Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/91/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 22. 
den 20. Juni 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig s fl., halbjährig l fl.lOkr. sammt 
Postversendung unv Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig l fl. 25 kr.; für das 
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Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die Lgespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Vergleichende Iusammenstellung 
der Zifferansätze der Landesrechnung vom Jahre 1872 und jener des Finanzlandesbudgets. 
E m p f ä n g e. 
Nach der 
Landesrech- 
nung 
fl. kr. 
Nach dem 
Budget 
fl. I kr. 
Die wirklichen Empfänge 
betrugen 
mehr JJ weniger 
fl. fr. fl. kr. 
Pachtgefalle 
Steuern . 
Hundesteuer 
Behebte Steuer 
Grundsteuer 
Gewerbesteuer 
Klassensteuer 
Salzsteuer 
Zotlgelder 
Tax- und Stempelerlös 
Kapitalzinse 
Unterschiedliche Empfänge 
Summa der Empfänge 
Hiezu die durchlaufenden Verrechnungsposten mit . 
Gesammtjahreseinnahmen 
Vorjähriger Rechnungsrest ...... 
Ergibt laut Rechnung 
und zwar 153979 fl. 49 kr. in Silber und 20404 fl. 58 kr. in Bank 
noten 
415 
15552 
235 
173 
10000 
1239 
4M 
3492 
15764 
6070 
236 
72737 
27 5 
31 
84 
73 
74 
30 
40 
74 
63 5 
400 
10313 
140 
173 
5000 
| 1500 
3500 
15400 
4000 
250 
62 
14 
5239 
95 
5000 
151 
364 
2070 
72757 
. 
67z 
31 
84 
47 
30 
40 
110776 
22805 
66 o 
39 
133582 
40802 
05 5 
Ol 5 
174384 07 
30363 62 
80413 
04 
8 
13 
26 
21 26 
Feuilleton. 
Meister Martin, der Küfner, und seine Gesellen. 
Novelle von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Friedrich vermochte vor lauter Wonne und Seligkeit kaum zu 
athmen, nur verstohlen blickte er dann und wann nach der, die 
fem ganzes Gemüth erfüllte. Er starrte vor sich hin auf den 
Teller, — wie wär' es ihm möglich gewesen, nur Einen Bissen 
hinunter zu bringen. Neinhold dagegen wandte die Augen, aus 
denen funkelnde Blitze strahlten, nicht ab von der lieblichen Jung- 
frau. Er fing von seinen weiten Reisen zu erzählen an, auf solch' 
wunderbare Art, wie es Rosa noch niemals gehört hatte. Es 
war ihr, als wenn Alles, wovon Reinhold nur sprach, lebendig 
aufginge iu tausend stets wechselnden Gestalten. Sie war ganz 
Aug', ganz Ohr, sie wußte nicht, wie ihr geschah, wenn Rein- 
hold im vollen Feuer der Rede ihre Hand ergriff und sie an 
seine Brust drückte. „Aber," brach Reinhold plötzlich ab, „aber 
Friedriche was sitzest Du da stumm und starr? — Ist Dir die 
Rede vergangen? Komm! — Laß uns anstoßen auf das Wohl 
der lieben, holden Jungfrau, die uns so gastlich bewirthet." 
Friedrich ergriff mit zitternder Hand das große Trinkglas, daS 
Reinhold bis an den Rund gefüllt hatte und das er (Reinhold 
ließ nicht nach) bis auf den letzten Tropfen leeren mußte. „Nun 
soll unser braver Meister leben," rief Reinhold, schenkte wieder 
ein und abermals mußte Friedrich das Glas austrinken. Da 
fuhren die Feuergeister des Weines durch sein Inneres und regten 
das stockende Blut an, daß es siedend in allen Pulsen und Adern 
hüpfte. „Ach, mir ist so unbegreiflich wohl," lispelte er, indem 
glühende Röche in sein Antlitz stieg, „ach, so gut ist es mir ja 
auch noch nicht geworden." Rosa, die seine Worte wohl ganz 
auders deuten mochte, lächelte ihn an mit unbeschreiblicher Milde. 
Da sprach Friedrich, befreit von aller Bangigkeit: „Liebe Rosa, 
Ihr möget Euch meiner wohl gar nicht mehr erinnern?" „Ei, 
lieber Friedrich," erwiederte Rosa mit niedergeschlagenen Augen, 
„ei, wie wär's denn möglich, daß ich Euch vergessen haben sollte 
in so kurzer Zeit? Bei dem alten Herrn Holzschuer — damals
        

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