Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/95/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 23. 
den 27. Juni 1873. 
Die liechtensteinische 
Poftverfendung und Zust 
übrige Ausland ganzjährig» st., yaiviayrtg , iv n. p r vi|. t ,v„ tl!) . —.. .. ..... ... 
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Vaduz, den 24. Juni 1873. 
Die Redaktion. 
Vaterländisches. 
Landtagsverhandlungen. 
Bezüglich der Deckung des Dammbaukostenrestes von 
33,000 fl. hat die fürstliche Regierung nachfolgende Vorlage 
' beim Landtage eingebracht: 
Löblicher Landtag! 
Nach der beiliegenden, vom fürstl. Landestechniker angefer- 
tkgten Uebersicht beansprucht die notwendige Erhöhung und 
Verstärkung der Binnendämme eine Arbeit, von welcher, 
Feuilleton. 
Meister Martin, der Küfner, und seine Gesellen. 
Novelle von E. T. A. Ho ff mann. 
(Fortsetzung.) 
Das Lied gefiel. Allen über die Maßen wohl, aber Keinem 
so sehr, als dem Meister Martin, dem die Augen vor Freude 
und Entzücken glänzten. Ohne auf Vollrad zu achten, der bei- 
nahe zu viel von der stumpfen Schoßweis Hans Müller's sprach, 
die der Geselle gut getroffen, ohne auf ihn zu achten, stand Meister 
Martin aus von seinem Sitze, und schrie, indem er sein Paßglas 
in die Höhe hob: „Komm her, — du wackrer Küper und Meister- 
singer — komm her, mit mir, mit deinem Meister Martin sollst 
Du dies Glas leeren!" Neinhold mußte thun, wie ihm geboten. 
Als er zu seinem Platze zurückkehrte, raunte er dem tiefsinnigen 
Friedrich ins Ohr: „Nun mußt du singen — sing das Lied von 
gestern Abend." „Bist du rasend?" erwiederte Friedrich ganz 
wie der wohllöbliche Landtag selbst zu wiederholten Malen an- 
erkannte, unter keiner Bedingung abgesehen werden darf — 
die respektable Summe von nahezu 93,000 fl. 
Zur Deckung dieser landschaftlichen Auslage sind der fürst- 
lichen Negierung bisher erst 60,000 fl. flüssig gemächt, und 
zwar: a. der auS der fürstlichen MajoratShauptkaffe bereits 
behobene Darlehenbetrag von '50,000 fl. und b. von dem Heuer 
bewilligten fürstlichen Bauvorschusse per 125,000 fl. der Theil- 
be.trag von 10,000 fl. 
Der ergebenst Gefertigte stellt nun NamenS der fürstlichen 
Regierung das Ersuchen, der löbliche Landtag wolle diese Be- 
Hörde zur rechtzeitigen Beschaffung der nölhigen Geldmittel er- 
mächtigen und zu diesem BeHufe für daö heurige Jahr die 
Einhebung der doppelten Grundsteuer, sowie die Kündigung 
der landschaftlichen Kapitalien bewilligen. 
Der bestehende Ausfall von 33,000 fl. würde sonach in 
folgender Weise seine Deckung finden." 
s.'durch den mit Jahresschluß 1872 laut Landesrechnung 
verbliebenen baaren Kasscrrest von 6000 fl. 
b. durch den nach dem 1873er Landesbüdget sich Heuer 
ergebenden Ueberschuß an Empfängen mit 9000 fl. 
e. durch den doppelten Grundsteuerbetrag von 5000 fl. 
d. durch die eingehobenen Kapitalien der behebten Steuer 
und durch außerordentliche Zuflüsse von Zollgeldern mit 5000 fl. 
e. durch die Einlösung der landschaftlichen Kapitalsbriefe 
in der Summe von 5000 fl. 
f. endlich durckdievorschußweiseJnanspruchnahmevon 3000 fl. 
aus den auf die Baukampagne 1874 entfallenden Wuhrfub- 
sidien. 
Mit besonderer Hochachtung 
Vaduz, am 28. Mai 1873. 
v. Hausen. 
erzürnt. Da sprach Reinhold mit lauter Stimme zur Gesell- 
schaft: „Ihr erhabenen Herren und Meister! hier mein lieber 
Bruder Friedrich ist noch viel schönerer Lieder mächtig und hat 
eine viel liedlichere Stimme als ich,, aber die Kehle ist ihm ver- 
staubt von der Reise, und da wird er ein andermal seine Lieder 
in den herrlichsten Weisen Euch auftischen!" Nun sielen Alle mit 
Lobeserhebungen über Friedrich her, als ob er schon gesungen 
hätte. Manche Meister meinten sogar endlich, daß seine Stimme 
in der That doch lieblicher sei, als dke des Gesellen Reinhold, so 
wie Herr Vollrad, nachdem er noch eit^volles Glas geleert hatte, 
überzeugt war, daß Friedrich doch die deutschen schönen Weisen 
besser treffe, als Reinhold, der doch gar zu viel Italisches an sich 
habe. Aber Meister Martin warf den Kopf in den Nacken, schlug 
sich auf den runden Bauch, daß es klatschte, und rief: „das sind 
nun meine Gesellen — meine, sag' ich, des Küpermeisters 
Tobias Martin zn Nürnberg Gesellen!" — Und alle Meister 
nickten mit den Häuptern und sprachen, die letzten Tropfen aus 
den hohen Trinkgläsern nippend: „ja, ja! Eure, des Meister 
Martins Gesellen! — Man begab sich endlich zur Ruhe. Rein-
        

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