Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/73/
wie Zwerge; die Viktorien, welche die Felder der Juteverklei 
dung der Decke schmücken, die, von unten gesehen, wie halbge- 
wachsene Madchen erscheinen, sind in der That 21 Fuß lang, 
haben also das Vierfache der gewöhnlichen Lebensgröße. 
Pesther Berichte meldeten von einem entsetzlichen Unglück, 
daS sich auf der österreichischen Staatsbahn ereignet. Der am 
6. gegen Mittag von BaziaS kommende Zug entgleiste nahe 
bei der Einfahrt in den Bahnhof. Man legte an der betref- 
senden Stelle neue Schienen und diese waren noch nicht fest- 
genietet. Die Arbeiter gaben lebhafte Warnungszeichen, allein 
eS war unmöglich den Zug sofort zum Stehen zu bringen. 
AlS derselbe am Ende der neugelegten Schienen angelangt, 
wühlte sich die Maschine tief in den Sand ein, die Wagen 
thürmten sich aufeinander und mehrere wurden total zertrüm- 
mert. Im Ganzen gab es 26 Todte und eben so viel Ver- 
wundete, welche größtentheils sehr schwer verletzt sind. Manche 
der Unglücklichen wurden theilweise ganz platt gedrückt, daS 
Gehirn klebte an den Wagentrümmern und verschiedene Kör- 
pertheile lagen zerstreut umher. 
England. Im englischen Parlament wurde wieder ein< 
mal über den Antrag auf Verleihung des politischen Stimm- 
rechts an die Frauen abgestimmt. Der Antrag wurde zwar 
abgelehnt, aber er hatte 12 neue Anhänger gewonnen. Wir 
erleben es schon noch, daß England ganz vom Unterrock re- 
giert wird. Nahe daran ist es schon, Königin ist eine Frau 
und Minister ein Mann unter dem Pantoffel seiner Frau. Der 
Einfluß deS weiblichen Theils der Familie Gladstone'S war 
schon lange Gegenstand kritischer Bemerkungen. 
Italien. Die wegen einer an sich durchaus nicht zu 
solcher Wirkung geeigneten Ursache so unerwartet ausgebrochene 
MinisterkrisiS in Rom ist bereits wieder beigelegt. Der König 
hielt seine Diener fest und dieselben gaben gehorsam nach 
Lanza und Sella erkärten in der Kammer, daß das Mini- 
sterium bleibe. Einige Redner von der Linken tadelten das 
Ministerium, daß eS aus so geringfügigem Anlasse eine Krisis 
herbeigeführt. In Wahrheit hat aber die Kammer.sich selbst 
bei der Nase zu nehmen. Sella ist sparsam und sucht das 
chronische Defizit Italiens durch einen guten Haushalt auSzu- 
ebnen. Die Kammer votirt immer neue und erhöhte Ausgaben 
drauf loS ohne neue Hilfsquellen zur Verfügung zu stellen. 
Ist dann einmal wieder Wahl, so spielen die HH. Abgeord- 
neten die Knorzer und klagen die Regierung der Verschleu« 
derung an. Dem Faß den Boden ausgeschlagen hat der Be- 
schluß der Kammer für einen neuen KriegShafen in Tarent 
23 Millionen statt der von Sella zugestandenen 6 % Millionen 
zu votiren, ein Beschluß, der für die Verhältnisse Italiens 
geradezu ein Schulknabenstreich zu nennen ist. Italien kann 
daß meine brave Hausfrau, bald nachdem Rosa geboren, an 
den Folgen des schweren Kindbettes starb. Damals lebte meine 
malte Großmutter noch, wenn stocktaub und blind, kaum der 
Sprache fähig, gelähmt an allen Gliedern, im Bette liegen Tag 
und Nacht, anders leben genannt zu werden verdient. Meine Nosa 
war getauft worden und die Amme saß mit dem Kinde in der 
Stube, wo die Großmutter lag Mir war es traurig, und 
wenn ich das schöne Kind anblickte, so wunderbar freudig und 
wehmüthig zu Sinn; ich war so tief bewegt, daß ich zu jeder 
Arbeit mich untauglich fühlte und still in mich gekehrt, neben dem 
Bett der alten Großmutter stand, die ich glücklich pries, da ihr 
schon jetzt aller irdische Schmerz entnommen. Und als ich ihr 
nun so in's bleiche Antlitz schaue, da fängt sie mit einem Mal 
an seltsam zu lächeln, es ist als glätteten sich die verschrunipsten 
Züge aus, als färbten sich die blassen Wangen. — Sie richtet 
stch empor, sie streckt wie plötzlich beseelt von wunderbarer Kraft 
die gelähmten Arme aus, wie sie es sonst nicht vermochte, sie ruft 
vernehmlicher, mit leiser, lieblicher Stimme: Nosa — meine 
Itefce Rosa! — Die Amme steht auf und bringt ihr das Kind, 
23 Millionen an hundert notwendigere Dinge verwenden, 
statt sie an einen KriegShafen zu versalben. 
Der Papst feiert am 13. d. seinen 82. Geburtstag. 
Wie die „N. Fr. Pr." meldet, wird am Hofe alles Mögliche 
versucht, um ihn auf diesen Tag zu den gewohnten Empfän- 
gen der Deputationen zu befähigen. Bis jetzt ist aber eine 
nennenSwerthe Besserung noch nicht eingetreten und seitens der 
Aerzte werden ernstliche Schritte gethan, daß er Rom verlasse 
und sich im Interesse einer für seine Gesundheit gebotenen 
Luftveränderung nach Castelgandolso begebe. 
Spanien Die spanische Regierung hat in einem Man»- 
fest alle Parteien zur Theilnahme an den Wahlen eingeladen. 
Die Enthaltung, sagt sie, wäre bei den Republikanern ein 
Selbstmord, bei den Konservativen ein Appell an neue Mili- 
tärpronunciamentos, die ewige Pest des Landes. 
Die Karlistenbanden Dorregaray und Ollo haben bei 
Eraul über die RegierungStruppen gesiegt; 300 Mann der 
letztern sollen gefangen genommen worden sein. Ein offizielles 
Bulletin aus Nävarra gesteht die Niederlage ein. Oberstlieu- 
tenant Martinez, welcher die Genietruppen befehligte, befindet 
sich unter den Gefangenen. Die Karlisten haben eine Kanone, 
nach ihren eigenen Berichten zwei, genommen und eine vernagelt. 
Schweiz. DaS Ergebniß der Großrathswahlen in unferm 
Nachbarkanton St. Gallen ist: 96 liberale gegen 65 konser- 
vative Großrathe. 
In der Oeoerlin'schen Eisenfabrik zu Rieden (Kt. Aargau) 
fand ein Arbeiter beim „z'Nüninehmen" in seinem Fläschchen 
Wasser statt Branntwein. Ein anderer Arbeiter lachte darüber 
und erhielt dafür von dem Gefoppten mit dem Hammer einen 
Streich auf den Kopf, daß er nach ein paar Stunden eine 
Leiche war. Beide sind junge Familienväter, welche Frauen 
mit unmündigen Kindern haben. 
Amerika Ueber das Erdbeben in San Salvador sind 
genauere Nachrichten eingelaufen, und diese geben den Verlust 
an Menschenleben auf 500 an und den Verlust an Vermögen 
auf 7,000,000 Doll. Der erste Stoß, welcher am 7. März 
erfolgte, war nur leicht, aber die Einwohner verließen ihre 
Häuser und flüchteten sich auf die Plätze und auf die Fel- 
der Ein größerer Stoß erfolgte am andern Tage und nur 
zwei Häuser hielten denselben aus. Eine Feuersbrunst fand 
nunmehr statt, wurde jedoch schnell bewältigt, und die Behör- 
den vereitelten die gemachten Raubversuche. Alle Dörfer, 40 
Meilen in der Runde, haben gelitten. 
Verschiedenes. 
Ueber den Bau des Gotthardtunnels. (Eingesandt 
von einem Landsmanns.) Der RichtungStunnel ist um 26,7 
das sie in den Armen auf und nieder wiegt. Aber nun, mein würdiger 
Herr, nun denkt Euch mein Erstaunen, ja, meinen Schreck, als 
die Alte mit heller kräftiger Stimme ein Lied in der hohen früh- 
lichen Lobeweis Herrn Hans Berchler's, Gastgebers zum Geist in 
Straßburg, zu singen beginnt, das also lautet: 
Mägdlein zart mit rochen Wangen, Rosa, hör' das Gebot, 
Magst dich wahren vor Noch und Bangen, Halt im Herzen nur Gott, 
Treib keinen Spott, Heg' kein thöricht Verlangen. 
Ein glänzend Häuslein wird er bringen, Würzige Fluten treiben d'rin. 
Blanke Englein gar lustig singen, Mit frommen Sinn 
Horch treuester Minn, Ha! lieblichem Liebesklingen. 
Das Häuslein mit güld'nem Prangen, Der hat's in's HauS getragen, 
Den wirst du süß umfangen, Darfst nicht den Vater frag'n, 
Ist dein Bräut'gam minniglich. In's Haus das Häuslein bringt 
allewegen 
Reichthum, Glück, Heil und Hort, Iungfräuleiu! — Augen klax l 
Oehrlein auf vor treuem Wort, Mähst wohl hinfort, 
Blühen in Gottes Segen! 
(Fortsetzung folgt.)
        

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