Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/11/
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Strafansätzen, da er die der Verfügungen als zu hart fand. 
Die Justizgesetzgebungskommission, welche beide Anträge zu begut- 
achten hatte, that dies in gründlicher Weise vom Rechtsstand- 
Punkt aus, und fand an den Verfügungen der Oberschulbe- 
Hörden rechtlich nichts auszusetzen, daher sie zu dem Antrag ge- 
langte: über die beiden Anträge der Abgeordneten Völmle und 
Schwandner zur Tagesordnung überzugehen. Die Kammer 
nahm den Antrag der Justizgesetzgebungökommlssion an. 
Oesterreich. Die plötzliche Schließung des Vorarlbergs 
Landtages, die wir in der letzten Nummer unsern Lesern be 
reits mitgetheilt haben, hat sich indessen aufgeklärt Auf der 
Tagesordnung der verhängnißvollen Sitzung stand ein feiere 
licher Protest gegen die Wahlreform, welche vom vorigen 
ReichSrathe in Wien zum Beschlüsse e» hoben und vom Kaiser 
sanktionirt worden war. Die Regierung m Wien wollte und 
konnte den ewigen Protesten der bekannten Vorarlberger Land- 
tagsmajorität gegen den gesetzlichen Bestano der österr. Staats- 
einrichtungen nicht mehr mit gleichgültigem Auge zusehen und 
hat somit die Schließung des Landtages beschlossen. 
Frankreich. Die Zeiten sind vorüber, wo der Neujahrs- 
tag in den Tmlerien nicht nur vom diplomatischen Corps in 
Paris, sondern von ganz Frankreich mit ängstlicher Spannung 
erwartet wurde und wo alsdann jedem vom Kaiser gefproche. 
nen Worte eine besondere Bedeutung beigelegt zu werben pflegte. 
Die Anrede, welche Mac Mahon nicht an die Vertreter deö 
Auslandes, aber an eine Deputation der Nationalversammlung 
richtete, deutet darauf hin, daß sich die Regierung vollständig 
bewußt ist, daß Frankreich seine Kräfte zunächst auf die Lösung 
der Aufgaben im Innern concentriren muß. In dieser Be- 
ziehung ist sozusagen noch Alles zu lhun. 
Die drohende MinisterkrisiS in Versailles, von welcher uns der 
Telegraph unterhält, ist durch eine Abstimmung in der Ratio- 
nalversammlung herbeigeführt worden, die auf den ersten Blick 
nicht sehr bedeutend scheint. Von legitimistischer Seite wurde 
nämlich beantragt, das bereits mehrfach erwähnte Gesetz über 
die Mairien zu verschieben bis nach Erlaß deS Munizlpalge- 
setzes, und der Antrag wurde angenommen. Bekanntlich wa- 
ren die Bestimmungen, welche dem Gesetz über die Mairien zu 
Grunde lagen, außerordentlich diktatorischer und radikaler Na- 
tur, ohne daß man die Notwendigkeit eines solchen einem 
vollständigen Belagerungszustand entsprechenden Verfahrens 
eingesehen hätte. Es war daher gewiß ein sehr vernunftiger 
Antrag, die Angelegenheit in aller Form und Ruhe im Zu- 
sammenhang mit dem Gesetz über die Munizipalitäten zu be- 
rächen, statt ein Provisorium einzuführen, das dann schon 
wieder zu beseitigen gewesen wäre. Obschon der Antrag von 
einem Legitimisten ausging, haben sich offenbar viele Mitglieder 
von andern Parteien, vielleicht auch von der Linken, demselben 
angeschlossen, daher die Empfindlichkeit des KabinetS. Ob die 
Demission des Ministeriums wirklich ernst gemeint ist und ob 
sie dieses Mal wird angenommen werben, oder ob der Schritt 
nur zu jene» wohlfeilen Manövers gehört, womit die Minister 
der Nationalversammlung ihr gnädiges Mißfallen bezeugen wol- 
len, darüber läßt sich nach den spärlichen Andeutungen der 
Telegramme nicht urtheilen. 
Amerika. Californien. Die Bewohner von Cali- 
fornien, namentlich die Arbeiter, welche mit den eingewander- 
ken Chinesen nicht konkurriren können, haben ihre Einwände 
gegen fernere Einwanderung der Chinesen in einer Petition an 
den Präsidenten und den Senat der Ver. Staaten aüSeinan- 
hergesetzt und verlangen eine Amendirung oder Kündigung des 
bestehenden Vertrages mit China. Die Petenten beschweren 
sich, daß die Chinesen von 15 Cts. per Tag leben können und 
das Erübrigte nach Hause schicken. Es sei daher unmöglich 
für Bürger, mit ihnen zu konkurriren. Außerdem heißt es in 
der Eingabe, daß die Chinesen die Arbeit in den Augen der 
heranwachsenden Generation heruntersetzen, ^laß ihre Gewohn 
heiten und Lebensweise den Amerikanern so zuwider sind, daß 
ein gegenseitiger Haß immer mehr sich heranbildet, der zu Blut- 
vergießen führen muß; daß die Chinesen sich nimmer der kau- 
kasischen Race assimiliren, durch ihre Laster auf die Jugend 
einen demoralisirenden Einfluß ausüben ic DaS Verbot der 
Einwanderung allein könne Zusammenrottungen und Blutver- 
gießen verhindern. 
Feuilleton. 
Flotte Bursche. 
Humoreske von Felix Lilla. 
(Schluß.) 
„Herr Auktionator — wie ist Ihr werther Name?" 
„Hillbrecht." 
„Herr Hllbrecht wird die Güte haben, als Zeuge mit zu 
unterzeichnen, ebenso auch mein Freund." 
So geschah es. 
Der Verkauf wurde rechtskräftig abgeschlossen. — 
„Sie werden mich halten für einen Narren, Herr Hllbrecht," 
sagte Low Oppenheimer draußen auf dem Flur zu dem Auktio 
nator, indem er zärtlich den Mops streichelte.und fest an sich 
preßte. „Sie haben mich gezwiebelt diese Gojems! Aber Sie 
werden bald sehen, daß Löw Oppenheimer nicht ist maschugge! 
Kommen Sie mit in mein Haus — werde ich Ihnen zeigen, 
was heißt ein großes Geschäft!" — 
Drinnen aber sagte Bueephal zu Kalmäuser: 
„Paß aus! Es kann nicht fehlen! Der Geldmops kommt 
wieder! Der läßt uns nicht im Stich!" 
4. 
Was ist des Menschen Wahn? — ' ■ . 
Traumbild, Chimäre, Ideal, Illusion, Hirngespinnst, blauer 
Dunst! „ 
Was ist Glück? — 
Wenn Jemand einen Fünftansendthalermops für vier Groschen 
kauft. 
Was ist Pech? — 
Wenn Jemand einen Viergroschenmops für tausend Thaler 
ersteht. — — 
Ganz zerschmettert und vernichtet taumelte Löw Oppenheimer 
zusammen, als er zu Hause in seinem Zimmer angekommen war 
und in dem aufgeschnittenen Mops nicht das gesuchte Portefeuille 
mit fünftausend Thalern fand. 
Halb wahnsinnig durchwühlte er den Mopskanaster, fand aber 
keinen Pfenning. 
„O, Sarah!" schrie er kreideweiß vor Schmerz und Wuth, 
„warum hast du mir das gethan?" 
Der Auktionator, der daneben stand konnte kaum das Lachen 
verbeißen. Unterwegs hatte ihm der Wucherer das Geheimniß 
des Mopses enthüllt. In einem Küchennotizbuch der verstorbe- 
nen Sarah hatte er eine Aufzeichnung über den verborgenen 
Schatz gesunden und nicht an der Richtigkeit gezweifelt, da ein 
gleichfalls vorgefundener Vermögensstatus über die Kapitalien 
seiner Schwester fünftausend Thaler mehr nachwies als an baarem 
Geld nach ihrem Tode vorgefunden worden war. 
„Es scheint, daß ihre verstorbene Schwester sich einen kleine» 
Scherz mit Ihnen erlaubt hat, Herr Oppenheimer!" sagte Herr 
Hillbrecht sauft. 
„O, Sarah, Sarah, Sarah! stöhnte der unglückliche Wuche- 
rer „wo hast du hingethan das Geld? Ist doch kein Geld im 
Mops, wie du hast geschrieben in deinem Küchenrezeptbnch unter 
dem Mazzerezept!" 
„Sollten die Studenten auch das Geld gefunden haben?" 
„O, Vater Abraham, Isaak und Jakob! Dann hätten mich 
gezwiebelt die Bösewichter! Waih geschrieen! waih geschrieen!"
        

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