Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/112/
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züge deS Schnittes bleiben aber bei jeder ErziehungSart die- 
selben: überall wählt man die schönsten und stärksten Reben 
zum Tragen der Frucht und zwingt schwächere Reben durch 
kurzen Schnitt wenige aber desto stärkere Ruthen zu treiben. 
Verschiedeues. 
*Vortheilha ste Benutzung der Hühnerfedern. 
Wie viel Gutes und Brauchbares läßt Unverstand und Uw 
wissenheit nutzlos zu Grunde gehen! So auch die Hühnerfe« 
dern, die in kundiger Hand ein so kostbarer Stoff sind. 
Man schneidet die Bärte mit der Scheere vom Kiel ab, 
füllt ste trocken in Säcke, reibt sie darin zwischen den Händen 
mit einer Bewegung, die ähnlich dem Waschen ist, und nach 
5 Minuten sind sie fein zerpflückt und verfilzt und bilden ei- 
nen gleichmäßigen guten Flaum, der gegenwärtig in Paris 
zu zehn Franken das Pfund verkauft und allem Anschein nach 
im Preise noch steigen wird. 
Die Federn eines Huhnes oder „Güggels" wiegen durch 
schnittlich 3—4 Loth und sind nach obigem Preise einen Fran- 
ken werth, so daß daS Fleisch selber wenig oder nichts mehr 
kostet. * 
Nach der „Economic rurale" wird dieser treffliche Flaum 
unter dem Namen „Edredon artificiel", d. h. künstlerischer Ei- 
derdun, in Paris nicht nur zur Füllung von Kissen u. drgl. 
verwendet, sondern man verarbeitet ihn bereits zu einem äu- 
ßerst dauerhaften und leichten Tuche. 
* Zur Leichenverb rennungS frage. Wenn der 
Mensch im Leben oft in Feuer und Flamme aufgeht — Feuer 
fängt — von brennenden Fragen gedrängt wird ~~ sich in 
LiebeSgluthen verzehrt — eS ihm, wie dem Pagen Cherubim, 
im Herzen brennt — er für seinen Freund durchs Feuer geht 
— er von Luft und Begierde brennt — wie auf Kohlen steht 
~ glühende Kohlen auf sein Haupt sammelt — sich die Fin- 
ger verbrennt — in der Jugend und auch noch oft im Alter 
seine ^Flamme" hat — gebrandmarkt umherläuft — gebrannte 
Wasser trinkt — sich gegen FeuerSgefahr versichert — sich um 
die Brennpunkte deS Lebens stets bewegt — durch Lob ange 
feuert wird — im Krieg inS Feuer geht — durch Wuth in 
Feuer geräth — sich als Gebrannter vor dem Feuer fürchtet 
hart wird im Feuer der Erfahrungen — sich stets tnS beste 
Licht zu setzen sucht — an Entzündungen leidet — sich oft den 
Mund verbrennt — abbrennt, sogar durchbrennt — im Alter 
noch einmal aufflackert, um schließlich zu verlöschen 
warum soll dieser unser ausgebrannter Körper nicht noch ein- 
mal zu Asche verbrannt werden? — Wir gestehen, daß diese 
Argumente so durchschlagender Natur sind, daß kaum mehr ge- 
gen die Zündbarkeit derselben etwas zu sagen ist. 
* Amerikanisch. Von dem Redakteur einer Missouri- 
Zeitung erschien folgende rührende Klage um fein dahingegan 
genes Eheweib in den Spalten seiner Zeitung: „So starb sie 
denn, mein Weib! Nicht länger werden ihre liebenden Hände 
mir die Stiefeln ausziehen und das Haar auf meinem Hin- 
terhaüpte scheiteln, wie dieS eben nur eine Gattin versteht. Noch 
werden jene willigen Füße hin und her trippeln, um meinen 
Kohlenbehälter oder mein Waschbecken zu füllen. Nicht länger 
wird ste sich unter den wildesten Stürmen deS WinterS erheben 
und, leise sich fortschleichend, daS Feuer anzünden, ohne den 
Schlummer des Gatten zu stören, der ihr so innig zugethan 
war. Ihre Erinnerung ist in dem Gerzen meines HerzenS 
eingegraben. Ich wollte ihren Körper einbalsamiren, fand aber, 
daß ich eS billiger haben könne, indem ich ihr Gedächtniß ein- 
bglsamire. Ich verschaffte mir von Eli Mudgek, einem meiner 
Nachbarn, einen recht artigen Grabstein. Sein Weib war 
schwindsüchtig und er hatte sich denselben in Erwartung ihreS 
HghinscheidenS vor Jahren angeschafft. Ihr Zustand ver- 
besserte sich jedoch im letzten Frühling, und seine Erwartungen [ 
wurden gesäuscht. Den Kummer deS arryen Menschen, als ich 
ihn bat mir den Grabstein zu überlassen, werde ich nie vergessen. 
„Nehmt ihn, Skinner," rief er unter Schluchzen, „und wöget 
Ihr nie erfahren, was eS heißt, solche bittere Enttäuschungen 
erleben zu müssen"; und dabei brach er in einen Strom von 
Thränen aus. Sein Geist war gebrochen, gänzlich gebrochen. 
Ich ließ folgendes Epitaph auf den Grabstein setzen: „Zum 
Gedächtniß an Tabiga, Weib deS Moses Skinner ESq. dem 
Gentlemen Redakteur der „Trombone" („Posaune"), Abonne- 
ment 3 Dollars per Jahr — versteht sich im voraus bezahlen. 
Eine gütige Mutter und ein exemplarisches Weib. Geschäfts- 
lokal über ColemanS Spezereiwaarenhandlung über zwei Trep- 
Pen. Man bittet stark zu klopfen. Wir werden dich vermissen, 
Mutter, wir werden dich vermissen. Drucksachen werden be- 
sorgt; man bittet um Kundschaft. Wie Rahel weinte über 
ihre Kinder, so schreit mein zerschundener Geist in der Agonie 
deS Schmerzes Ein Lichtstrahl drang jedoch in die verzweifelnde 
Seele. Der Sarghändler und Leichenbesorger ließen sich auf 
Gegenrechnung ein und der Leichengräber schuldete mir längst 
eine Kleinigkeit, die ich auf andere Weise sicher nicht erhalten 
hätte. Warum sollten wir trauern über die geheimnißvollen 
Wege der Vorsehung und ihrer Umgebung?" 
Verantwortlicher Redakteur «.Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Oejfentliche Erklärung. 
Erkläre hiemit, daß ich meinen Beruf als Hebamme, wie 
bisher ausüben werde, und bezeichne jene Nachrichten, denen 
zu Folge diejenigen, welche mich als Hebamme rufen sollten, 
die übliche Taxe sowohl an mich als auch an die neuange- 
stellte Gemeinde Hebamme zu bezahlen hätten, als durchaus 
unrichtig. 
BalzerS, den 3. Juli. 
Katharina Wille, 
Hebamme. 
Kornpreife vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 3. Juli. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
_ 
f* 
kr. 
fl. 
fr. 
fl. 
kr. 

( 4 
50 
4 
25 
4 

Roggen . . . . 
3 
50 
3 
25 
3 
— 
Gerste 
3 
20 
3 
10 
2 
80 
Türken .... 
2 
80 
1 
50 
2 
20 
Hafer | 
1 
85 
2 
75 
1 
70 
Thermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juli 
1 
+11 
+20% 
+19% 
hell 
» 
2. 
+13 
+2l'/2 
+21 
n 

3 
+15 
+25 
+22-/2 
11 
*t 
4. 
+16V4 
+26 
+ 18 
„ ; AbdS.Gwrg, 
tt 
5. 
+16% 
+22% 
+20 
halb hell 
n 
6 
+I6V2 
+20 V 2 
+20% 
n n 
n 
7. 
+14 
+23 
+22 
hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
8. Juli Silber . . . . . . ... . . . 105.05 
20-Frankenstücke . 8.92 
Druck von Heinrich ©raff in Feldkirch.
        

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