Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/78/
eine Zögerung in der.Saat schon noch bis Ende Mai statt- 
finden, besonders noch, da die Kartoffeln ziemlich früher Art 
sind. Jedenfalls iß „Samenänderung" dieses Lebensmittels 
Jedermann auf's Beste zu empfehlen. 
Was ein Spatzennest Werth ist. ^)er Thüringische 
Thierschutzverein bringt folgende Ansprache: „Lieber Landmann! 
Pein Junge nimmt aus Langeweile ein Vogelnest, Grasmücken-, 
Spatzen-, Rothschwanznest oder ein anderes, gleichviel von 
welchem der oben genannten Vögelchen, sei eS mit Eiern oder 
mit Jungen aus. Jedes dieser Zungen braucht täglich im 
Durchschnitt etwa 50 Stück Raupen und anderes Geschmeiß 
zur Aezung, die ihm die Alten aus der Nachbarschaft zutragen, 
macht täglich 250 Stücke. Die Aezung dauert durchschnittlich 
4—5 Wochen, wir wollen sagen 30 Tage, thut für das Nest 
7500 Stücke. Jede Raupe frißt taglich ihr eigenes Gewicht 
an Blattern und Blüthen. Gesetzt, sie braucht bis sie auSge- 
fressen hat, auch 30 Tage und frißt täglich nur eine Blüthe, 
die eine Frucht abgegeben hätte, so frißt sie in 30 Tagen 30 
Obftfrüchte in der Blüthe und die 7500 Raupen in Kompagnie 
225,000 Stücke solcher Blüthen. Hätte Dein Junge daS 
Vogelnest in Ruhe gelassen, so hättest Du und Deine Nachbarn 
225,000 Stücke Aepfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen :c. mehr 
geemtet. Wenn jedoch die Raupe, wie sie eS manchmal aus 
Liebhaberei thut, 10, 20, 30 Blüthen des TageS frißt, over 
wenn wegen des abgefressenen LaubeS die Blüthen keine Nah- 
rung mehr haben und welk abfallen, so beziffert sich Dein und 
Deiner Nachbarn Verlust noch viel höher, Du kannst dann 
leicht berechnen, waS ein Spatzennest für einen Werth hat. 
Deutschland. Ein wahres Naturwunder ist in Ot 
tering in Niederbayern zu sehen. Dort hat der Dorfwirth 
einen Buben von 3 x / % Jahren, der seit einem Jahre ungewöhn- 
lich groß und stark wird. Er wiegt schon jetzt einen Zent- 
ner und 3 Pfund, ißt dabei wie ein Drescher, trinkt jeden 
Tag ein paar Maß Bier und raucht seine Cigarren. Im Ge- 
sichle des Buben entwickelt sich ein starker Bart. Die geistige 
Entwicklung hält zwar mit der körperlichen nicht gleichen 
Schritt, aber blöde und dumm ist der Bube nicht. 
Wunderbare Rettung. Vom 29. April entnimmt man 
dem ^Genfer Journal" folgenden von fast wunderbaren Ver- 
umständungen begleiteten Eisenbahnunsall: Auf der Linie 
Paris Lyon fuhr per Schnellzug, der in Genf um 10 Uhr 
50 Minuten Vormittags anlangt, eine Mutter mit ihrem drei- 
jährigen Kinde. Beim Passiren des Tunnels von Credo nun 
fiel daS Kind, welches , sich an die schiecht verschlossene Thüre 
anlehnte, auS dem Waggon. Die verzweifelnde Mutter wollte 
ungesäumt daS Haltsignal geben, der telegraphische Apparat 
aber versagte, wie so oft, den Dienst. Mitreisende mußten 
den ganzen Zug durcheilen, um den Zugchef zu benachrichtigen, 
dem eS endlich 6 oder 7 Kilometer von der Unglücksstätte ge- 
lang, Halt zu machen. Er eilte mit der Mutter und deren 
Dienerin zurück, in der bestimmten Erwartung, eine Leiche zu 
finden. Zwischen den Schienen und der Wand des Tunnels 
ist bloS 1,35 Meter Zwischenraum, ein Mann würde unfehl- 
bar erdrückt werden, brächte ihm der bloße Sturz nicht schon 
den Tod. Man fand daS Kind vollkommen unversehrt im 
Dunkeln auf der Schiene sitzen, neben der eS herausgefallen 
war, die Ellenbogen auf's Knie gestützt. Die Dunkelheit hatte 
eS offenbar verhindert, sich weiter zu bewegen und so vielleicht 
unter die Räder deS ZugeS zu kommen, welcher mit dem be 
sprochenen im Tunnel sich gekreuzt hatte. AlS weiterer Zufall 
muß angesehen werden, daß ein Zug, der auf demselben Ge- 
leise in einem Zwischenraum von einer halben Stunde nach- 
folgen sollte, in Folge eines Unfalles sich um volle anderthalb 
Stunden verspätete. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Notiz. 
Ende Mai beabsichtigt Frau Elise von Körb^er ihre 
erste Reise nach Canada anzutreten, was sie hiermit zur Kennt- 
niß solcher bringt, welche gesonnen sind, sich unter ihre Füh- 
rung zu stellen. Nach ihrer Rückkehr (Ende Juli) wird sie 
zu jeder Zeit bereit sein, weitern Anfragen entgegenzukommen, 
und Anfang September unternimmt Frau von Körber ihre 
zweite Ueberfahrt. H 1569 
Freiburg i. B., den 10. Mai 1873. 
Für Auswanderer und Reisende, 
Regelmäßige, solide ««d billige Speditiv« mittelst 
Post-, Dampf- und Segelschiffen 
nach allen Theilen von 
Nord- & Südamerika & Australien 
durch die konzessionirte Generalagentur von Zwilchenbart in 
Basel, Zentralbahnhofplatz Nr. 12. 
Agent für Tirol und Vorarlberg I. Schauer, Inhaber 
der Expreß-Compagnie in Feldkirch. m. 1 13 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 16. Mai. 
| Der halbe Metzelt 
beste 
mittlere 
geringe 

fl. 
kr. 
fl 
kr. 
fl. 
kr. 
Korn 
4 
10 
4 
— 
3 
90 
Roggen .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
2 
80 
2 
70 
2 
60 
Hafer 
1 
60 
1 
50 
1 
40 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
AbendS 
6 Uhr 
Witterung. 
Mai 
14 
+ 3^/2 
+ 10V 4 
+U 
hell, Reif. 
n 
15. 
+ 3y 4 
+ 12% 
+ 14 
n n 
n 
16. 
+ 5V2 
+ 153/4 
+ 15 
„ NchtS.Föhnwd«. 
H 
17. 
+12% 
+19 
+17 
fast hell, Föhnwd. 
H 
18. 
+ 11 
+17V2 
+ 14 
fast bedeckt. 
it 
19. 
+10 % 
+17V 2 
+12 
n u 
H 
20. 
+ 10 
+ 11% 
+ 8 
bedeckt, Regen. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
21. Mai 100 fl. Silber 109.75 
20-Frankenstücke 8.77 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch. 
        

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