Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/109/
I 
Liechtensteinische 
Zweiter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 28. 
den 10. Juli 1874. 
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werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
s kr. — Briefe und Gelder 
Alpwirthschaftliche Betrachtungen, (l.) 
(Eingesendet.) 
Bei einem Gange durch unsere Alpen drängt sich unS un- 
willkürlich die wichtige Frage auf, wem gehört eigentlich dieses 
große Gebiet, wer ist der Herr, der hier das Zepter führt. Es 
sind verschiedene Herren und verschiedene Köpfe; klare und un- 
klare, vorsichtige und unvorsichtige, solche welche die ferne Zu- 
kunft und solche die nur die nächste Gegenwart inS Auge 
fassen. Die Klaren, die Vorsichtigen wissen, daß durch die 
sorgfältige Wahrung, Erhaltung und Verbesserung deS Grund- 
kapitalS dasselbe in seinem ursprünglichen Werthe sich wenig- 
stenS gleich bleibt^ ja sogar, wenn nicht außerordentliche Na«' 
turereignisse eintreten, zunimmt. Die Unklaren, Unvorsichtigen, 
Habsüchtigen merken nicht , daß der Boden unter ihren Hüßen 
wankt, und die scheinbare»» noch reichen Väter an der schnel- 
len Verarmung ihrer Kinder arbeiten. 
Die Eigenthumsverhältnisse auf unfern Alpen gestalten sich 
folgendermaßen: 
a. Gemeinde-Alpen 7 
b. KorperationS-Alpen 10 - 
c. Privat-Alpen 2 
19~~ 
Auf diese 19 Alpen können jährlich 1170 Kühe, 1145 
Stück Galtvieh und 1000 Schafe getrieben werden. Man 
kann also füglich behaupten, daß die meisten unserer Alpen 
im Besitze von einer größern Anzahl von Köpfen find, die in 
einer öffentlichen Gemeindeversammlung (Alpgemeinde) über 
die Behandlung und Benutzung ihres Eigenthums abstimmen 
und zur Ausführung ihrer Weisungen eine Kommission (AuS- 
schuß) oder Alpvögte wählen, von deren persönlichen Einsicht 
und Willenskraft das Schicksal der Alp abhängig ist. 
WaS nun in erster Linie die ertheilten Weisungen anbe- 
trifft, so darf man ohne Hehl sagen, daß bei gemeinsamem 
Eigenthum der augenblickliche, der naheliegende — wenn auch 
geringere Gewinn vor dem ferneliegenden, wenn auch größeren 
— Nutzen den Sieg davon trägt. Man betrachtet das ge- 
meinfame Besitzthum als eine Milchkuh, an der alle melken 
wollen, ohne daran zu denken, daß man die Kühe auch füt- 
tern müsse. Einsichtige Alpwirthe klagen deßhalb fortwährend, 
daß ihre Verbesserungsvorschläge keine Gnade finden, weil man 
alle Auslagen theuer fiijde lind alle Einnahmen sogleich in die 
Einzelsäcke zu leiten bestrebt sei. 
WaS die Persönlichkeiten in den Alpkommissionen anbetrifft, 
so ist die Wahl häufig Sache deS Zufalles, der Gunst und 
des alten Herkommens, aber nicht der nöthigen Tüchtigkeit 
und Sachkenntniß, und daher kommt es, daß die Alpvögte 
fast den ganzen Sommer hindurch gemüthlich im Thale zu 
Hause sitzen bleiben und die Sennen und Hirten ganz nach 
Belieben schalten und walten lassen. 
In Folge dieser Uebelstände stellt sich dann die unbestrittene 
Thatsache heraus, daß die Gemeindealpen durchgehends am 
schlechtesten und Privatalpen am besten besorgt sind, und eS 
wäre Hobe Zeit, einmal von Seiten des Staates und deren 
Gemeinden die Frage von der Bewirtschaftung der Alpen 
ernstlich in Erwägung zu ziehen; eine gewisse Aufsicht und 
Belehrung in dem Gebiete der Alpenwirthschast ist gerade so 
dringend wie in der Forstwirthschaft. die erstere war bis dato 
ein verachtetes Stiefkind der Gemeinden. 
An allgerneiner Belehrung hat eS nicht gefehlt, die fürst- 
liche Regierung hat seit 7 Jahren die Schäden nach allen 
Richtungen aufgedeckt und zwar so, daß die Belehrung^ Je 
dermann zuganglich wurden; aber die Ueberzeugung deSNoD- 
standeS, deS jährlichen Rückganges, der Verarmung deS Bo- 
denS ist in seltenen Fällen zum Durchbruch gekommen 
wenn bei einzelnen der Fall eingetreten ist, daß Verbesserungen 
vorgeschlagen wurden, da hat die Menge meistens „Kreuziget 
ihn" erwiedert. (Fortsetzung folgt) 
Vaterländisches. 
Baduz, den 7. Juli. Die verzollbaren Produkte deS AuS- 
landes sollen, wie man hört, künftig an der österreichischen 
Grenze einF um 6% erhöhte EingangSsteuer unter der. Form 
der Zahlung in Gold erhalten. Die französische, italienische 
und die schweizerische Regierung scheinen mit diesem Vorhaben 
von Seite deS österreichischen Finanzministeriums nicht einver- 
standen zu sein. Der Gesandte der Schweiz, v. Tschudi, nahm 
schon im Monate April Gelegenheit, nicht nur seine eigene Re- 
gierung, sondern auch die Vertreter Frankreichs und Italiens, 
den Marquis d'Harcourt und den General Robilant auf die 
schutzzöllnerischen Pläne aufmerksam zu machen, welche der eis, 
leithanifche Finanzminister DepretiS in der gedachten Richtung 
verfolgt. Für die Schweiz insbesondere ist diese Angelegenheit 
eine Lebensfrage, da die Mehrzahl der schweizerischen industri 
ellen Erzeugnisse, welche nach Oesterreich eingeführt werden, 
außer Stande ist, einen Zollzuschlag von 6% zu ertragen. 
Jetzt sind die Vertreter der oben genannten Mächte von Paris, 
Rom und Bern aus mit Instruktionen versehen worden, welche 
ihnen eine gemeinsame Aktion beim österreichischen Ministerium 
deS Auswärtigen zur Pflicht machen und ihnen vorschreibe»!, 
dem Grafen Andrassy nicht zu verhehlen, daß diese drei Ltaaten 
unter keinem Vorwande sich die Umgehung und Außerkraftsetzung 
jener Privilegien handelspolitischer Natur gefallen zu lassen, 
gedenken, die ihnen die bestehenden Handelsverträge rechtmäßig 
sichern. DaS deutsche Reich hat sich bisher von diesen Prä-
        

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