.87 
Druck von Keinrich 0raf in Felvtirch.
        

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