Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/86/
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zirken die Bauern laut nach dem früheren Zustande zurückver- 
langen, da sie zwqr an die Scholle gebunden waren und 
frohnen Mußten, aber doch von ihren Herren so gehalten waren, 
daß es ihnen an Brod und Branntwein nicht fehlte! Auch der 
Adel ist mit der Bauern-Emanzipation vielfach zu Schaden ge- 
kommen: die Bewirtschaftung der ihm gebliebenen Güter leidet 
schwer unter den angegebenen Mißständen, und dte ihm in 
Papjerrubeln gezahlten Entschädigungssummen schmolzen un- 
glaublich zusammen, sobald er die Papiere in Silber umsetzen 
wollte — AlleS wollte seine Papiere möglichst rasch versilbern, 
der Markt ward damit überfüllt und der Werth von Papier zu 
Silber verhielt stch oft wie 1:3. Ueberhaupt leidet der russi- 
sche StaatSkredit schwer unter den Folgen der absoluten Re- 
gierungSform; denn wo ist eine Kontrolle vorhanden, welche 
etwaige neue Anlehen, die den KurS der alten herabdrücken, 
erschwert? wo eine Bürgschaft in den StaatSeinrichtungen gegen 
denÄankrott; hier wird in letzter Instanz eben alles von dem 
Selbstherrscher aller Reußen entschieden —- gut, ist er gut, 
schlecht, er schlecht. Dazu kommt, daß der Adyl steuerfrei 
ist und die ganze Last von den untern Ständen getragen 
werden muß; ein Unrecht daS sich selbst auf den persönlichen 
Ljdel 'erstreckt. Diesen erhalten alle geistig bedeutenden Ele 
mente, die der Staat dadurch an sich fesseln will, so z. B. 
jeder, der daS Abiturientenexamen erstanden hat. Ueberall 
heißt eS, der Gährung im Volke gegenüber: Aufklärung! Bit« 
düng! Schulen! Allein dazu sind Jahrzehnte, ist ein neues 
Geschlecht erforderlich, und wer kann sagen, ob daS alte da- 
Hinscheiden wird, ohne daß der Staat von furchtbaren inneren 
Fütterungen heimgesucht worden ist? 
Milchkühe, gute, zu erhalten. Um gute Milchkühe zu 
erhalten, ist eS von großer Wichtigkeit, dieselben nach dem 
ersten Kalben so lange als möglich fortzumelken, weil eS durch 
Erfahrung feststeht, daß die Kühe stets um dieselbe Zeit auf- 
hören, Milch zu geben, in der man sie daS erste Mal trocken 
oder für sich stehen ließ. Wenn man z. B. eine Kuh, die nach 
dem ersten Kalben wieder trachtig wird, im fünften Monat 
trocken stehen ließ, so wird bei allen folgenden Kälbern, wenn 
nicht früher, doch zur selben Zeit bei ihr die Milch versiegen. 
Man melke deßhalb eine Erstlingskuh, wenigstens bis zu 8% 
Monat fort, füttere sie aber dabei möglichst reichlich und gut. 
Das Putzen des Viehes. Eine Milchkuh, die daran 
gewöhnt war, tqglich zwei Mal mit Striegel und Bürste ge- 
putzt zu werden, wurde zum Zwecke eineS Versuches innerhalb 
14 Tagen gar nicht geputzt. Die Milchmenge betrug wahrend 
dieser Zeit 11 Maas weniger als in 14 Tagen vorher, ob- 
wohl dte Fütterung und die sonstigen Verhältnisse in keiner 
Weise geändert worden waren. 
Granbynden. (Ein Muster hoher Viehpreise.) Gemeind 
ammann Johannes Allemann in Tfchappina kaufte vor unge- 
fahr einem Jahre eine Mäse für den damals hohen Preis von 
24 Marengin. Vor einigen Tagen löste derselbe aus diesem 
Rind (jetzt Kuh) sammt Kalb den schönen Preis von Fr. 1160. 
Die Kuh soll nächsten Herbst nach Mailand, und daS Kalb, 
als ausgezeichneter Zuchtstier, ist nach der Gemeinde SinS im 
Unterengadin gekommen. — Bei solchen Viehpreisen wird dem 
Bauer seine Arbeit gut bezahlt. 
(Zur Bierstatiftik.) Nach der neuesten Bierstatistik führt 
die Dreher'sche Brauerei in Schwechat bei Wien für die Er- 
zeugnisse ihrer verschiedenen Etablissemente eine jährliche Steuer 
von weit über 2 Millionen Gulden (5 Mill. Fr.) an den 
Staat ab — daS Budget manches souveränen Staates von 
schon ganz respektabel» Dimensionen. 
^verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
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Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 30. Mai. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
st 
fr. 
st. 
kr. 
st. 
kr. 

4 
10 
4 
— 
3 
90 
Roggen .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
2 
80 
2 
70 
2 
HO 
Hafer 
1 
60 
1 
50 
1 
40 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Mai 28 
+ 8 
-(-12 
+ 8% 
bedeckt. 
„ 29. 
+ 672 
+ 7 
+ 10 
trüb,Reg. hoh.fchn. 
„ 30. 
+ 5% 
+ 11- 
+ 9 
halb hell. 
„ 31. 
+ 6 
+ 6 
+ 7% 
fast bedeckt. 
Juni 1. 
+ 3
    

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