Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/85/
nehme, obgleich ich seinen Rücktritt bedaure, hat die Natio- 
nalverfammlung die beiden ihr auferlegten Werke vollendet: 
die Räumung deS BodenS und die Wiederherstellung der Ord- 
nung. Ich zäble auf Sie, meine Herren, wenn ich es wage, 
die übernommenen Verpflichtungen bis zu Ende zu erfüllen. 
Dank den von meinem Vorgänger mit dem Auslände ange- 
knüpften Beziehungen wird unS dieS übrigens leicht werden. 
Ich werde die von ihm vorgezeichnete Bahn, d. h. die Erhal- 
tung deS Friedens verfolgen, damit man in der Reorganisi- 
rung untrer Armee nur den Wunsch erkenne, wieder den unS 
gebührenden Rang einzunehmen. In den innern Angelegen- 
Helten baden Ihre Handlungen daS Ziel im Auge gehabt, die 
soziale Erhaltung zu bewerkstelligen, und den Angriffen auf 
die Gesellschaft zu widerstehen. Die neue Regierung wird 
demgemäß eine energische aber konservative sein. Ich glaube 
Minister gewählt zu haben, die im Stande sind, alle höheren 
Fragen, über welche Ihre Ausschüsse wichtige Gesetze ausarbeiten, 
auf kompetente Weise zu behandeln. Die Regierung beabsichtigt bis 
zur Erörterung der konstitutionellen Gesetze zuzuwarten, bevor 
sie ihre Ansicht zu erkennen gibt. Sie wird es zu gleicher 
Zeit nicht unterlassen, der Verwaltung auf allen ihren Stufen 
die gehörige Einheit und Kohäfion zu verleihen. Mein Vor- 
satz geht ausdrücklich dahin, den Beschlüssen der Versammlung 
Folge zu leisten; sie allein ist das Bollwerk der menschlichen 
Gesellschaft in Frankreich und in Europa gegen die Versuche 
der Störer der Ordnung. 
Mac Mahon." 
Wie lange die Präsidentschaft Mae Mahonö dauern wird, 
ob nach ihm ein König, mag er nun Henri oder LouiS Phi 
lipp heißen, kommen oder ob nach ihm wieder ein Napoleon 
den Thron besteigen, oder ob sein Erbe die radikale Republik 
mit Gambetta sein wird, wer vermöchte diese Frage zu ent« 
scheiden? Die Geschichte Frankreichs lehrt, daß nichts unmög- 
lich ist, am wenigsten das Unwahrscheinlichste. Lassen wir die 
Thatsachen reden. 
Spanien. AuS Biarritz wird von karlistischer Seite ge- 
meldet: Die Züge auf der Nordbahn werden von heute an 
ihren regelmäßigen Gang nehmen; es ist eine Uebereinkunft 
in Betreff der Neutralität der Linie unterzeichnet worden. Die 
in der Schlacht von Eraul gefangen genommenen Obersten 
Navarro und Arzellatta sind gegen das Versprechen, nie wie- 
der die Waffen gegen Karl VII zu ergreifen, entlassen wor- 
den; drei ebendaselbst gefangene Artillerieoffiziere haben sich 
Don Carlos unterworfen. General Nouvilas hat, nachdem er 
9 Tage hinter den Wällen PamplonaS zugebracht, den könig- 
lichen Truppen den Rücken gekehrt und ist nach Bilbao ge- 
gangen. Dorregaray rückt mit 6000 Mann gegen Pamplona vor. 
Castelar, der spanische Minister, bat auf ein Schreiben 
wmMmammmmmummammmammmmmmmmmmummKmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmMmmmmmMmtmmmmmmmm 
Deiner Liebe erzähltest, als Du so trostlos warst, da ging mir 
allerlei einfältiges Zeug durch den Kops, welches mich verwirrte 
und am Ende hätte toll machen können, vertrieb nicht Dein 
schöner Gesang und meine Laute die bösen Geister. Heute, als 
mich der erste Strahl der Morgensonne weckte, war nun vollends, 
da schon von ilbend der schlimme Spuk gewichen, alle Lebenslust 
in mein Gemüth zurückgekehrt. Ich lief hinaus, und im Gebüsch 
umher kreuzend, kamen mir allerlei herrliche Dinge in den Sinn: 
wie ich Dich so gefunden, wie mein ganzes Gemüth sich Dir 
zugewandt! — Eine anmuthige Geschichte, die sich vor einiger 
Zeit in Italien zutrug, eben als ich dort war, fiel mir ein; ich 
will sie Dir erzählen, da sie recht lebendig zeigt, was wahre 
Freundschaft vermag. Es begab sich, daß ein edler Fürst, eifriger 
Freund und Beschützer der schönen Künste, einen sehr hohen Preis 
ausgesetzt hatte für ein Gemälde, dessen herrlicher, aber schwer 
zu behandelnder Gegenstand genau bestimmt war. Zwei junge 
Maler, die, durch das engste Freundschaftsband verbunden, zu- 
sammen zu arbeiten pflegten, beschlossen, um deu Preis zu ringen. 
Sie theilten sich ihre Entwürfe mit und sprachen viel darüber, 
deS Berner Regierungspräsidenten Jolissaint schön geantwortet, 
indem er u. A. schrieb: DaS Mittel, um die Republik zu 
gründen, sei nicht die Revolution. Die Festigung der Republik 
sei daS Werk des ganzen Volkes. ES gebe nur ein Mittel, 
sie zu konsolidiren und dies bestehe darin: daß man auf ein 
Vorgehen, das auf Gewalt beruhe, verzichte und Alles vom 
allgemeinen Stimmrecht und von der Freibeit erwarte, auch, 
daß die politische Ordnung ebenso unerschütterlich sei, wie die 
physische Ordnung im Weltall. 
Verschiedenes. 
Russische Zustände. Der Glanz des CzarennamenS, 
die Auflösung deS Pariser Friedens, das geräuschvolle Vorgehen 
in Mittelasien dürfen unS nicht über die ungeheuren Schwie 
rigkeiten täuschen, mit welchen daS russische Reich im Innern 
zu ringen hat. Die Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 
1861 war die gewaltigste Umwälzung der russischen Geschichte 
seit den Reformen PeterS des Großen. Sie ward mit allge- 
meinem Beifall im westlichen Europa aufgenommen, als die 
große That eines hochherzigen, humanen Fürsten, welche einen 
Schandfleck der Menschheit getilgt habe und die russische Na- 
tion zu einer freien und gebildeten machen werde, machen müsse. 
WaS gegenwärtig in Rußland vorgeht, spricht nicht für die 
allseitige Richtigkeit dieser Auffassung. Der russische Bauer hatte 
wohl daS Joch der Leibeigenschaft ungern getragen; aber waS 
er dagegen einzutauschen wünschte, war etwas ganz anderes 
als das, was wir annehmen möchten: nicht Freiheit zu eigener 
Regsamkeit in nutzbringender Arbeit wollte er. sondern absolute 
Freiheit, Lösung von allem Zwang zu arbeiten, Steuern zu 
zahlen und dgl. In dieser Hinsicht erinnert sein Benehmen 
nach der Befreiung sehr an daS vieler nordamerikanischer Neger 
nach der Niederwerfung der Südstaaten. Zunächst ward gar 
nichts gearbeitet; das Land blieb unbebaut, um so mehr, alS 
vielen Bauern, selbst wenn sie eS hätten bebauen wollen, Ge- 
räthe und Vieh fehlten, das sie seither von ihren Herren bekommen 
hatten. Diese adeligen Herren suchten den Ausfall an Ein- 
fünften, den ihnen die Reform gebracht hatte, zu decken durch 
möglichst rasche Anlagen von Mühlen, Sägmühlen, Brantwein- 
brennereien und dgl; um Arbeiter zu erhalten, boten sie hohe 
Löhne und die Bauern zogen diesen leichtern Verdienst dem 
mühseligen Lnndbau großentheils vor. So ist eS thatsächlich 
dahin gekommen, daß bei St. Petersburg 1 auf dem platten 
Lande aber 2 Rubel für einen einfachen Mähder bezahlt werden 
müssen (1 Rubel wird in Deutschland für 1 fl. 33 — 36 kr. 
gerechnet); daß große Strecken Landes unangebaut liegen, daß Noch 
und Mangel im Volke herrscht, die Steuern mit Gewalt, oft 
durch Militär, eingetrieben werden müssen und in vielen Be- 
wie die Schwierigkeiten des Gegenstandes zu überwinden. Der 
Aeltere, im Zeichnen, im Ordnen der Gruppen erfahrner, hatte 
bald das Bild erfaßt und entworfen und stand nun bei dem 
Jüngern, der, schon im Entwurf ganz verzagt, von dem Bilde 
abgelassen, hätte der Aeltere ihn nicht unablässig ermuntert und 
ihm guten Rath ertheilt. Als sie nun zu malen begannen, wußte 
der Jüngere, ein Meister in der Kunst der Farbe, dagegen dem 
Aelteren so manchen Wink zu geben, den dieser mit tüchtigem 
Erfolg benutzte, so daß der Jüngere nie ein Bild besser gezeich- 
net, der Aeltere nie ein Bild besser gefärbt hatte. Als die Ge- 
mälde vollendet waren, fielen sich beide Meister in die Arme, 
jeder war innig erfreut — entzückt über die Arbeit des andern, 
jeder dem Andern den wackern verdienten Preis zuerkennend. Es 
begab sich aber, daß der Jüngere den Preis erhielt, da rief er 
ganz beschämt: O, wie konnte ich den Preis erringen, was ist 
mein Verdienst ohne das meines Freundes, wie hätte ich denn 
nur ohne seinen Rath, ohne seinen wackern Beistand etwas Tüch-, 
^ tiges hervorbringen können? 
(Fortsetzung folgt.)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.