Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1874
Erscheinungsjahr:
1874
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1874/102/
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sondern auch sehr dringlich, weil jeder Tag deti NndeSbewöHnern ' 
im Verkehre mit der Schweiz und Deutschland Derluste bringt. 
Durch den Artikel XII deS österWchisch-llechtensteinischen 
Zollvertrages vom ^23 Dezember f86ä ist zwar Liechtenstein 
an das. österreichische Münzsystem gebunden; allein da Osterreich, 
Mie verlautet, im Begriffe steht, die Zölle in Gold statt in 
SilberMinheben zu lassen, wird eS dem Fürstenthum Liechten- 
stein Mm' die Zumuthung machen können, die entwertheten 
österreichischen Silbergulden und Viertelgulden als LandeSmünze 
beizubehalten. 
In Anbetracht dieser Umstände glaubte der Landesausschuß 
obigen Beschluß fassen zu müssen und setzt hiemit den Landtag 
von diesem Beschlüsse in Kenntniß. 
Vaduz, 23. Zum. Die schweren Gewitter, welche nach 
rn bedeutenden Hitze der ersten Junitage im benachbarten 
Vorarlberg und der Schweiz theilweise bedeutenden Schaden 
anrichteten, haben nach den Zeitungsnachrichten auch anveröwo 
noch großartigere Verwüstungen hervorgebracht. So hat sich 
insbesondere über Mailand ein furchtbares Hagelwetter ent- 
laden. Um halb' 5 Uhr fielen die ersten Schlössen und der 
Hagel währte daW zehn Minuten^ in welcher Zeit er großen - 
Schaden hesonderS -an GlaSwert verursachte Die Viktor^ ' 
Emanuel-Gallerie wurde fast gänzlich ihres Glasdaches beraubt. 
De.r >Kyden war $ bedeM- --M. GtaA, Der 'Schaden soll mehr' 
M JööjiiW J*. hetmgcni ;rnan -bedarf zur Herstellung nur 
Jll d^n öffentlichen. 
Mrtm Wey die-Wume kahs, Md iW LMbe^idaS am Boden 
lieg^ , fand man Talchen Wd pudere Vogel todt. ES fielen 
schloffen..hj§ zur GrößeemeS kleinen Hühnereies. ^DaS The- 
Vepme. hat.seini? Korstellungen einstellen müssen. Die 
Äärten und Felder ringS um die Stadt find bis zur Unkennt 
lichkeit verwüstet, Die EisenbahnhofSgebaulichkeiten 'sind, wie 
viele andere, jedenfalls hart heimgesucht. In der Verwirrung 
haben eine Anzahl Personen Verletzungen erlitten. Viele 
Pferde der ymnibuSgesellschaft stürzten vor Angst zur Erde. 
ÄuS Steiermark wird berichtet, daß dort in Folge anhaltender 
Regengüsse und Schneefälle abermals eine bedeutende Ueber- 
schwemmung eingetreten ist. .. 
Ueber die GetreideauSstchten entnehmen wir der „Schweiz. 
Handelszeitung" vom 18. d. MtS. folgende Notiz: „Die Hoff- 
nungen auf eine reichliche Mittelernte find in den letzten 14 
Tagen eher gestärkt als gemindert worden. Abgesehen von 
einigem Hagelschlag in West- und Süd-Europa, der nun ein- 
mal zu dieser Jahreszeit nicht ausbleibt, war die Witterung 
so günstig als möglich; auch das zeitweise Sinken der Tem- 
peratur dürfte eher nützlich als schädlich gewesen sein. In- 
dessen find wir der Ernte noch lange nicht so nahe, daß die 
ziemlich allgemeine Befriedigung mit dem Stande der Felder 
schon einen entschiedenen Preisrückgang bewirken könnte, um 
so weniger, als die Gelehrten beharrlich behaupten, daß es mit 
den Vorräten bald zu Ende sei. Wir Laien glauben nun 
zwar nicht, daß die Menschheit im nächsten Monat gezwungen 
sein könnte, (ich mit Pasteten statt mit Brod zu nähren; allein 
nicht wir^ sondern die gescheiten Leute wissen genau, wie viel 
geerntet und gegessen wird, und wie viel jeder Landmann noch 
in seiner Scheuer hat. Darum ist eS gewiß nur zu unserem 
Besten, daß die gescheiten Leute die Preise bestimmen und uns 
recht lange theureS Brod essen lassen^" 
Deutschland. Am 15. d. wurde die zweite Generalver- 
sammlung des deutschen Katholiken - Vereines im „Frankfurter- 
Hof" zu Mainz eröffnet. Der katholische Adel ist zahlreich 
vertreten, die Beteiligung von auSwürtS überhaupt stark. Viele 
Telegramme Wd Zuschtlsten find eitigelaufen 
In EmS Weilett gegettwärtig zum Kurgebrauch die Kaiser 
■ Ot.p 
von Rußland und Deutschland, um welche sich eine Menge 
fürstlicher Persönlichkeiten gesammelt haben. H 
# Die süddeutsche n Volksvertretungen zu Stuttgart und 
München hatten fich- wieder mit Gesetzesentwürfen, „einen Kre- 
dit für außerordentliche Bedürfnisse des HeereS" betreffend, zu 
befassen. Die immer höher geschraubten Anforderungen für 
dgS Militärwesen erwecken in den Kammern sehr gemischte Ge- 
fühle von Lust und Schmerz über den Segen der glorreichen 
Siege der deutschen Waffen und über das Glück des holden 
Friedens in deren Gefolge. In der württembergischen Kammer 
wurde das Kreditbegehren (2/z Millionen Gulden) für Bau- 
ten und Einrichtungen in den verschiedenen Garnisonen, na- 
mentlich das Pöstchen von 400,000 Gulden für ein* neue 
protestantische Garnisonskirche, energisch angefochten; doch um- 
sonst, AlleS mürbe ben>ifligt. — 
Ein entschiedenerer Ausdruck wurde dem Mißmuth über die 
mehr und mehr sich steigenden Ansprüche an das Land für 
Militärzwecke in der baierischen Kammer gegeben Der Abge- 
ordnete Freitag äußerte sich im Eingänge seines Berichtes über 
den bezüglichen GefetzeSentwurf wie folgt: 
„ Die Vorlage hat mich gewiß mit vielen Andern überrascht, 
da mau annehmen zu müssen glaubte, daß mit dem bewilligten 
reichlichen Pauschquantum von mehr als 20 Millionen per 
Jahr das Land alle Ansprüche des MilitarS an die Staats 
kasse abgefunden! habe. Diese Annahme war noch um so mehr 
begründet, als nach offizieller Versicherung daS gegenwärtige 
Deutsche Reich so mächtig, gebietend und impönirend ist, daß 
Niemand einen Angriff auf dasselbe wage. Die Erwartung, 
daß nach Niederwerfung deS sogenannten Erbfeindes (der frei- 
lich im Jahr 1866 der Erbfreund zu sein schien) die Macht- 
stellung deS Deutschen Reiches zur Ausbreitung der Segnungen 
deS Friedens, zur Reduzirung der den Nationalwohlstand auf 
mannichfaltige Weise schädigenden stehenden Heere, und damit 
zur Verminderung der Steuer benützt werden würde, schien 
nach den von allen Seiten gegebenen Versicherungen und der 
Erfahrung nach gewiß gerechtfertigt. Und nun werden wieder 
Millionen Gulden, nicht zum Retablissement im eigentlichen 
Sinne, zur Wiederherstellung deS swws quo arte, sondern zur 
Erhöhung der Schlagfertigkeit der Armee verlangt! Als ob 
diese Armee nicht Siegerin, sondern Besiegte gewesen wäre! 
Anstatt uns mit einer Aufbesserung der Beamten, einer Ver- 
Minderung der Steuern, einer Erhöhung der Ausgaben füt 
ideale Zwecke des Staates beschäftigen zu können, wird unS 
die Bewilligung von 24 Millionen über die ordentlichen AuS- 
gaben hinaus zugemuthet, nicht im Kriege, nicht besiegt zur Er- 
holung aus einer Niederlage, sondern im Frieden und als 
Sieger. Und dies überdieß noch lyit der in Folge deS Mili- 
tärgesetzeS von 1374 gewiß eintretenden bedeutenden Erhöhung 
deS ordentlichen Militärbudgets und im Angesicht eineS nur 
durch künstliche Mittel ins Gleichgewicht gebrachten Budgets, 
das in der nächsten Finanzperiode ein nur durch Steuerer- 
höhung zu deckendes Defizit aufweisen wird! Keine Vermin- 
derung der Steuern, sondern eine Erhöhung im Frieden, nach- 
dem ver Besiegte mehr als 5 Milliarden Franken erlegt hat." 
Schweiz. In Amden (Kt. St. Gallen) sind durch Brand- 
Unglück 14 Häuser eingeäschert worden. 
Zu dem bald stattfindenden eidgenössischen Schützenfeste in 
St. Gallen sind an Ehrengaben schon mehr als 100,000 FrcS. 
eingegangen. 
Italien. Am 8. Juni feierte ganz Italien den Tag der 
Verfassung, welche dem Lande seine Einheit wiedergab. Ben- 
galische Beleuchtung, Feuerwerke und andere Knalleffekte ver- 
herrlichten dieses Fest Ter Munizipalrath von Neapel aber 
fand, man könne daS Geld zweckmäßiger anwenden, ^und veran- 
staltete eine Brodauötheilung an die Armen. Leider fand hiebei 
eine Katastrophe statt, indem der Boden deS SaaleS, worin die 
Hungernden gespeist wurden , einbrach und eine große Anzahl
        

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