Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/77/
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auf den internen Linien 822, durch den Staatstelegraphen 
1112, durch den Lokaltelegraphen 290 Depeschen. 
Italien. Im Befinden des PapfteS ist nach ven neuesten 
Berichten wieder eine bedeutende Verschlechterung eingetreten. 
Man befürchtet das Aeußerste. 
Spanien. Der Korrespondent der „KZ." bei den Car- 
listen ist von den Regierungstruppen gefangen worden. Zuerst 
wollten ihn zwei Soldaten mit ihren Bajonetten dnrchbohren, 
dann gab Oberst Costa den, wie er schreibt, „angenehmen 
Befehl" ihn sofort zn füsiliren. ES gelang ihm noch recht- 
zeitig sich als harmlose Person zu legitimiren und so entging 
er dem Tode. Die karlistische Heersührung ist nach seiner 
Beschreibung durchaus keine furchtbare. Die Generäle und 
CalbecillaS stellen kaum Wachen aus, die ausgestellten Wachen 
schlafen, von Recognoscirung keine Spur. Um so verwunder 
licher, daß die spanische Armee nicht schneller mit ihnen fertig 
wird. 
Laut Nachrichten auS Barcelona vom 14. Mai ist SaballS 
mit 800 Mann 14. d. Abends in Malaro, 20 Kilometer von 
Barcelona, eingerückt. Die überraschten Einwohner leisteren 
nur schwachen Widerstand. Der Stadt wurde eine Contribu- 
tion von 10,000 DuroS, sofort zahlbar auferlegt. Die auf 
dem Zollamte niedergelegten Fonds wurden in Beschlag genom^ 
men. Eine Colonne ist von Barcelona dahin abgegangen, be- 
stehend aus zwei Kompagnien des Regiments Cadix, 250 Ka- 
rabinierS und 300 Freiwilligen der Republik. 
Schweiz. Schwyz. Der letzte Schnee hat die Heupreise 
in's Unerhörte gesteigert. So sollen von einzelnen Heubesitzern 
Fr. 14 bis 15 per Zentner gefordert worden sein. Daß dabei 
viel Vieh stark Mangel litt, ist selbstverständlich. Auch die 
Graspreise sollen noch gestiegen fein 
Gen f. Das „Genfer Journal" berichtet von einem 
schrecklichen Verbrechen, das vor zilka 8 Tagen begangen, indeß 
erst am 4. d. entdeckt worden. In der Rue neuv wohnte ein 
gewisser I Derangier mit seiner Frau, einer Savoyerin. Sie 
war Wäscherin und besorgte u. A. auch die Wäsche ihres in 
Genf wohnenden Bruders. AlS nun dieser, wie gewohnt, seinen 
Bedarf abholen wollte, fanr> er die Zimmerthüre geschlossen, 
schöpfte ob dieses ihm ungewohnten Faktums Verdacht und 
holte die Polizei herbei. Da fand man denn die Frau auf 
dem Boden neben dem Bette in ihrem Blute liegen, den Kops 
fast zur Unkenntlichkeit zerschlagen und zerhauen. — Der Ver 
dacht lenkte sich sogleich aW Derangier, er ward beim Nachhause- 
kommen abgefaßt und "bekannte bald seine Täterschaft. Die 
Frau hatte sich oft betrunken, gab er an, nnd ihn dann schmählich 
beschimpft. AlS dieß am 27. April wieder passirt sei, babe ihn 
der Zorn übermannt und er ihr, wie sie ihm Bette lag, mit 
einer eisernen Stange über den Kopf geschlagen und sie dann 
soll mit Euch zusammen in meinem Hause aufgenommen sein." 
Hätte Meister Martin das Weib nicht ersaßt, sie wäre ihm vor 
Schmerz und tiefer Rührung beinahe entseelt zu Füßen gesunken. 
Die ältesten Jungen hingen sich an sein Wamms, und die beiden 
jüngsten, die Rosa auf den Arm genommen, streckten die Händchen 
nach ihm aus, als hätten sie Alles verstanden. Der alte Paum- 
gartner sprach lächelnd, indem ihm die hellen Thränen in den 
Augen standen: „Meister Martin, man kann Euch nicht gram 
werden," und begab sich dann nach seiner Behausung. 
Wie die beiden jungen Gesellen, Friedrich und 
Rein hold, mit einander bekannt wurden. 
Auf einer schönen, grasigen, von hohen Bäumen beschatteten 
Anhöhe lag ein junger Gesell von stattlichem Ansehen, Friedrich 
geheißen. Die Sonne war schon herabgesunken, und rosige 
Flammen leuchteten auf auS dem tiefen Himmelsgrunde. Ganz 
deutlich konnte man in der Ferne die berühmte Reichsstadt Nürn-- 
berg sehen, die sich im Thale ausbreitete und ihre stolzen Thür- 
me kühn in das Abendroth hinaufstreckte, das sein Gold aus- 
römtest auf ihre Spitzen. Der junge Gesell hatte den Arm ge 
gewürgt, damit sie nicht Leute herbeirufen könne. Seit der 
Zeit hat er wohlgemuth daS Zimmer weiter bewohnt und im 
Bette geschlafen, neben dem die Leiche lag. Ueberhaupt legte 
er eine unglaubliche Verstocktheit und nichts weniger als Reue 
an den Tag 
Es ist berechnet, daß die Gesammtfabrikation der Uhren- 
industrie in der Schweiz jährlich einen Werth von über 100 
Millionen Fr. repräsentire, und daß wohl über 1800 nam- 
hafte Häuser die Uhrenmacherei betreiben. 
Rußland. In St. Petersburger diplomatischen Kreisen 
erzählt man sich, daß man beim Schah von Persien vom rus- 
sischen Hose auS vertraulich angefragt habe, waS ihm in St. 
Petersburg am meisten Vergnügen machen würde, und durch 
die Antwort: „Eine rechte Hinrichtung/ in einige Verlegen- 
heit versetzt worden sei, da in Rußland bekanntlich die TodeS- 
strafe abgeschafft ist. DaS habe man dem Schah auch zu 
wissen gethan, und dabei ihn um weitere Wünsche befragt. 
Diese klängen allerdings bescheidener — und liefen auf Ar- 
beiter und Arbeiterinnen am Trapeze (ein halSbrechendeS CirkuS- 
Manöver) hinaus. Die feien den auch vom Hofmarschallamte 
des Kaisers engagirt, und so wird der Schach sich jeden Abend 
der lieblichen Hoffnung hingeben, daß, wenn er auch keine Hin- 
richtung sehen, er eS doch erleben kann, daß Der oder Jene den 
Hals bricht. Ländlich — sittlich! 
Verschiedenes. 
(Landwirthschaftliches). Ueber die Frage: „Werden 
die von Deutschland eingeführten Saatkartoffeln ein be- 
friedigendeS Resultat geben?" sagt, wie „Emmenth. Bl." mit- 
theilt, ein deutscher Landwirth Folgendes: „Diese Kartoffeln 
werden bei uns vor Mitte Mai gesetzt, indem zur Aufnahme 
der Saat der Boden die gehörige Wärme besitzen muß, d. h. 
wenn die Kartoffeln früher gesetzt werden, so werden sie hart 
und erhalten niemals die erwünschte Große und Qualität. Ich 
bin überzeugt, sagt er, daß diese Frucht hier gedeihen muß; 
der Boden ist gut, und wenn in der Schweiz die Art und 
Weise, das Land anzupflanzen wie in Deutschland, angenom- 
men wird, wo wir uns, sozusagen, allein nur der Erziehung 
dieses Hauptlebensmittels widmen, so wird ein außerordentlich 
günstiges Resultat erzielt werden können " Er bemerkt mir 
ferner, daß die Kartoffel jeden Frühling gerne Boden wechsle, 
so daß z. B da, wo ein Jabr Hafer angesäet, das andere 
Jahr Kartoffeln gesetzt würden und so umgekehrt, so daß daS 
zweite Jahr wieder für Kartoffeln gut wäre. Nun glaube ich, 
sei an einem Versuche nichtS zu risklren und kommt jetzt die 
Zeit, wo dann der Boden zur Aufnahme der Saat geeignet 
wäre. Nach der stattgehabten unerwartet großen Kälte kann 
stützt auf das Reisebündel, das neben ihm lag, und schaute mit. 
sehnsuchtsvollen Blicken herab in das Thal. Dann pflückte er 
einige Blumen, die um ihn her im Grase standen, und warf sie 
in die Lüfte dem Abendroth zu; dann sah er wieder traurig vor 
sich hin, und heiße Thränen perlten in seinen Augen. Endlich er- 
hob er seinen Kops, breitete beide Arme aus, als wolle er eine 
geliebte Gestalt umfangen, und sang mit heller, gar lieblicher 
Stimme folgendes Lied: 
Schau ich dich wieder, O Heimath süß, 
Nicht von dir ließ Mein Herz getreu und bieder. 
O rosiges Roth, geh' mir auf, Mag nur schauen Rosen, 
Blüh'ude Liebesblüth, Neig' dem Gemüth 
Dich zu, mit wonnigem Kosen. Willst du springen, o schwellende Brust ? 
Halt' dich fest in Schmerz und süßer Lust, O goldnes Abendroth! 
Schöner Strahl sei mein frommer Both', Seufzer — Hhränen 
mußt 
Treulich zu ihr tragen. Und stürb ich nun, 
Möchten Röstern dich fragen, Sprich! — In Lieb verging sein Herz. 
(Fortsetzung folgt )
        

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