Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/87/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 21. 
den 13. Juni 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl.lOfr. sammt 
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werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Landtagsverhandlungen. 
Bericht des LandeSauSschusseS über die 1872er Staa ts- 
rechnung. 
Berichterstatter: Abg. Keßler. 
Meine Herren! 
Der Voranschlag für das VenvaltungSjahr 1872 präli- 
minirte die Staatsausgaben auf 24,670 fl. 43 kr. und die 
Einnahmen auf 30,363 fl. 62 kr. Nach der StaatSrechnung 
für das Jahr 1872 belaufen sich die (Kinnahmen auf 174,384 fl. 
7 kr. und zwar 153,979 fl 49 kr. in Silber und 20,404 fl. 
58 kr. in Banknoten; dieGesammtauSgaben auf 163,704 st. 61 kr. 
und zwar 143,418 fl. 68 kr in Silber und 20,285 fl. 93 kr. 
in Banknoten. Außerordentliche, im Budget nicht vorgesehene 
Einnahmen und Ausgaben erhöhten die Rechnungsergebnisse in 
ungewöhnlicher Weise. Unter den Einnahmen befinden sich die 
Vorschußeinzahlung der fürstlichen MajoratShauptkassa auf 
Rheinschutzbauten per 25,000 fl. und die Einzahlung deö Vor- 
arlberger EisenbahnkonsortiumS auf Bodeneinlösung zur Eisen- 
bahn mit 47,447 fl. 11 kr. Unter den Ausgaben erscheinen 
für Eisenbahngrundeinlösung. 62,240 fl. 10 kr. Silber und 84 fl. 
Banknoten, dann für Rheindammbauten 51,205 fl. 8 kr , end 
lich die Restsumme für Katastralarbeiten per 1332 fl. 49 kr. 
Nach der vergleichenden Zusammenstellung deS Budgets und 
der StaatSrechnung befinden sich unter den Einnahmen und 
Ausgaben durchlaufende Posten mit ca. 23,000 fl. 
Die Wenigereinnahmen sind nicht nennenSwerth. Mehr- 
einnahmen sind: 
84 fl. 67 kr. 
95 fl. - kr. 
5000 fl. — kr. 
151 fl. 47 kr. 
364 fl. 30 kr. 
2070 fl. 40 kr. 
72737 fl. — kr. 
Pachtgefälle um ... . 
Hundesteuer um . . . . 
Grundsteuer um .... 
Gewerbesteuer um . . . 
Zollgelder um .... 
Tax- und Stempelerlös um 
Unterschiedliche Empfänge 
Die Grundsteuer wurde nach Festsetzung deS Budgets mit 
Zustimmung deS Landtags auf's Doppelte erhöht; daher die 
Mehreinnahme von 5000 fl. 
Die Mehreinnahme für Tax- und Stempelerlöö per 
2070 fl. 40 *kr. hangt jutc den neuen Grundbuchsemlagen bei 
der Katastnregulirung und mit der großen Zahl von AbHand- 
lungen in Folge besonders vieler Sterbfälle im Jahre 1872 
zusammen. 
Unter den unterschiedlichen Mehrempfängen per 72,737 fl. 
befinden sich die obenerwähnten außerordentlichen Einnahmen 
für Rheinschutzbauten und Eisenbahngrundeinlösung. - 
Mehrausgaben sind: 
Für den Landtag Taggelder mehr 
Beamtenbesoldung 
Katastralarbeiten 
Straßenkonservirung 
Beiträge zu öffentlichen Fonden 
Besondere Auslagen . . . 
Für Eisenbahnbau .... 
„ Rheindammbauten... 
Zur Rechtfertigung dieser Mehrausgaben bezieht sich der 
Berichterstatter kürzehalber auf die der vergleichenden Zusam- 
menstellung von der fürstlichen Regierung beigefügten Erlau- 
terungen 
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206 fl. — fr. 
487 fl. 58 kr. 
1332 fl. 49 fr. 
748 fl. 51 fr. 
461 fl. 15 fr. 
1567 fl. 67 fr. 
62324 fl. 10 fr. 
51205 fl 08 fr. 
Feuilleton. 
Meister Martin, der Küfner, und seine Gesellen. 
Novelle von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Da sprach aber der Aeltere: Und hast Du mir denn nicht 
auch beigestanden mit tüchtigem Rath? Mein Gemälde ist wohl 
nichts Schlechtes, aber Du hast den Preis davon getragen, wie 
slch's gebührt. Nach gleichem Ziel zu streben, wacker und offen, 
das ist recht Freundes Sache, der Lorbeer, den der Sieger er- 
hält, ehrt auch den Besiegten. Ich liebe Dich nun noch mehr, 
da Du so tapfer gerungen und mit Deinem Siege mir auch 
Ruhm und Ehre gebracht hast. — Nicht wahi>, Friedrich , der 
Maler hatte Recht? — Wacker, ohne allen tückischen Hinterhalt, 
um gleichen Preis ringen, sollte das wahre Freunde nicht noch 
mehr, recht aus der Tiefe des Herzens einigen, statt sie zu ent- 
zweien? Sollte in edeln Gemüthern wohl kleinlicher Neid oder 
gar hämischer Haß Raum finden können?" „Niemals," erwiederte 
Friedrich, „gewiß niemals. Wir sind nun recht liebende Brüder 
geworden, in kurzer Zeit fertigen wir Beide wohl das Nürn 
berger Meisterstück, ein tüchtiges, zweifudriges Faß, ohne Feuer 
getrieben; aber der Himmel mag mich davor bewahren, daß ich 
auch nur den kleinsten Neid spüren sollte, wenn das Deinige 
lieber Bruder Neinhold, besser geräth, als das meinige." „Ha, 
ha, ha," lachte Reinhold laut auf, „geh' mir mit Deinem Mei 
sterstück, das wirst Du schon fertigen zur Lust aller tüchtigen 
Küper. Und daß Du'S nur weißt, was das Berechnen der Größe, 
der Proportion, das Abzirkeln der hübschen Rundung betrifft, da 
findest Du an mir Deinen Mann. Und auch in Ansehung des 
Holzes kannst Du Dich auf mich verlassen. Stabholz von im 
Winter gefällten Steineichen, ohne Wurmstich, ohne weiße oder 
rothe Streifen, ohne Flammen, das suchen wir aus. Du kannst 
meinen Augen trauen. Ich stehe Dir in allem bei mit Rath und 
That. Und darum soll mein Meisterstück nicht geringer ausfallen." 
„Aber du Herr im Himmelsthrone," unterbrach hier Friedrich den 
Freund, „was schwatzen wir davon, wer das beste Meisterstück 
machen soll? — Sind wir denn im Streit deßhalb? — Das
        

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