Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/98/
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schäftShäuser ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer 
brach in einem Möbelmagazin auS. 
Verschiedenes. 
Wohnungsverhältnisse. Wenn man die Wohnungsver- 
hältniffe der 5 größten Stävte Europa's zusammenstellt, so er- 
gibt sich mit mathematischer Sicherheit der übergroße Einfluß, 
den die Wohnungen auf den moralischen und physischen Zu- 
stand der Bevölkerung ausüben. In London kommen auf ein 
HauS 8 Personen, in .Berlin 32, in Paris 35, in Petersburg 
52 und in Wien 55. In demselben Maße, wie die Zahl der 
Bewohner in einem Hause zunimmt, steigt auch die Sterblich- 
keit; denn von 1000 starben in London jährlich 24, in Berlin 
25, in Paris 28, in Petersburg 41 und in Wien 47. 
Auch die Zahl der unehelichen Geburten, der beste Maßstab 
für die Sittlichkeit, folgt dieser Reihe. In London betragen 
sie nämlich 4 Prozent, in Berlin 16, in Paris 20, in Peters- 
bürg 26 und in Wien 51. Die Kosten der Wohnungen ver- 
zehren vom Einkommen: In London y 10 bis %, in Berlin 
% bis V 4 , in Paris über % in Wien %. 
Schweiz. Zürich. In Enge in unmittelbarster Nähe 
der Stadt hat sich am 4. d. Abends ein entsetzlicher Unglücks- 
fall zugetragen. Eine Dienstmagd war mit 3 Kindern allein im 
Hause zurückgeblieben. Die Magd schloß nun das Haus ab und be- 
gab sich mit den Kindern in ihre Kammer, die sie ebenfalls 
hinter sich riegelte, und schrieb einen Brief nach Hause. Während 
deS Schreibens bemerkte sie, daß die Neolinlampe nicht mehr 
hell brannte. Sie wollte nun ohne das Licht auszulöschen, 
frisches Oel zugießen, als das Neolin in der Flasche Feuer 
fing, dieselbe zerplatzte und das brennende Neolin sich über ihre 
Kleider ergoß. Im Augenblicke stand die ärmste in lichterhohen 
Flammen, sie eilte in ihrer Verzweiflung ans Fenster und rief 
mit herzzerreißender Stimme um Hülfe, in welches Hülfege- 
schrei sich der Jammer der angsterfüllten Kinder mischte. Rasch 
?amen Nachbarsleute, fanden aber das Haus verschlossen und 
da auf ihr wiederholtes Läuten nicht geöffnet wurde, holten sie 
eine Axt herbei und sprengten erst die Haus- und dann die 
Kammerthüre. In der Kammer bot sich ihnen ein entsetzlicher 
Anblick dar. Das arme Dienstmädchen lag auf dem Boden, 
immer noch brennend, ganze Fetzen Haut hingen vom Ober- 
körper herunter und statt der Haut fand sich eine oft bis 1 ^ 
Linien dicke schwarze Brandkruste auf dem Leib. Dennoch lebte 
die Unglückliche noch die ganze Nacht, bis sie am andern Morgen 
der Tod erlöste. Die Kinder blieben unversehrt und die rasch 
herbeigeeilte Hülfe konnte auch jede Feuersgefahr beseitigen. 
Landwirtschaftliches. Der Regenwurm. Von jeher 
ist der Regenwurm zu den schlimmsten Gästen gezählt worden, 
die den Kulturboden beleben. Wenn auch über Schaden, wel- 
chen derselbe anrichtet, der Landwirth im Klaren ist, so fehlt 
doch meistens noch die Einsicht über den unberechenbaren Nutzen, 
den dieses kleine, so sehr verhaßte Thier bringt. ES ist der 
Regenwurm, der dem Menschen seine Gärten, Aecker, Wiesen 
und Wälder düngen, pflügen und besäen hilft. Auf den 
Aeckern besorgt derselbe die Düngung durch sein unermüdliches 
Streben, alle Blüthen, Hälmchen, Stielchen, kurzum alle ver- 
welkten organischen Ueberreste unter den Boden zu ziehen, ver 
hindert somit deren Verzottelung durch den Wind und befördert 
die Humifikation derselben. Gewiß mag auf diese Weise auch 
manches Körnchen Unkraut in den Boden gelangen, aber mit 
der Hacke wird dieser Schaden zur rechten Zeit wieder gut zu 
machen sein. Auf den Wiesen und in den Wäldern, wo die 
Kultur vorzugsweise auf Selbstsaat angewiesen, ist daS stille 
Walten deS Regenwurms geradezu unentbehrlich. Denn hier 
besorgt derselbe das Pflügen, Düngen und Säen im groß- 
artigsten Maßstabe. 
Wie fängt man Käser am billigsten? Ein Franzose 
erzählt darüber im Chroniqueur Folgendes.' Am frühen Mor- 
- 
gen stelle ich ein altes Faß ohne Deckel unter einen Baum; 
am Boden des Fasses brennt ein Nachtlicht; die Wände sind 
mit Schusterpech bestrichen. Nun kommen die Käfer „z'Licbt," 
surren im Fasse herum, rennen „in's Pech" und können nicht 
mehr fort. In kurzer Zeit ist mein Faß voll und ich kann 
„anrichten,"; mit Pech für 60 Rp. will ich eine ganze Gegend 
von den Käfern befreien. 
Schlafwäggons. Seit einigen Tagen ist bei den Kourier- 
zügen der Bergisch-Märkischen Bahn eine Neuerung eingeführt, 
welche als ein bedeutender Fortschritt in dem Komfort des 
Eisenbahnreisens bezeichnet werden muß. Es kursiren nämlich 
zunächst auf der Route Berlin-Aachen und in kurzer Zeit auch 
auf der ganzen Route Berlin-Ostende Schlafwaggons, welche 
ganz ähnlich den jedem Zeitungsleser bekannten amerikanischen 
Pullmann'schen PalastwaggonS gebaut sind. Der Schlaf- 
Waggon enthält Coupe's erster und zweiter Klasse, in denen 
Abends durch Niederlassen der Sitze und Aufklappen der Rück- 
lehnen bequeme Betten hergestellt werden, welche, mit Kopf- 
kissen, Betttüchern und Decken versehen, die Nachtlager in man- 
chem Hotel ersten Ranges beschämen. Zu der Benutzung dieser 
Schlafwaggons sind die mit Schnellzugsbilleten versehenen 
Reisenden berechtigt, wenn sie dem Wärter des Waggons noch 
eine, übrigens mäßig gehaltene Zuschlaggebühr entrichten. 
Ein originelles Konzertprogramm. In einer fran- 
zösischen Ortschaft veranstaltete ein durchreisender deutscher 
Sängertrupp ein Konzert. In aller Eile wurde ein Verzeich- 
niß der vorzutragenden Gesangstücke entworfen und die Zeddel 
gedruckt. Diese Eile, die unleserliche Handschrift des Direktors 
seine zweifelhafte Orthographie und die mangelhafte Kenntniß der 
deutschen Sprache von Seiten deS Setzers förderten folgendes 
Programm zu Tage: 1. Jndroduktion: Kommst am Morgen 
roth daher. 2. Aennchen von Aarau ist' die mir gesellt. 3. Sah 
ein Knab ein Rößlein stehen. 4. Nun leb wohl du kleine Kasse. 
5. O Iesis, o Osiris(Zauberflete). 6. Süßer Rauch der 
Frühlingsluft. 7. Unter allen Zipfeln ist Ruh. 8. Vatter, ich 
ruffe dich brüllend. 9. Was schimmelt dort vom Berge so 
schön 10. Wir klauben all an Einen Gott :c. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schadler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 20. Juni. 
* 
J Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
fl. 
kr. 
1 fl 
kr. 
fl. 
kr. 

4 
10 
4 
— 
3 
90 
Roggen .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
j Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
2 
80 
2 
70 
2 
60 
! Hafer ..... 
1 
60 
1 
50 
1 
40 • 
Thermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
| Monat 
Morgens! Mittags 
7 Uhr j 12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juni 18 
+i4y 2 
+ 18 % 
+14 
trüb; Reg. 
„ 19. 
+13 
+16 4 / 2 
+1554 
fast trüb. 
„ 20. 
+14% 
+isy 2 
+18% 
hell. 
„ 21. 
+12-/2 
+21 
+17 
fast hell. 
„ 22. 
+13 
+21 
+20 
hell. 
„ 23. 
+16 
+18 ^2 
+15 
trüb; Reg. 
„ 24. 
+14 
+ 19y 4 
+16 
trüb; etw. Reg. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
25. Juni 100 fl. Silber 110.— 
20-Frankenstücke 8.90 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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